DIE LAGE IN ISRAEL AM DIENSTAG: DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE
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Krieg in Israel: Berliner Touristin und ihr Freund von der Hamas getötet
Hamas-Angriffe auf Israel: „Die Spuren führen nach Ankara und nicht nach Moskau“
Dienstag, 10. Oktober
Israelisches Militär reagiert auf „Beschuss aus Syrien“
Das israelische Militär hat Artilleriegeschosse und Mörsergranaten Richtung Syrien abgefeuert. Kurz zuvor hatte die Armee auf X von Beschuss aus Syrien berichtet. Manche Geschosse seien auf israelisches Territorium durchgedrungen und seien vermutlich in unbewohntem Gebiet niedergegangen.
Gesundheitministerium in Gaza meldet 900 Tote
Die Zahl der Toten steigt nach israelischen Luftangriffen weiter. Wie das Gesundheitsministerium in Gaza am Dienstagabend mitteilte, starben bislang insgesamt 900 Menschen. 4500 Menschen wurden dem Bericht zufolge verletzt, darunter 260 Kinder und Jugendliche.
Lufthansa fliegt Deutsche am Donnerstag und Freitag aus
Die Lufthansa wird am Donnerstag und Freitag mit Sonderflügen in Israel gestrandete deutsche Staatsangehörige nach Hause holen. Die Fluggesellschaft führe „auf Bitte des Auswärtigen Amts“ mehrere Sonderflüge durch, hieß es am Dienstagabend im Auswärtigen Amt. Die Lufthansa hatte ihre Israel-Flüge wegen des Krieges in Nahost eigentlich bis einschließlich Samstag eingestellt. Derzeit haben sich rund 4500 deutsche Staatsangehörige auf der Krisenvorsorgeliste des Auswärtigen Amts registriert.
Aus der Opposition war Kritik am Krisenmanagement der Bundesregierung geäußert worden, nachdem Österreich und Spanien angekündigt hatten, ihre Landsleute in den kommenden Tagen mit Militärmaschinen aus Israel nach Hause zu holen.
USA sichern Israel Unterstützung zu – 14 tote US-Amerikaner
Die Zahl der bei Angriffen von Hamas-Terroristen getöteten US-Amerikaner ist nach Angaben des Weißen Hauses auf mindestens 14 gestiegen. „Mehr als 1000 Männer, Frauen und Kinder wurden in ihren Häusern, auf ihren Straßen und in den Wüstenfeldern abgeschlachtet, darunter mindestens 14 Amerikaner“, sagte der Sicherheitsberater von US-Präsident Joe Biden, Jake Sullivan, am Dienstag. Zuvor hatte Washington mindestens 11 Tote US-Staatsbürger gemeldet.
Sullivan betonte, dass er die Zahl der als Geiseln genommenen US-Staatsbürger nicht benennen könne. Man gehe davon aus, dass 20 oder mehr Amerikanerinnen und Amerikaner vermisst würden, sagte er. Das bedeute aber nicht, dass es auch 20 US-amerikanische Geiseln gebe. Die US-Regierung arbeite mit Israel zusammen, um den Aufenthaltsort der Vermissten zu ermitteln.
US-Präsident Joe Biden kündigte an, wenn nötig weitere Streitkräfte in die Region zu entsenden. Die USA hätten nach Beginn des Hamas-Angriffs am Samstag bereits zur „Abschreckung“ zusätzliche Kräfte in die Region entsandt, darunter einen Flugzeugträger. „Wir sind bereit, wenn nötig zusätzliche Mittel zu bewegen“, sagte Biden. Seine Botschaft an jedes Land und jede Organisation, die die jetzige Situation gegen Israel ausnutzen wolle, sei eindeutig, fügte der Präsident hinzu: „Tut es nicht. Tut es nicht. Unsere Herzen mögen gebrochen sein, aber unsere Entschlossenheit ist klar.“
Kibbutz Kfar Azza: Soldaten finden enthauptete Babys
Mehreren Berichten zufolge wurden bei dem Massaker in dem israelischen Ort Kibbutz Kfar Azza auch Babys tot aufgefunden, darunter auch einige enthauptete. Palästinensische Hamas-Terroristen sollen zudem mehr als hundert Zivilisten getötet haben, darunter Kleinkinder und Säuglinge. Am Dienstag hatten erstmals internationale Journalisten den Ort besuchen dürfen.
