Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt hat beschlossen, im Streit um seinen Doktortitel juristisch nicht weiterzukämpfen. Als Ministerpräsident gehöre seine Aufmerksamkeit den Bürgern, sagte Voigt in einer Pressekonferenz im Thüringer Landtag. „Und deswegen habe ich mich entschieden, den Rechtsstreit um meine Dissertation einzustellen“, sagte der CDU-Politiker.
Vor der Landtagssitzung suchte der 49-Jährige die Fraktionen von SPD, Thüringen Gerecht und CDU auf. Dabei ging es in den Gesprächen auch um die Rücknahme der Klage – und damit um das Ende eines Verfahrens, das die Koalition seit Monaten belastet.
Mario Voigt und der Doktortitel: Warum er offenbar einlenkt
Hinter dem Rückzug steht ein Zwiespalt, den er selbst öffentlich gemacht hat. Beim CDU-Landesparteitag in Eisenach sprach Voigt von einem innerlichen Dilemma: Einerseits wolle er seine wissenschaftliche Arbeit verteidigen, andererseits biete er mit dem Festhalten politische Angriffsfläche.
Auf demselben Parteitag bestätigten ihn die Delegierten mit einem guten Ergebnis als Thüringer CDU-Vorsitzenden im Amt.
Im Kern dreht sich alles um eine Arbeit aus dem Jahr 2008. Voigts Dissertation trägt den Titel „Der amerikanische Präsidentschaftswahlkampf: George W. Bush gegen John F. Kerry“ und behandelt den US-Wahlkampf des Jahres 2004.
In dieser Arbeit soll Voigt unsauber gearbeitet haben. Öffentlich gemacht hatte die Vorwürfe der österreichische „Plagiatsjäger“ Stefan Weber, der zuvor bereits Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU), Annette Schavan (CDU) und Franziska Giffey (SPD) des Plagiierens überführt hatte. Weber berichtete darüber im Landtagswahlkampf 2024. Die Technische Universität Chemnitz nahm Voigt daraufhin im Januar 2026 den Doktorgrad ab.
Vom Widerspruch zur Klage am Verwaltungsgericht Chemnitz
Gegen die Aberkennung wehrte sich Voigt zunächst mit einem Widerspruch. Der zuständige Ausschuss der Universität wies ihn im Juli zurück, der Fakultätsrat blieb bei seiner Einschätzung.
Daraufhin reichte Voigts Anwalt im August Klage beim Verwaltungsgericht Chemnitz ein. Voigt kritisiert vor allem das Prüfverfahren und die Verhältnismäßigkeit der Entscheidung. Im Magazin Stern wurde sein Anwalt zitiert: „Die Entscheidung wirft aus unserer Sicht erhebliche rechtliche Fragen auf – insbesondere zum Bewertungsmaßstab und zur Verhältnismäßigkeit.“ Diese Klage habe er am Mittwochmorgen zurückgenommen, sagte er am Mittwoch.
Warum die AfD im Landtag weiter Druck macht
Für die oppositionelle AfD ist der Doktortitel seit Langem ein Hebel. Die Fraktion um ihren Chef Björn Höcke setzte Voigt deswegen massiv unter Druck.
Zweimal versuchte die AfD in diesem Jahr vergeblich, Voigt per Misstrauensvotum aus dem Amt zu heben. Am Mittwoch stimmte der Landtag zudem über einen Auflösungsantrag der AfD ab.
Für den Antrag stimmte die AfD, die als stärkste Fraktion im Parlament 32 Abgeordnete stellt. Mit ihr stimmten die zwei verbliebenen BSW-Abgeordneten Sven Küntzel und Anke Wirsing. Die beiden hatten dem Ministerpräsidenten Mario Voigt (CDU) zuletzt das Vertrauen entzogen und hatten verkündet, die Brombeer-Koalition aus CDU, SPD und BSW nicht länger zu stützen. Gegen den Antrag stimmten die CDU-Fraktion, die BSW-Nachfolgefraktion „Thüringen Gerecht“, die SPD- und die Linksfraktion. Insgesamt stimmten 52 Abgeordnete dagegen. Für die Annahme des Antrags hätten mindestens 59 der 88 Abgeordneten zustimmen müssen.
Wie die Plagiatsaffäre die Brombeer-Koalition belastet
Der Streit reicht über Thüringen hinaus. Der BSW-Bundesvorstand um Parteigründerin Sahra Wagenknecht forderte den Thüringer Landesverband auf, das Bündnis zu verlassen und Voigt die Unterstützung zu entziehen.
Wagenknecht legte dem Ministerpräsidenten den Rücktritt nahe, um dem Land eine Hängepartie zu ersparen. Getragen wird die sogenannte Brombeer-Koalition von CDU, SPD und dem BSW-Nachfolger Thüringen Gerecht. Fast alle BSW-Abgeorndeten waren zuletzt aus der Partei ausgetreten. Im Landtag sitzen zudem die Linke sowie mehrere fraktionslose Abgeordnete.
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