Politik und Wahlkampf können in Mecklenburg-Vorpommern offenbar auch anders gehen. Während CDU-Spitzenkandidat Daniel Peters auf Tinder um politische Matches wirbt, setzt die Greifswalder FDP-Politikerin und angehende Ärztin Susanne Schmidt jetzt auf eine andere digitale Bühne. Die 44-Jährige ist bei OnlyFans gestartet, will dort erotische und nackte Fotos gegen Bezahlung anbieten. Ein Geschäftsmodell, das sie nach eigenen Angaben flexibel in ihren Alltag integrieren kann. Ihr Ziel sind mittelfristig rund 2000 Dollar im Monat.
Für Schmidt ist dieser Schritt vor allem eine Frage des Geldes und der Selbstbestimmung. Die Kommunalpolitikerin schreibt derzeit an ihrer Doktorarbeit und sie wolle ihren Lebensunterhalt damit finanzieren, wie sie auf Nachfrage der OAZ bestätigt. „Ich muss Geld verdienen“, sagt sie. Ihre Ersparnisse seien aufgebraucht, auf staatliche Unterstützung oder Kredite wolle sie nicht zurückgreifen.
„Ich stehe für Eigenverantwortung“
OnlyFans sei für sie eine Möglichkeit, Beruf, Doktorarbeit und Politik miteinander zu verbinden. Als Assistenzärztin und Berufsanfängerin wäre sie im Krankenhausbetrieb vollkommen eingespannt, erklärt Schmidt der Zeitung. Sie habe weder die Zeit noch die Kraft, sich zusätzlich zu ihrer politischen Arbeit voll auf die Doktorarbeit zu konzentrieren.
Deshalb hat sie sich bewusst für das Online-Geschäft entschieden. „Als liberale Politikerin stehe ich für Eigenverantwortung.“ Statt sich auf staatliche Unterstützung zu verlassen, nutze sie „die digitalen Möglichkeiten des 21. Jahrhunderts“. OnlyFans gebe ihr die Kontrolle über Inhalte, Arbeitszeiten und Einnahmen und ermögliche ihr, die akademische Weiterbildung selbst zu finanzieren.
Politik und Medizin sollen auf ihrem Account allerdings keine Rolle spielen, teilt sie gegenüber der OAZ mit. Inhaltlich werde es vor allem um Nackt- und Erotikfotos gehen. „Nicht im Barbie-Style, denn das bin ich nicht, sondern schon eher handfester“, sagt sie.
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Provokation nicht ihr Ziel
Dass ihr Auftritt wenige Wochen vor der Landtagswahl politisch zum Thema werden könnte, sieht Schmidt gelassen. „Für mich bietet es keine Angriffsfläche“, sagt sie. Es sei für sie „legitime gelebte Selbstbestimmung“.
Sie wolle Frauen nicht auf eine einzige Rolle reduziert sehen. „Ich bin Ärztin, leidenschaftliche Kommunalpolitikerin und eine Frau, die ihren Körper liebt und ästhetische Fotos teilt“, sagt Schmidt weiter. Wenn dies 2026 noch als Provokation oder Angriffsfläche gelte, zeige das aus ihrer Sicht vor allem, „wie wichtig die gesellschaftliche Debatte über Emanzipation, Rollenbilder und weibliche Selbstbestimmung“ sei.
Provokation sei ausdrücklich nicht ihr Ziel. „Ich möchte niemanden provozieren, sondern einfach nur mein Leben nach meinen Vorstellungen leben dürfen“, meint sie. Für Schmidt ist der OnlyFans-Account vielmehr die konsequente Fortsetzung ihres bisherigen Auftretens. „Ich verstecke mich nicht hinter einer steifen Fassade.“ Authentizität schaffe Vertrauen bei Wählern, die keine „glattgebügelten Berufspolitiker“ mehr wollten.
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FDP: Rückendeckung statt Rauswurf
Susanne Schmidt ist in ihrer Partei allerdings keine Unbekannte, wenn es um provokante Auftritte geht. Wegen freizügiger Fotos und eines missverständlichen Instagram-Posts hatte sie bereits zweimal parteiinternen Ärger. Im März 2025 leitete der FDP-Landesvorstand mit knapper Mehrheit ein Parteiordnungsverfahren gegen sie ein. Zu einem Parteiausschluss kam es nicht.
Auch in Greifswald machte sie bereits mit einer Nackt-Aktion von sich reden. Gemeinsam mit einer Freundin setzte sie sich erfolgreich dafür ein, dass Frauen in den Greifswalder Bädern oben ohne baden dürfen.
Für ihren neuen Schritt erwartet Schmidt dennoch Rückendeckung aus der FDP. Die Partei lebe von „Vielfalt und Respekt vor dem Individuum“, sagt sie. Das Privatleben und legale wirtschaftliche Aktivitäten eines Mitglieds seien demnach zu respektieren.
In den vergangenen 48 Stunden habe sie bereits eine „Welle an Zuspruch und Unterstützung“ erlebt – aus der Partei ebenso wie von Bürgern. Natürlich gebe es auch negative Stimmen und „klassische Hater“. Davon lasse sie sich aber nicht einschüchtern. Sie wolle mit ihrem Auftritt „starre und veraltete Denkmuster“ aufbrechen.
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Ärztin, Politikerin, OnlyFans-Creatorin
Schmidt hat keine Angst davor, dass ihr OnlyFans-Auftritt mit ihrer Arbeit als Ärztin oder ihrer politischen Tätigkeit verknüpft wird. Sie gehe damit bewusst offen um. Schließlich werde beides ohnehin bereits in Zusammenhang gebracht, sagt sie. Sie ist fest davon überzeugt, dass ihre ärztliche Tätigkeit nicht beeinträchtigt wird, „wenn eine erwachsene Frau ästhetische Fotos von sich verkauft“. In der Politik wiederum gehe es um die Interessen der Wähler und gute Ideen für die Bürger. „Keine dieser Qualitäten leidet unter meiner Selbstbestimmung“, sagt Schmidt.
Sie will deshalb an allen drei Rollen festhalten: Ärztin, Kommunalpolitikerin und OnlyFans-Creatorin. Menschen hätten mehrere Facetten und erfüllten verschiedene Rollen. „Für mich beißt es sich nicht, dass eine Frau selbstbestimmt ihren Körper zeigt und zeitgleich sachlich und kompetent arbeitet.“
Politisch will Schmidt weitermachen. Sie sitzt seit 2024 in der Greifswalder Bürgerschaft und engagiert sich nach wie vor in der FDP. Für den Landtag kandidiert sie aber nicht.
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