Die Reporterin Nicole Zedek vom Sender i24NEWS berichtet, was Soldaten ihr berichtet haben, die seit Stunden die Leichen bergen: „Ich habe mit einigen der Soldaten darüber gesprochen, was sie gesehen haben, als sie durch die verschiedenen Häuser gegangen sind. Babys … mit abgeschnittenen Köpfen … das haben sie gesagt. Familien, die in ihren Betten erschossen wurden.“
Der israelische Armee-Kommandeur David Ben Zion sagte im Interview mit der Reporterin: „Sie haben Kindern die Köpfe abgeschnitten, sie haben Frauen die Köpfe abgeschnitten.“
Unklar bleibt zur Stunde, ob die mutmaßlichen Enthauptungen tatsächlich eine Folge von Messerangriffen waren oder womöglich von Beschuss.
Libanesische Hisbollah-Miliz greift Panzer in Israel an
Die libanesische Schiitenmiliz Hisbollah hat nach eigenen Angaben eine Lenkrakete auf einen israelischen Panzer abgefeuert. Die Attacke am Dienstag erfolgte als „Reaktion auf die israelischen Angriffe“, hieß es in einer Mitteilung der eng mit dem Iran verbundenen Organisation. Wegen der Sicherheitslage forderten Beamte die Einwohner des Ortes Metula nahe der libanesischen Grenze offenbar auf, die Stadt zu verlassen. Das berichtet die Times of Israel.
Israels Armee hatte zuvor nach eigenen Angaben auf den Abschuss von mehr als einem Dutzend Raketen auf Israel mit Artilleriefeuer und Angriffen auf Beobachtungsposten der Hisbollah reagiert. Welche militante Gruppierung im Libanon die Raketen abfeuerte, war zunächst unklar. Berichte über Opfer gab es zunächst nicht.
Bereits am Montag hatte die Hisbollah Raketen in Richtung Israel abgefeuert. Israels Armee reagierte mit Artilleriebeschuss. Israels Soldaten hatten zuvor mehrere bewaffnete Verdächtige getötet, die vom nördlichen Nachbarland aus nach Israel vorgedrungen waren. Hisbollah dementierte eine Beteiligung an dem Vorfall. Sicherheitskreise im Libanon vermuteten, dass militante Palästinenser hinter dem Angriff auf Israel stehen.
EU warnt Elon Musk: X verbreitet Fakenews zu Israel und Hamas
Im Zusammenhang mit dem Großangriff der Hamas auf Israel hat die EU-Kommission den Unternehmer Elon Musk wegen „Verbreitung von illegalen Inhalten“ und „Falschinformationen“ in seinem Onlinedienst X (vormals Twitter) verwarnt. EU-Digitalkommissar Thierry Breton setzte Musk am Dienstag eine Frist von 24 Stunden und drohte mit möglichen Sanktionen, wie aus einem AFP vorliegenden Brief hervorging.
„Nach den Terrorangriffen der Hamas auf Israel verfügen wir über Hinweise, wonach Ihre Plattform zur Verbreitung illegaler Inhalte und von Falschinformationen in der EU verwendet wird“, erklärte Breton in dem Schreiben. Musk solle innerhalb von 24 Stunden Kontakt zu den „relevanten Strafverfolgungsbehörden“ aufnehmen.
Eine Auswertung der EU-Kommission war kürzlich zu dem Schluss gekommen, dass es unter den großen Onlineplattformen bei X den größten Anteil an Falschinformationen gibt. Musk war aus einer Vereinbarung für den Umgang mit Falschinformationen zwischen der EU und großen Onlinediensten ausgestiegen.
Israels Verteidigungsminister Gallant: jetzt „volle Offensive“
Israels Verteidigungsminister Yoav Gallant hat nach Angaben der Times of Israel zu Truppen an der Grenze zu Gaza gesprochen und den Übergang zur „vollen Offensive“ angekündigt. „Ich habe alle Beschränkungen aufgehoben, wir haben die Kontrolle über das Gebiet wiedererlangt, und wir gehen zum vollen Angriff über“, sagte Gallant demnach. Gaza werde nie wieder sein, was es mal war.
