„Leistung muss sich (wieder) lohnen!“ Kaum ein Satz fällt in politischen Sonntagsreden häufiger. Und wohl kaum einer ist häufiger missverstanden oder durch konkretes politisches Agieren ad absurdum geführt worden. Der Bundeskanzler Friedrich Merz mahnt, wir müssten alle mehr leisten – was manchem „Leistungsträger“ übel aufstößt.
Bundesminister haben (sich) jüngst bemerkenswerte Beiträge geleistet: Finanzminister Lars Klingbeil meinte zum Thema „Reichensteuer“, für manch einen seien „Porsche und Rolex dann erstmal weg“. Auf den Einwand, einige dieser Steuerpflichtigen seien dann vielleicht ebenfalls bald weg, meinte der frühere Gesundheitsminister Karl Lauterbach, auf die könne „Deutschland ohnehin gut verzichten“. Ernsthaft?
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Leistung – was ist das eigentlich? In der Physik ist Leistung Arbeit durch Zeit. Auch im Sport lässt sich Leistung messen: in Minuten und Sekunden, in Metern und Zentimetern, durch Sieg oder Niederlage im Ring oder am Schachbrett. Und in der Wirtschaft helfen Zahlen: In Unternehmen etwa gilt der erste Blick oft der Zahl, die unten rechts steht: schwarz oder rot?
Messbarkeit ist die eine Gemeinsamkeit, Zielstrebigkeit die andere: In allen genannten Bereichen setzen sich die „Aktiven“ Ziele: neue Ziele, wenn die alten erreicht wurden, erneute Anstrengungen, wenn sie verfehlt wurden. Bei häufigem oder dauerhaftem Verfehlen der Ziele folgen Konsequenzen. Das ist in einer sogenannten „Leistungsgesellschaft“ unausweichlich.
400.000 Wohnungen versprochen – Konsequenzen? Fehlanzeige
Anders in der Politik. Lässt sich Leistung dort überhaupt messen? Schwierig. Versuche gibt’s dennoch. Zu Zeiten der Berliner Ampelkoalition etwa überboten sich die Minister Lindner und Habeck gegenseitig mit öffentlich proklamierten Zahlen der Gesetze, die ihr jeweiliges Ministerium verabschiedet hatte. Leistung? Nun ja – manchmal wäre weniger vielleicht mehr (gewesen). Und bei der Zielerreichung? Beispiel: 400.000 neue Wohnungen sollen gebaut werden, davon 100.000 Sozialwohnungen. Pro Jahr. Seit Jahren schon. Oft proklamiert, nie erreicht. Konsequenzen? Fehlanzeige. Das nervt. Viele Menschen, nicht wenige davon „Leistungsträger“.
Verhärtete Fronten. Hilfreich sein könnte die Theorie der Leistungsmotivation („The Achievement Motive“) des Psychologen David McClelland. Er definiert leistungsmotivierte Menschen als solche, deren innerer Antrieb darin besteht, möglichst zuverlässig Aufschluss über die eigene Leistungsfähigkeit zu gewinnen.
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Wie? Durch zwei Grundsatzentscheidungen, beinahe intuitiv getroffen: Erstens entscheiden sich viele leistungsmotivierte Menschen für Tätigkeitsbereiche, in denen (ihre) Leistung messbar ist. Und zweitens suchen sie sich (dort) mittelschwere Aufgaben. Denn an zu schweren Aufgaben würden sie beinahe zwingend scheitern oder bräuchten arg viel Glück; zu leichte Aufgaben hingegen stellen keine Herausforderung dar, weil deren erfolgreiche Bewältigung nahezu garantiert wäre.
Meiden Leistungsmotivierte inzwischen die Politik?
Im Lichte dessen drängt sich mir eine Frage auf: Könnte es sein, dass die Politik zu einem Bereich geworden ist, in dem selbst leistungsmotivierte Menschen nahezu zwingend scheitern müssen, weil der Handlungsrahmen zu kompliziert geworden ist? Weil man sich immer wieder irgendwo „verhakt“? Und deshalb immer mehr leistungsmotivierte Menschen die Berufspolitik meiden?
Dann wären wir – im Interesse des Gemeinwohls – alle miteinander gut beraten, darüber nachzudenken, ob und wie sich die Politik (wieder) zu einem Bereich machen ließe, der leistungsmotivierte Menschen stärker anzieht. Aufgabenkritik ist also Trumpf! Zwischenruf: „Auch Oppositionsarbeit ist Politik!“ Stimmt. Aber da lässt sich die Leistung mancher ja neuerdings scheinbar verlässlich messen: durch Klick- und Followerzahlen bei TikTok und Co.
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