Japans Außenministerium hat für das kommende Finanzjahr 1,83 Milliarden Yen für ein neues Programm zur Förderung japanischer Kulturinhalte im Ausland beantragt. Das geht aus den Haushaltsunterlagen des Ministeriums hervor. Mit einer stärkeren „Soft-Power-Diplomatie“ will Tokio insbesondere in Schwellen- und Entwicklungsländern neue Japan-Fans gewinnen. Die Mittel für das im April 2027 beginnende Finanzjahr sind bislang beantragt, noch nicht bewilligt.
Im Mittelpunkt stehen Manga, Anime, Musik und Filme. Nach einem Bericht der japanischen Nachrichtenagentur Jiji Press will die Regierung die weltweite Beliebtheit dieser Werke nutzen, um Japans Einfluss in der internationalen Gemeinschaft zu stärken. Zugleich sollen Fachkräfte für die Vermittlung der japanischen Sprache im Ausland gefördert werden.
Was hinter „Soft Power“ steckt
„Soft Power“ bedeutet übersetzt „weiche Macht“. Gemeint ist die Fähigkeit eines Landes, andere durch seine Anziehungskraft zu beeinflussen. Wer sich für die Kultur, Lebensweise oder Werte eines Landes begeistert, begegnet ihm möglicherweise mit mehr Interesse und Vertrauen. Daraus können engere Beziehungen entstehen, die auch der Außenpolitik zugutekommen.
Bei der „Soft-Power-Diplomatie“ versuchen Staaten, diese Wirkung gezielt zu fördern. Sie unterstützen beispielsweise Kulturaustausch, Sprachunterricht, Filme oder Konzerte. Aus dem Interesse an einer Zeichentrickserie kann so die Entscheidung wachsen, eine Sprache zu lernen, das Herkunftsland zu besuchen oder dort zu studieren. Ob daraus auch Zustimmung zu politischen Positionen wird, ist allerdings offen. Die Beliebtheit eines Mangas bedeutet keine automatische Unterstützung für Japans Regierung.
Das Außenministerium beschreibt den Zweck seiner Kulturpolitik in den Haushaltsunterlagen entsprechend als Aufbau von Nähe, Sympathie und Vertrauen. Dies soll die Grundlage diplomatischer Arbeit stärken.
Hinzu kommt ein wirtschaftliches Ziel: Wo japanische Kulturangebote bisher wenig verbreitet sind, sollen neue Märkte entstehen.
Anime-Songs als Türöffner in Afrika
Wie das praktisch aussehen kann, zeigt ein Konzert in der ivorischen Wirtschaftsmetropole und Hauptstadt der Elefenbeinküste Abidjan. Die Japan Foundation organisierte dort am 31. Januar das Festival „J-POP Anime Ivoire 2026“. Auf der Bühne standen die japanische Rockband FLOW, die Sängerin sajou no hana und das Instrumentalduo EYRIE sowie Künstler aus der Elfenbeinküste.
FLOW ist unter anderem für Titellieder zu „Naruto“ und „Code Geass“ bekannt. Mitveranstalter des Konzerts waren die japanische Botschaft, das ivorische Kulturministerium und Sony Music Africa. Der Eintritt war kostenlos, eine Anmeldung aber erforderlich. Die Stiftung erklärte, mit dem Konzert und begleitenden Begegnungen das gegenseitige Verständnis und die freundschaftlichen Beziehungen stärken zu wollen.
Nach Angaben von Jiji Press kamen rund 600 Menschen zu dem Konzert. Die Veranstaltung steht damit beispielhaft für den Ansatz, über bereits bekannte Musik einen Zugang zu Japan zu schaffen.
Übersetzer und Lernangebote sollen folgen
Für das Finanzjahr 2027 werden laut einem Bericht des thailändischen Nachrichtenportals The Nation ähnliche Konzerte in Südamerika und weiteren Regionen erwogen. Außerdem sollen Übersetzer im Ausland Kontakte zu japanischen Verlagen knüpfen können. Geplant seien auch Angebote zum Japanischlernen mit Mangafiguren. Sie sollen helfen, neben den Geschichten deren kulturellen Hintergrund zu vermitteln.
The Nation ordnet die Initiative auch vor dem Hintergrund von Chinas wachsendem Einfluss im Globalen Süden ein. Gemeint sind damit vor allem Schwellen- und Entwicklungsländer in Asien, Afrika und Lateinamerika. Tokio will dort die Bekanntheit populärer japanischer Werke stärker für seine Beziehungen nutzen.
Der Ansatz verbindet somit Kulturförderung, wirtschaftliche Interessen und Außenpolitik. Manga und Anime sollen neue Leser und Zuschauer erreichen. Die japanische Regierung hofft zugleich, dass das Interesse an den Geschichten auch das Interesse an ihrem Herkunftsland wachsen lässt.
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