Bundesregierung will wohl Deutsche aus Israel ausfliegen
Die Bundesregierung erwägt nach Informationen von n-tv, Deutsche mit Sonderflügen aus Israel ausfliegen zu lassen. Man sei dazu „unter Hochdruck mit Airlines in Kontakt“, teilte das Krisenreaktionszentrum des Auswärtigen Amtes demnach mit. Sprecher von Lufthansa und Condor bestätigten n-tv, dass sie dazu mit der Bundesregierung in Kontakt stünden. Wie schon andere Airlines zuvor strich Lufthansa am Montag alle Flüge von und nach Israel.
ZDF: Mindestens fünf Deutsche unter Geiseln der Hamas
Hamas-Terroristen haben nach Informationen des ZDF beim Überfall auf Israel mindestens fünf Deutsche entführt. Wie das ZDF am Dienstag weiter berichtete, wurde eine Deutsche getötet. Von Seiten des Auswärtigen Amtes in Berlin gab es für diese Informationen keine Bestätigung.
Israel tötet nach Armee-Angaben hochrangige Hamas-Mitglieder in Gaza
Bei Gegenschlägen nach dem Terrorangriff militanter Palästinenser hat Israel nach Armee-Angaben weitere ranghohe Hamas-Mitglieder im Gazastreifen getötet. So sei der Wirtschaftsminister im Gazastreifen, Dschawad Abu Schamala, bei Attacken getroffen worden, teilte das Militär am Dienstag mit. Er habe die Terror-Finanzierung verwaltet und Einsätze gegen Israel geleitet.
Außerdem sei ein weiteres wichtiges Hamas-Mitglied getötet worden, das den Angaben nach an Planungen zahlreicher Terroraktivitäten gegen Israel beteiligt war. Beide seien in der Nacht ums Leben gekommen.
Deutsche Jugendliche in Israel: Einige ausgereist, andere sitzen fest
Bei dem Großangriff der Hamas am Wochenende waren auch deutsche Schülergruppen in Israel. Einige der Gruppen konnten bereits ausreisen, andere warten noch auf eine Möglichkeit, das Land zu verlassen.
Eine Austauschgruppe Jugendlicher aus Berlin wartete am Montag auf den Rückflug nach Deutschland. Die körperlich unverletzten Jugendlichen hielten sich nördlich der Küstenstadt Tel Aviv auf, sagte Frank Kiepert, Geschäftsführer der Gesellschaft für Sport- und Jugendsozialarbeit, der Deutschen Presse-Agentur. Die Gesellschaft ist Trägerin des Projekts Sportjugendclub Prenzlauer Berg, der wiederum Veranstalter der Reise ist.
Kiepert betonte: „Wir sind auf ein schnelles Krisenmanagement der Bundesregierung angewiesen, um die Ausreise durch Evakuierungsflüge zu realisieren.“ Die 12 Jugendlichen im Alter von 15 und 16 Jahren hätten keine verstörenden Szenen gesehen, aber Detonationen gehört. Sie waren zu einem Austausch in die israelische Stadt Aschkelon gereist, die sich nur 13 Kilometer von der nördlichen Grenze zu Gaza befindet. Sie dürften mittlerweile wieder zurück sein.
Eine Leipziger Schülertheatergruppe saß hingegen am Dienstag in der israelischen Stadt Herzliya fest. Wie die Stadt Leipzig mitteilte, arbeite man mit Hochdruck daran, die 15 Schülerinnen und Schüler der Theatergruppe K und ihre Betreuer nach Deutschland zu holen. Demnach hätten sie bereits am Montag nach Deutschland fliegen sollen. Das klappte jedoch nicht, zahlreiche Flugverbindungen von und nach Israel wurden gestrichen. Evakuierungsflüge der Bundesregierung seien derzeit nicht geplant.
Auch mehrere Gruppen aus Nordrhein-Westfalen waren zum Zeitpunkt des Großangriffs der Hamas in Israel. 13 Dortmunder Jugendliche und zwei Betreuerinnen seien am Samstagmorgen in Tel Aviv bei Gastfamilien gewesen, sagte eine Sprecherin der Bildungsorganisation Auslandsgesellschaft, die den deutsch-israelischen Austausch organisiert. Die Jungen und Mädchen hätten sich zwischenzeitlich in Schutzbunker geflüchtet. Sie sollten am Dienstag nach Antalya und am Mittwoch weiter nach Düsseldorf fliegen.
