Klaus Riegert (CDU), Spielführer der Bundestags-Kicker

"Der Kapitän bleibt Kapitän"

HENNING SUSSEBACH
3 Min

Herr Riegert, haben Sie Angst?Weswegen?In Bonn fällt ein Amt nach dem anderen an die SPD: das des Kanzlers, des Parlamentspräsidenten, der Minister. Da steht in der Fußball-Elf des Bundestages sicher auch ein Macht- und Kapitänsbindenwechsel an.Den erwarte ich nicht. Wir haben eine sehr große Kontinuität. Es gibt unsere Bundestagsauswahl zwar schon seit dreißig Jahren, aber ich bin erst der dritte Spielführer. Der Kapitän bleibt Kapitän, bis er keine Lust mehr hat oder sein Bundestagsmandat verliert.Da sind Ihnen am 27. September ein paar Parteifreunde aus dem Kader gewählt worden, oder?Einige Kollegen sind nicht zurückgekommen manche freiwillig, manche unfreiwillig. Andererseits sorgt die Wahl alle vier Jahre auch für Nachwuchs: Jetzt rückt zum Beispiel Karsten Schneider von der SPD nach. Der ist erst 22 und soll ein guter Stürmer sein. Der wird uns gut tun. Wir sind ja eher alte Herren, fast fünfzig Jahre alt im Schnitt.Hat Theo Waigel noch eine Zukunft? Als Minister genoß er sicherlich eine Art Stammplatzgarantie.Bei uns nicht. Politik ist Politik, Fußball ist Fußball. Waigel und Joschka Fischer, die sind ja unsere Prominentesten, haben aus Zeitmangel eh nicht so oft mitgespielt.Dennoch: Auf welcher Position spielt Herr Waigel, wenn er spielt?Halbrechts bis rechtsaußen.Damit war zu rechnen. Kommen Sozialdemokraten mehr über links?Nein, nein, auch nicht durch diese neue Mitte. Wir haben durchaus rechte Verteidiger von der SPD.Wenn Sie eine Regierungserklärung über Ihre Kapitänszeit in der letzten Legislaturperiode halten müßten, wie fiele die aus?Wir waren sehr aktiv. Wir haben an die achtzig Spiele bestritten.Hängen die Abgeordneten deshalb immer so müde in den Bänken?Das muß ich dementieren.80 Spiele dürfen Sie dafür dauernd um die Welt jetten?Auf keinen Fall. Die meisten Spiele sind während der Sitzungswoche in Bonn, immer dienstags. Da kommen Auswahlen von Verbänden, Botschaften, anderen Parlamenten. Oder es kommen Teams aus den Wahlkreisen. Meine Bürgermeister waren auch schon da.Denen haben Sie s hoffentlich gezeigt.Da haben wir leider 0:1 verloren.Welche Ziele haben Sie für die nächsten vier Jahre angepeilt?1999 muß ich den Umzug nach Berlin managen. Wir brauchen neue Gegner und einen Trainingsplatz.Wo üben Sie in Bonn?Unten in den Rheinauen. Da ist ein Platz, der ist fußläufig erreichbar. Die Sekretärin kann kurz rüberkommen und sagen: Kommt rein, im Plenum ist was los. Dann gehen wir zurück, das Mandat geht ja vor. In Berlin suche ich im Idealfall etwas ähnlich Nahgelegenes.Fußballspielen vor dem Reichstag ist verboten! Aber wie wäre es mit dem Kanzlergarten?Zum Beispiel. Oft trainieren wir sowieso nur fünf gegen fünf. Dann nehmen wir eben ein tragbares Tor mit raus, nen Ball, und dann hat sich das

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