US-Zwischenwahlen

Obama über Trumps Gold-Prunk: „Als hätte Saddam Hussein eine Cheesecake Factory eröffnet“

Obama verspottet Trumps Gold-Prunk im Weißen Haus und attackiert seine Politik. Der US-Präsident schlägt zurück und erhebt schwere Vorwürfe gegen einen demokratischen Kandidaten.

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Detroit: Der ehemalige US-Präsident Barack Obama spricht bei einer Wahlkampfveranstaltung an der Cass Technical High School.

Detroit: Der ehemalige US-Präsident Barack Obama spricht bei einer Wahlkampfveranstaltung an der Cass Technical High School.

© Paul Sancya/AP

Mit beißendem Spott und schweren politischen Vorwürfen hat sich der frühere US-Präsident Barack Obama in den amerikanischen Wahlkampf eingeschaltet. Bei zwei Auftritten am Samstag, dem 24. Oktober, attackierte er Präsident Donald Trump wegen dessen Wirtschaftspolitik, des Krieges gegen den Iran und der kostspieligen Umbauten im Weißen Haus. Besonders ein Vergleich mit dem früheren irakischen Diktator Saddam Hussein sorgte für Gelächter im Publikum.

„Überall ist Gold. Was soll das mit dem ganzen Gold?“, fragte Obama bei einer Wahlkampfveranstaltung in Cleveland im Bundesstaat Ohio. Dann legte er nach: „Er hat das Weiße Haus so aussehen lassen, als hätte Saddam Hussein eine Cheesecake Factory eröffnet.“

Die Cheesecake Factory ist eine amerikanische Restaurantkette, die unter anderem für ihre üppig eingerichteten Lokale bekannt ist. Obama spielte damit auf Trumps Vorliebe für goldfarbene Verzierungen und repräsentative Bauprojekte an. Der Vergleich löste laut NBC News lautes Gelächter und Applaus aus.

Obama verspottet Trump wegen Gold-Dekor im Weißen Haus

Schon zuvor hatte Obama über die Bauvorhaben seines Nachfolgers gespottet. „Ist euch aufgefallen, dass er sich sehr auf Hausrenovierungen konzentriert?“, fragte der Demokrat. Trump solle lieber beim Fernsehsender HGTV auftreten, der auf Sendungen über Hausbau, Renovierungen und Inneneinrichtung spezialisiert ist.

Obama zählte mehrere Veränderungen auf, die Trump seit seiner Rückkehr ins Weiße Haus vorgenommen oder angekündigt hat: den geplanten großen Ballsaal, die Umgestaltung des Rosengartens und einen neuen Hubschrauberlandeplatz auf dem südlichen Rasen des Präsidentensitzes.

„Er ist offensichtlich nicht darauf konzentriert, die Preise für euch zu senken“, sagte Obama anschließend. Seine Kritik zielte auf Trumps Wahlversprechen, die Lebenshaltungskosten für amerikanische Familien zu reduzieren.

Auch bei seinem späteren Auftritt in Detroit im Bundesstaat Michigan griff Obama den Saddam-Hussein-Vergleich erneut auf, wie der Guardian berichtet.

Obama wirft Trump „Chaos, Grausamkeit, Korruption und Inkompetenz“ vor

Neben den spöttischen Bemerkungen erhob Obama schwere politische Vorwürfe gegen die republikanische Regierung.

„Nach zwei Jahren voller Chaos, Grausamkeit, Korruption und Inkompetenz, wie wir sie in der modernen Geschichte noch nicht erlebt haben, habt ihr jetzt die Gelegenheit zu sagen: Es reicht“, rief er den Zuhörern in Cleveland zu.

Der frühere Präsident beschuldigte Trump außerdem, sich persönlich an seinem Amt zu bereichern. In Detroit sagte Obama laut Reuters, noch nie habe man einen Präsidenten erlebt, der so offen auf Kosten der Bevölkerung Geschäfte mache. Auch warf er Trump vor, politische Gefälligkeiten zu verkaufen.

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Die Vorwürfe stehen im Zusammenhang mit Trumps privaten Geschäftsinteressen und denen seiner Familie. Eine Reuters/Ipsos-Umfrage vom August ergab, dass 69 Prozent der Befragten glauben, die politischen Entscheidungen des Präsidenten würden durch seine privaten Geschäftsinteressen beeinflusst.

Das Weiße Haus reagierte auf eine Anfrage von Reuters zu Obamas jüngsten Anschuldigungen zunächst nicht.

Scharfe Kritik an Iran-Krieg und Handelsstreit mit Kanada

Auch den Krieg gegen den Iran griff Obama auf. Trump habe beschlossen, einen „unnötigen Krieg“ zu beginnen, „den niemand verlangt und für den niemand gestimmt hat“, sagte er laut einem CNN-Transkript seiner Rede in Cleveland.

Obama erinnerte an das Atomabkommen, das seine Regierung 2015 mit dem Iran ausgehandelt hatte. Dieses habe das iranische Atomprogramm begrenzt, ohne dass amerikanische Raketen abgefeuert werden mussten, argumentierte er.