Zwei Gruppen aus Baden-Württemberg sind seit diesem Dienstag in Sicherheit. Zehn Berufsschüler und zwei Lehrkräfte aus Kirchheim/Teck hatten sich nach Angaben einer Sprecherin im Rahmen eines Schülerausflugs an einer Partnerschule östlich von Tel Aviv und in Gastfamilien aufgehalten. Sie wurde den Angaben zufolge über Reykjavik ausgeflogen – durch einen Zufall: Im Bunker ihres Hotels habe die Gruppe ein Ehepaar aus Island kennengelernt, bestätigte die Schule isländische Medienberichte. Mithilfe des Paares habe die Gruppe Sitze in einem Flugzeug des isländischen Außenministeriums bekommen.
Die zweite Gruppe von elf Schülerinnen und Schülern des Beruflichen Bildungszentrums Ettlingen war am Samstagabend nach dem Hamas-Angriff von israelischen Freunden in enger Abstimmung mit dem Militär aus der unmittelbaren Gefahrenzone an einen sicheren Ort in der Negev-Wüste gebracht worden. Am Dienstag wurden sie nach Angaben des Landratsamts in ein Drittland gebracht. „Wir arbeiten jetzt daran, die Gruppe von dort aus an einen Zielflughafen in Deutschland weiterreisen zu lassen“, hieß es.
Erneut Raketenalarm in Tel Aviv nach Hamas-Angriff
Nach dem Großangriff der islamistischen Hamas auf Israel sind am Dienstag erneut Raketen auf Tel Aviv und das Zentrum des Landes abgefeuert worden. Es gab zunächst keine Berichte von Verletzten oder Treffern, wie der Rettungsdienst mitteilte. Menschen vor Ort hörten zahlreiche Explosionen des Raketenabwehrsystems Eisenkuppel Iron Dome.
Kibbutz Kfar Aza: Soldaten bergen Leichen von Bewohnern und Hamas-Kämpfern
Die israelischen Streitkräfte führten am Dienstag ausländische Pressevertreter durch das Gelände des Kibbutz Kfar Aza, der zu den israelischen Gebieten gehört, die von den Anschlägen der Hamas am stärksten betroffenen wurde. Dort seien die Leichen von israelischen Bewohnern und Hamas-Kämpfern gefunden worden, wie unter anderem die Nachrichtenagentur Reuters berichtet. Israelische Soldaten gingen dort von Haus zu Haus, um die Toten zu bergen.
Deutsche Shani Louk laut Aussage der Mutter am Leben
Die von der Hamas entführte 22-jährige deutsche Staatsbürgerin Shani Louk liegt nach Aussage ihrer Mutter mit schweren Kopfverletzungen in einem Krankenhaus in Gaza. „Wir haben jetzt weitere Informationen, dass Shani am Leben ist“, erklärt die Mutter in einer Videobotschaft. Allerdings sei sie schwer verletzt. „Jede Minute ist kritisch“, so die Mutter.
Louk wurde seit Samstag vermisst: Ein Video von ihr ging um die Welt. Darauf ist die 22-Jährige halbnackt auf einem Pick-Up zwischen mehreren Hamas-Männern offenbar im Gazastreifen zu sehen, mit dem Gesicht zum Boden, die Beine verdreht, mindestens bewusstlos. Ein junger Palästinenser spuckt im Vorbeigehen auf ihren leblosen Körper.
Israels Polizeiminister will Tausenden Freiwilligen Waffen geben
Israels Polizeiminister hat am Dienstag auf X (ehemals Twitter) angekündigt, dass er Tausende Freiwillige im Grenzgebiet zum Gazastreifen mit Sturmgewehren ausstatten will. Er habe den Kauf von mehr als 10.000 Waffen angeordnet, teilte Itamar Ben Gvir mit. 4000 Sturmgewehre sollen demnach an „gut an der Waffe ausgebildete Freiwillige“ in Ortschaften in der Nähe des Gazastreifens, im Westjordanland sowie in Städten mit jüdischer und muslimischer Bevölkerung verteilt werden.
UN: Schon 187.000 Vertriebene im Gazastreifen
Im Gazastreifen sind bei Vergeltungsschlägen Israels nach den Angriffen militanter Palästinenser nach UN-Angaben bereits mehr als 187.000 Menschen aus ihren Häusern vertrieben worden. Das berichtete eine Sprecherin am Dienstag. 137.000 davon suchten in rund 80 Schulen des UN-Hilfswerks für die Palästinenser (UNRWA) Zuflucht, wie es weiter hieß.
