Verkehrsregeln

Millionen Führerscheine werden im Januar ungültig: Diese Änderungen kommen 2027 auf Autofahrer zu

Führerschein-Umtausch bis 19. Januar 2027: Millionen Karten von 2002 bis 2004 betroffen. Dazu Führerscheinreform, CO2-Preis, NG eCall und Euro 7.

5 Min
Welcher Führerschein ist betroffen? Das Ausstellungsjahr steht in Feld 4a auf der Vorderseite. (Symbolbild)

Welcher Führerschein ist betroffen? Das Ausstellungsjahr steht in Feld 4a auf der Vorderseite. (Symbolbild)

© Imago/Michael Bihlmayer

Das neue Jahr ist für Autofahrer gerade 19 Tage alt, dann läuft schon die erste Frist ab. Rund 4,5 Millionen Kartenführerscheine müssen bis zum 19. Januar 2027 umgetauscht sein.

Danach folgt eine ganze Reihe von Änderungen. Fahrschüler sollen sparen, Neuwagen brauchen neue Technik, und beim Tanken bleibt der CO2-Preis vorerst stabil. Manches davon ist beschlossen, anderes hängt noch im Bundestag fest. Ein Überblick.

Führerschein-Umtausch: Frist endet am 19. Januar 2027

Betroffen sind alle Kartenführerscheine, die zwischen 2002 und 2004 ausgestellt wurden. Ob das auf Sie zutrifft, verrät Feld 4a auf der Vorderseite der Karte. Dort steht das Ausstellungsdatum.

Wer vor 1953 geboren ist, hat mehr Zeit. Für diese Gruppe gilt unabhängig vom Ausstellungsjahr der 19. Januar 2033.

Der Umtausch kostet bei der Führerscheinstelle rund 25 Euro, dazu kommt ein biometrisches Passfoto. Mitbringen müssen Sie außerdem Ausweis und alten Führerschein.

Wer die Frist verpasst und in eine Kontrolle gerät, zahlt zehn Euro Verwarngeld. Ungültig wird nur das Dokument, die Fahrerlaubnis bleibt bestehen.

Trotzdem sollten Betroffene nicht bis Weihnachten warten. Die Stadt Dresden etwa nennt eine Bearbeitungszeit von bis zu drei Monaten. Ein Antrag im November kann also schon zu spät kommen.

Führerscheinreform 2027: Theorie per App, weniger Pflichtfahrten

Die größte Entlastung ist zugleich die unsicherste. Die Führerscheinreform soll Anfang 2027 in Kraft treten, ist aber noch nicht beschlossen.

Das Kabinett hat den Entwurf im Mai verabschiedet, die erste Lesung im Bundestag war am 24. September, die Anhörung im Verkehrsausschuss am 5. Oktober. Für die abschließende Abstimmung gibt es noch keinen Termin. Danach muss auch der Bundesrat zustimmen.

Geplant ist vor allem mehr Digitales. Die Präsenzpflicht im Theorieunterricht soll fallen, gelernt werden darf dann komplett per App. Der Fragenkatalog für die Theorieprüfung soll von mehr als 1100 Fragen um rund ein Drittel schrumpfen.

Die bisher zwölf Pflicht-Sonderfahrten über Land, auf der Autobahn und bei Nacht sollen keine feste Zahl mehr haben. Der Fahrlehrer entscheidet, wann ein Schüler so weit ist. Die reine Fahrzeit in der praktischen Prüfung soll auf das EU-Minimum von 25 Minuten sinken.

Neu ist auch das Üben mit Eltern oder anderen vertrauten Personen. Das soll zunächst als Experiment kommen, die Länder können es fünf Jahre lang erproben.

Open Source

Open Source

Sie haben etwas zu sagen? Senden Sie uns Ihren Text! 

Einreichen
Open Door

Open Door

Sie möchten ein Thema vorschlagen? Senden Sie uns Ihren Vorschlag!

Vorschlagen

Wie viel günstiger wird der Führerschein?

Derzeit kostet der Pkw-Führerschein im Schnitt rund 3400 Euro. Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU), Nachfolger von Reformvater Patrick Schnieder, hat der Welt zufolge eine Ersparnis von mehreren hundert, im besten Fall bis zu 1000 Euro in Aussicht gestellt.