Der ehemalige Präsident machte die Entscheidungen der Trump-Regierung für steigende Energiepreise mitverantwortlich. Zudem kritisierte er deren Zollpolitik.

Besonders in Detroit sorgte Obama mit einer Bemerkung über den Handelsstreit mit Kanada für Gelächter. Trump gehe besonders hart gegen das „bekanntlich böse Imperium“ Kanada vor, spottete er.

„Das sind die Menschen, die uns Martin Short und Ahornsirup geschenkt haben“, sagte Obama mit Blick auf den kanadischen Schauspieler. Für Michigan ist der Handelsstreit besonders relevant, weil die dortige Automobilindustrie eng mit kanadischen Produktionsstätten und Zulieferern verflochten ist.

Obama wirbt für Demokraten: Enge Rennen in Ohio und Michigan

Der frühere Präsident trat am Samstag erstmals persönlich bei größeren Wahlkampfveranstaltungen für die Demokraten vor den Kongresswahlen am 3. November auf.

In Cleveland unterstützte er die Gouverneurskandidatin Amy Acton und den früheren Senator Sherrod Brown. Dieser versucht, seinen Senatssitz vom Republikaner Jon Husted zurückzugewinnen.

Besonders scharf kritisierte Obama den republikanischen Gouverneurskandidaten Vivek Ramaswamy. Dessen Wahlkampfteam hatte einen Werbespot veröffentlicht, in dem Actons seit Jahrzehnten von ihr entfremdete Mutter die demokratische Kandidatin persönlich angreift.

Obama bezeichnete das Vorgehen als unanständig. Ramaswamy sei offenbar bereit, jede Grenze zu überschreiten, um eine Wahl zu gewinnen. Der Werbespot hatte auch innerhalb der Republikanischen Partei Kritik ausgelöst.

In Detroit unterstützte Obama den demokratischen Senatskandidaten Abdul El-Sayed. Der frühere Gesundheitsbeamte tritt gegen den Republikaner Mike Rogers an. Umfragen deuten auf ein enges Rennen hin.

Obama warb zugleich für die demokratische Gouverneurskandidatin Jocelyn Benson. Sie tritt gegen den republikanischen Kongressabgeordneten John James an.

Trump schlägt zurück: „Obama war ein völlig inkompetenter Präsident“

Die scharfe Kritik ließ Trump nicht unbeantwortet. Am frühen Sonntagmorgen griff der US-Präsident seinen Vorgänger auf Truth Social persönlich an. „Obama war ein völlig inkompetenter Präsident!“, schrieb Trump. Er behauptete zudem, Obama habe dem Iran Milliarden gezahlt und dem Land damit den Weg zu einer Atomwaffe geebnet.

Besonders heftig attackierte Trump den von Obama unterstützten Senatskandidaten Abdul El-Sayed. Er bezeichnete den Demokraten als „Dschihadisten der Muslimbruderschaft“ und unterstellte ihm, Juden, Schwarze und Amerikaner zu hassen. Zudem nannte er El-Sayed einen „falschen Arzt“, der die angeblich schlechteste Klinik der Vereinigten Staaten betreibe.

Für diese schwerwiegenden Anschuldigungen legte Trump keine Belege vor. El-Sayed hat Verbindungen zur Muslimbruderschaft wiederholt bestritten. Auch der Vorwurf, er sei ein falscher Arzt, ist irreführend: Der Demokrat besitzt einen medizinischen Abschluss der Columbia University und einen Doktortitel der Universität Oxford. Er verfügt allerdings über keine Zulassung zur praktischen ärztlichen Behandlung.

Trump machte sich zudem über Obamas bisherige Wahlkampfhilfe für Hillary Clinton und Kamala Harris lustig. Beide hätten trotz seiner Unterstützung verloren. Dasselbe werde nun El-Sayed passieren, prophezeite er. Seinen Beitrag beendete Trump mit einem ausdrücklichen Wahlaufruf für dessen republikanischen Konkurrenten: „Wählt Mike Rogers! Er wird euch niemals enttäuschen!“

Trump gibt bereits seine Stimme für US-Zwischenwahlen ab

Während Obama bei seinen Wahlkampfauftritten gegen Trump austeilte, gab der Präsident am Samstag bereits seine Stimme ab.

Gemeinsam mit seiner Ehefrau Melania erschien der 80-Jährige in einem Wahllokal in West Palm Beach im Bundesstaat Florida. Anschließend trug er einen Aufkleber mit der Aufschrift „I Voted“ am Revers.

Nach Angaben der Nachrichtenagentur AP erklärte Trump, er habe sich eindeutig für republikanische Kandidaten entschieden.

Bei den Zwischenwahlen am 3. November werden alle 435 Sitze im Repräsentantenhaus und 35 der 100 Senatssitze neu vergeben. Die Republikaner verteidigen ihre Mehrheiten in beiden Kammern.

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