Hamas ruft zur Mobilisierung der arabischen Welt am Freitag auf
Nach dem Terrorangriff auf Israel und den darauf folgenden Luftangriffen der israelischen Armee im Gazastreifen hat die islamistische Hamas zur Mobilisierung der arabischen und muslimischen Welt aufgerufen. Der kommende Freitag sei der „Freitag der Al-Aksa-Flut“, teilte die Hamas, die im Gazastreifen herrscht, am Dienstag mit. Es gehe um die Unterstützung des palästinensischen Volkes „angesichts des offenen Krieges der (israelischen) Besatzung“. Der Tempelberg (Al-Haram al-Scharif) in Jerusalem mit dem Felsendom und der Al-Aksa-Moschee ist die drittheiligste Stätte im Islam.
Bundesanwaltschaft ermittelt wegen Terrorangriffen durch Hamas
Wegen der Entführungen und mutmaßlichen Tötungen deutscher Staatsbürger in Israel durch die Terrorgruppe Hamas ermittelt nun die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe. Ein Ermittlungsverfahren sei eingeleitet worden „gegen unbekannte Mitglieder der Hamas wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung“, sagte eine Sprecherin der obersten Anklagebehörde am Dienstag.
UN-Menschenrechtsrat: Komplette Belagerung von Gazastreifen völkerrechtswidrig
Eine von Israel als Reaktion auf den massiven Hamas-Angriff verhängte vollständige Belagerung des Gazastreifens widerspricht nach UN-Angaben internationalem Recht. Die Festlegung von Belagerungen, die das Leben von Zivilisten gefährdeten, „indem sie ihnen überlebenswichtige Güter“ vorenthielten, sei gemäß dem humanitären Völkerrecht „verboten“, erklärte UN-Menschenrechtskommissar Volker Türk am Dienstag. Das humanitäre Völkerrecht sei „eindeutig“: Die „Verpflichtung, die Zivilbevölkerung und zivile Objekte zu schonen“, gelte „auch während der Angriffe“, erklärte Türk.
Israelische Armee: Gaza-Grenze wieder unter Kontrolle – Fokus auf Offensive
Israels Armee hat die Grenze nach eigenen Angaben wieder „mehr oder weniger“ unter Kontrolle gebracht. Der israelische Armeesprecher Richard Hecht sagte am Dienstag: „Seit gestern Abend ist niemand mehr reingekommen.“ Es sei aber immer noch möglich, dass weitere Terroristen eindringen. Es könnten auch noch Angreifer in Israel unterwegs sein. Das israelische Militär habe die Evakuierung von 24 Ortschaften an der Grenze zum Gazastreifen „fast abgeschlossen“, fügte der Armeesprecher hinzu. In grenznahen Orten wie Saad und Kisufim habe es noch Schusswechsel gegeben.
„Wir konzentrieren uns jetzt auf unsere Offensive im Gazastreifen“, sagte Hecht. Die Armee hatte binnen 48 Stunden rund 300.000 Reservisten mobilisiert – die größte Mobilisierung in der Geschichte des Landes. An der Grenze richtete das Militär seinen Angaben zufolge auch eine „Infrastruktur für künftige Operationen“ ein.
„Etwa 1500 Leichen von Hamas-Kämpfern wurden in Israel und rund um den Gazastreifen gefunden“, bestätigte Hecht am Dienstag. Hunderte weitere palästinensische Angreifer wurden gefangen genommen.
Israelische Gegenangriffe in der Nacht, Netanjahu: „Wir fangen gerade erst an“
Nach den schweren Angriffen von Hamas-Terroristen auf Israel führte die israelische Armee am Montag Gegenangriffe durch. Das israelische Militär gab an, Ziele im Gazastreifen aus der Luft und von der See aus getroffen zu haben, darunter ein Waffendepot, das dem islamischen Dschihad gehören soll, sowie Ziele der Hamas entlang der Küstenlinie des Gazastreifens.
