Archäologie

Königsgrab Seddin: Archäologen legen fast quadratischen Hausgrundriss frei

Der knapp elf mal elf Meter große Bau aus der Bronzezeit gilt dem Grabungsleiter als bislang ohne Vergleich. Das Team gräbt noch bis Ende Oktober.

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Grabung bei Seddin: Franz Schopper und Immo Heske zeigen das Pflaster aus Keramikscherben im freigelegten Hausgrundriss.

Grabung bei Seddin: Franz Schopper und Immo Heske zeigen das Pflaster aus Keramikscherben im freigelegten Hausgrundriss.

© Landkreis Prignitz / Caroline Hähnel

Nahe dem Königsgrab Seddin haben Archäologen einen knapp elf mal elf Meter großen Hausgrundriss aus der Bronzezeit freigelegt. Das teilte der Landkreis Prignitz am Dienstag mit. Der Bau ist fast quadratisch. Häuser der Frühgeschichte hatten nach Angaben von Grabungsleiter Immo Heske von der Georg-August-Universität Göttingen sonst stets einen langrechteckigen Grundriss. „Dieses Gebäude ist bisher singulär. Mir ist gegenwärtig nichts Vergleichbares bekannt“, sagte Heske.

Die Herbstgrabung läuft seit dem 28. September südlich des um 820 v. Chr. errichteten Grabhügels. Dort standen bis zur Abtragung im 19. Jahrhundert die sogenannten Kahlhorst-Grabhügel. Innerhalb des Hausgrundrisses fand das Team ein 1 mal 1,60 Meter großes Pflaster aus Keramikscherben, die nach dem Brennen noch einmal Feuer ausgesetzt waren. Reste von Baulehm deuten nach Einschätzung von Franz Schopper, Direktor des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologischen Landesmuseums (BLDAM), auf einen besonderen Verputz hin. Schopper sieht in dem Gebäude einen Sonderbau und in dem Areal einen von der profanen Nutzung abgegrenzten Bereich.

Außerdem kamen große Mengen Keramik, eine Bernsteinperle und viele verkohlte Tierknochen zutage. Die Perle deute auf Handel mit dem Ostseeraum hin, die Knochen auf Opferhandlungen, so Schopper: „Hier wurden Tierteile oder Tiere vollständig verbrannt, so ähnlich, wie man sich das bei einer Totenverbrennung vorstellen muss.“

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Heske und sein Team aus zehn Studierenden der Universitäten Göttingen, Jena und Bern sowie vier BLDAM-Mitarbeitern bleiben noch bis Ende Oktober in Seddin. Das BLDAM strebt eine Fortsetzung des von 2023 bis 2026 mit der Universität Göttingen laufenden DFG-Projekts „Siedlungsumfeld Seddin 1“ an. Heske brachte zudem den Vorschlag ins Spiel, das Areal perspektivisch für die Unesco-Welterbe-Liste vorzuschlagen.

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