Fahrlehrer und TÜV-Verband warnen dagegen vor einer „Fahrprüfung light“. Ob die Preise tatsächlich sinken, regelt am Ende der Markt, das hatte schon Schnieder eingeräumt.

Mit dem Führerschein bis zur Reform zu warten, ist deshalb eine Wette mit offenem Ausgang. Wer jetzt anfängt, umgeht wenigstens lange Wartelisten bei den Fahrschulen.

CO2-Preis 2027: Tanken wird nicht teurer – vorerst

Beim Sprit gibt es 2027 eine gute Nachricht. Der Bundestag hat am 15. Oktober beschlossen, dass der CO2-Preis für Benzin, Diesel, Heizöl und Gas auch 2027 im Korridor von 55 bis 65 Euro pro Tonne bleibt.

Ohne diese Änderung hätte sich der Preis am Emissionshandel der Industrie orientiert. Dort lag er zuletzt bei rund 80 Euro pro Tonne.

Nach Berechnungen des ADAC stecken im Liter Benzin damit weiterhin etwa 16 bis 19 Cent CO2-Preis, beim Diesel 17 bis 21 Cent.

Die Preisbremse läuft allerdings Ende 2027 aus. Ab 2028 startet der europäische Emissionshandel für Verkehr und Gebäude, dann bestimmt der freie Markt den Preis. Wer über ein neues Auto nachdenkt, sollte dieses Datum einplanen.

Neuwagen ab Januar 2027: NG eCall wird Pflicht

Ab dem 1. Januar 2027 dürfen nur noch Neuwagen zugelassen werden, die den Notruf der neuen Generation an Bord haben. Der sogenannte NG eCall funkt über 4G und 5G statt über die alten 2G- und 3G-Netze.

Autos mit dem alten eCall dürfen laut ADAC nur noch bis Ende 2026 erstmals zugelassen werden. Wer gerade einen Lagerwagen mit Rabatt angeboten bekommt, sollte nachfragen, welches System verbaut ist.

Für Autos, die schon auf der Straße sind, gibt es keine Nachrüstpflicht. Das Problem kommt trotzdem: Telekom und Vodafone wollen ihr 2G-Netz 2028 abschalten. Nach ADAC-Angaben könnten dann bis zu 16 Millionen Autos keinen automatischen Notruf mehr absetzen. Eine Lösung wird auf EU-Ebene noch verhandelt.

Euro 7 ab November 2027: Grenzwerte für Bremsstaub und E-Auto-Akku

Ab dem 29. November 2027 müssen alle neu zugelassenen Pkw die Abgasnorm Euro 7 erfüllen. Für neu entwickelte Modelle gilt sie bereits seit Ende November 2026.

Erstmals zählt dabei nicht nur, was aus dem Auspuff kommt. Auch der Feinstaub aus den Bremsen ist begrenzt: auf 7 Milligramm pro Kilometer, bei reinen Elektroautos auf 3 Milligramm.

Für E-Autos schreibt Euro 7 zudem eine Mindesthaltbarkeit der Batterie vor. Nach fünf Jahren oder 100.000 Kilometern muss sie noch 80 Prozent ihrer Kapazität haben, nach acht Jahren oder 160.000 Kilometern noch 72 Prozent. Jeder Neuwagen bekommt außerdem einen Umweltpass mit seinen Emissionsdaten.

Für Bestandsautos ändert sich durch Euro 7 nichts. Die Norm gilt nur für Neuzulassungen.

Wohnmobil bis 4,25 Tonnen mit Klasse B: Erst nach 2027

Viele Camper hoffen auf eine weitere Neuerung: Mit dem Pkw-Führerschein sollen künftig Wohnmobile und E-Transporter bis 4,25 Tonnen erlaubt sein, bisher endet Klasse B bei 3,5 Tonnen. Die EU hat das 2025 beschlossen, Voraussetzung sind eine Zusatzschulung oder Prüfung.

Für 2027 sollten Wohnmobilfahrer damit aber nicht planen. Deutschland muss die Regel erst in eigenes Recht übernehmen. Laut dem Fachmagazin Promobil setzt die EU die Frist auf November 2028, realistisch ist ein Start eher 2029.

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]

Lesen Sie mehr zum Thema
weltbune Banner