Israel hat am Montag das nur 40 Kilometer lange und sechs bis zwölf Kilometer breite Gebiet komplett abgeriegelt und mobilisiert 300.000 Reservisten, was viele Beobachter als Hinweis auf eine mögliche Bodenoffensive Israels im Gazastreifen deuten. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu kündigte am Montag an, dass die Hamas eine harte und furchtbare Reaktion erleben werde, und schwor Rache.
Israels Antwort werde „den Nahen Osten verändern“, sagte Premierminister Benjamin Netanjahu am Montag: „Was die Hamas erleben wird, wird schwierig und schrecklich sein; wir sind bereits in der Kampagne und fangen gerade erst an“, so der israelische Ministerpräsident bei einem Treffen mit örtlichen Bürgermeistern an der Südgrenze Israels.
Die Menschen in Israel wurden aufgefordert, sich mit ausreichenden Vorräten an Nahrung, Wasser und Medikamenten zu versorgen, die mindestens 72 Stunden reichen sollten. Deutschland, die USA, Großbritannien, Frankreich und Italien bekundeten ihre Solidarität mit Israel und verurteilten einstimmig die schrecklichen Terrorakte der Hamas.
Hamas hält vermutlich etwa 150 zivile Geiseln und droht, sie hinzurichten
Bundeskanzler Olaf Scholz äußerte sich auf X und betonte, dass die fünf Länder sicherstellen würden, dass Israel seine Bürger gegen die abscheulichen Angriffe verteidigen könne. Die Hamas drohte im Gegenzug, im Falle von Angriffen durch Israel zivile Geiseln hinzurichten, darunter auch Bürger mehrerer westlicher Staaten, darunter eine Deutsche. Es wird angenommen, dass die Hamas etwa 150 Israelis als Geiseln hält.
Israels Armee meldete die Gefangennahme von Hunderten von Hamas-Mitgliedern. Die Hamas erklärte gegenüber dem Sender Al-Dschasira ihre Bereitschaft zur Vermittlung. Die islamistische Organisation forderte zuvor einen Gefangenenaustausch sowie die Freilassung von 36 inhaftierten Palästinenserinnen in Israel im Austausch gegen ältere entführte Israelinnen.
Während des Angriffs der Hamas-Terroristen am Wochenende wurden mindestens 900 Menschen getötet und 2.600 Menschen verletzt. Darunter waren auch mindestens elf amerikanische Staatsbürger, wie US-Präsident Joe Biden auf der Plattform X bestätigte.
Die Hamas drang in israelische Städte ein und verübte Angriffe auf Männer, Frauen und Kinder, während sie andere als Geiseln in den Gazastreifen verschleppte. Israel führte massive Gegenschläge durch, bei denen im Gazastreifen laut dem dortigen Gesundheitsministerium mindestens 687 Menschen getötet und mehr als 3.800 verletzt wurden. Es gibt unbestätigte Berichte über die Leichen von rund 1.500 palästinensischen Terroristen auf israelischem Gebiet. Derzeit dringen keine Terroristen mehr nach Israel ein, wie von einem israelischen Militärsprecher angegeben.
Gefechte an Israels Grenze zum Libanon
Die Situation im Gazastreifen, wo etwa zwei Millionen überwiegend arme Menschen leben, dürfte sich durch die vollständige Abriegelung durch Israel weiter verschlechtern. Der israelische Verteidigungsminister Joav Galant warnte, es werde keinen Strom, keine Lebensmittel und keinen Treibstoff geben. Deutschland, die EU und andere Länder setzen ihre Hilfen für die palästinensische Bevölkerung angesichts des Terrors der Hamas vorübergehend aus und prüfen die deutschen Programme umfassend.
Am Montag gab es auch Auseinandersetzungen im Westjordanland mit Todesopfern sowie Gefechte an Israels Nordgrenze zum Libanon, was die Befürchtungen einer Ausweitung des Konflikts verstärkte. Israelische Soldaten erschossen mehrere Bewaffnete, die in Israel eingedrungen waren, während die mit dem Iran verbündete Schiitenorganisation Hisbollah jegliche Beteiligung dementierte.
Marie-Agnes Strack-Zimmermann, die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Bundestag, forderte eine härtere Gangart gegenüber dem Iran. Sie betonte, dass der Iran der größte Unterstützer des Terrors der Hamas sei, und rief Deutschland dazu auf, gemeinsam mit der EU und den USA die Sanktionen gegen den Iran auszuweiten.
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