Drogenprozess

Kokainsegler-Prozess in Rostock dauert länger: Termine bis Februar 2027

Die Kammer sieht weiteren Klärungsbedarf. Ein zweiter portugiesischer Ermittler soll aussagen – und in der Beweisaufnahme neue Details zum Zugriff auf See liefern.

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Justizmitarbeiter sichern in dem Prozess gegen die Kokainsegler den Saal im Landgericht Rostock.

Justizmitarbeiter sichern in dem Prozess gegen die Kokainsegler den Saal im Landgericht Rostock.

© Bernd Wüstneck/dpa

Der spektakuläre Kokain-Prozess vor dem Landgericht Rostock geht in die Verlängerung. Das Verfahren gegen einen 59-jährigen Skipper und seine 68-jährige Ehefrau wird nicht wie bislang erwartet im Dezember enden. Der Terminplan reicht nun bis zum 25. Februar 2027. Das teilte Gerichtssprecherin Anne Kruse mit.

Die Verlängerung ist bemerkenswert: Ursprünglich war öffentlich davon ausgegangen worden, dass der Prozess noch 2026 abgeschlossen werden könnte. Nun hat das Gericht allein für Januar und Februar acht weitere Verhandlungstage eingeplant. Ob tatsächlich an allen Tagen verhandeln wird, ist zwar noch offen. Die Kammer rechnet aber offensichtlich damit, dass sich die Beweisaufnahme noch über mehrere Monate erstrecken könnte.

Gericht plant Sicherheitspuffer ein

„Die Termine bis Dezember waren ja schon angesetzt“, sagte Gerichtssprecherin Kruse der OAZ. Ein Teil der neuen Termine sei ein Sicherheitspuffer. Zugleich gebe es in dem Verfahren offenbar noch offene Punkte: „Offensichtlich sieht die Kammer noch mehr Klärungsbedarf.“

Die Strafkammer plant weitere Beweiserhebungen. So soll nach Angaben der Sprecherin noch ein zweiter portugiesischer Ermittler als Zeuge vernommen werden.

Der neue Terminplan sieht Verhandlungstage am 7., 11., 14. und 28. Januar 2027 sowie am 1., 4., 22. und 25. Februar 2027 vor. Zuvor soll der Prozess am 6. und 18. November sowie am 4., 11. und 18. Dezember fortgesetzt werden.

Ein konkreter Termin für die Urteilsverkündung steht damit noch nicht fest. Auch der 25. Februar ist zunächst lediglich als Verhandlungstag vorgesehen. Abhängig vom Verlauf der Beweisaufnahme könnten Termine entfallen – oder weitere hinzukommen.

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Ein weiterer portugiesischer Ermittler soll aussagen

Die Aussage des zweiten portugiesischen Ermittlers könnte neue Einzelheiten über die Operation auf dem Atlantik liefern. Portugiesische Sicherheitskräfte hatten die Segeljacht am 8. August 2025 in der Nähe der Azoren gestoppt. An Bord fanden sie 263,73 Kilogramm Kokain.

Die etwa 14 Meter lange Jacht wurde anschließend nach Ponta Delgada auf der Azoren-Insel São Miguel gebracht. An der internationalen Operation „Albus“ waren neben der portugiesischen Polizei auch Marine und Luftwaffe beteiligt. Unterstützung kam unter anderem vom Bundeskriminalamt, der US-Drogenbehörde DEA sowie britischen und französischen Ermittlern.

Worüber der zweite portugiesische Zeuge vor dem Landgericht konkret berichten soll, ist bislang nicht bekannt. Denkbar sind Fragen zum Aufspüren der Jacht, zum Zugriff in internationalen Gewässern oder zur Durchsuchung des Bootes.

Mitwisserschaft der Ehefrau bleibt zentrale Streitfrage

Beim nächsten Termin am 6. November will sich die mitangeklagte Ehefrau zur Sache äußern. Dass eine solche Einlassung geplant ist, war bereits bekannt. Durch die erhebliche Verlängerung des Verfahrens erhält sie nun zusätzliche Bedeutung für die weitere Beweisaufnahme.

Ihr Mann hat vor Gericht behauptet, sie habe nichts von dem Kokain an Bord gewusst. Die Staatsanwaltschaft geht dagegen von ihrer Beteiligung und Kenntnis aus. Mehrere bisherige Zeugenaussagen haben Zweifel an der Darstellung des Skippers aufkommen lassen.

Ob die Frau die Version ihres Mannes bestätigt, eine eigene Schilderung abgibt oder nur ausgewählte Fragen beantwortet, ist offen. Für sie gilt ebenso wie für ihren Mann die Unschuldsvermutung.

Prozess läuft unter hohen Sicherheitsvorkehrungen

Der Prozess begann am 12. August 2026. Dem Paar aus dem Landkreis Rostock wird vorgeworfen, mit der Jacht von Kolumbien nach Europa gesegelt zu sein, um die große Kokainladung zu transportieren. Der Skipper hat seine Beteiligung grundsätzlich eingeräumt.

Nach seiner Darstellung sollte das Kokain nach der Atlantiküberquerung in der deutschen Nordsee übergeben werden. Dazu sei eine Havarie vorgetäuscht worden. Andere Beteiligte hätten sich dem vermeintlich manövrierunfähigen Boot nähern und die Ladung übernehmen sollen.

Der Mann berichtete außerdem über mutmaßliche Auftraggeber in Kolumbien und Kontakte in die deutsche Kriminalitätsszene. Welche Teile seiner umfangreichen Aussagen durch weitere Beweise bestätigt werden können, gehört zu den offenen Fragen des Verfahrens.

Verhandelt wird unter außergewöhnlich hohen Sicherheitsvorkehrungen. Maskierte Polizisten sichern den Gerichtssaal, Besucher müssen zusätzliche Kontrollen passieren. Die Angeklagten sollen insbesondere vor möglichen Bedrohungen aus der organisierten Kriminalität geschützt werden.

Mit den neuen Terminen ist nun klar: Der aufwendige Prozess wird das Landgericht Rostock voraussichtlich auch im kommenden Jahr beschäftigen.

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