Thema des Monats

Weihnachtsmann in Berlin buchen: Das sind die Preise, Fristen und Bedingungen

Wo bekommt man einen (guten) Weihnachtsmann für Heiligabend? Was kostet der? Wie läuft eine Bescherung ab? Wir haben nachgefragt.

Nicole Schulze
11 Min
Verschneites Berlin und Besuch vom Weihnachtsmann: ein Heiligabend wie aus dem Bilderbuch.

Verschneites Berlin und Besuch vom Weihnachtsmann: ein Heiligabend wie aus dem Bilderbuch.

© Uroš Pajović/Berliner Zeitung. Bilder: Imago

In den Supermärkten, Drogerien, Einrichtungs- und Klamottenläden geht es schon vor dem offiziellen Herbstbeginn los: weihnachtlicher Schnickschnack, Süßkram, Gold und Glitzer. Jedes Jahr denkt man: Das wird ja immer früher!

Stimmt natürlich nicht, aber spätestens beim ersten „Last Christmas“ im Radio fängt man an, sich gedanklich mit dem nahenden Fest zu beschäftigen. Aber das kommt ja allen Vorzeichen zum Trotz jedes Jahr vollkommen überraschend, sodass man die Weihnachtsgeschenke doch wieder auf den letzten Drücker kauft.

Ach, und dann sind da ja auch noch die (Enkel-)Kinder, die sich über einen Besuch vom Weihnachtsmann freuen würden. Jedes Jahr schreiben Tausende Kinder nach Himmelpfort (Uckermark), malen für den Weihnachtsmann, schicken ihre Wunschzettel und bekommen allesamt eine Antwort.

Bei vielen Kindern ist der Wunsch, dem Weihnachtsmann direkt zu begegnen, dennoch oder gerade deswegen sehr groß. In und um Berlin gibt es daher eine ganze Reihe von Firmen, die Weihnachtsmänner vermitteln.

Einer der ältesten Anbieter ist die Berliner Weihnachtsmannzentrale, die bei ihrer Gründung in Steglitz beheimatet war, aber mittlerweile in Hohen Neuendorf ihren Sitz hat. Im nächsten Jahr feiert das Unternehmen seinen 20. Geburtstag.

Buchen kann man bei der Weihnachtsmannzentrale nur telefonisch; dafür gibt es zwei Handynummern, die im Prinzip jederzeit erreichbar sind, sagt Geschäftsführerin Monika Kubau: „Ich gehe immer ans Telefon, auch noch an Heiligabend und danach, wenn nötig, etwa wenn jemand wider Erwarten nicht zufrieden war mit seinem Weihnachtsmann.“

Im persönlichen Gespräch erfragt Monika Kubau zunächst die Eckdaten: An welchem Tag und zu welcher Uhrzeit soll der Weihnachtsmann kommen? Und wohin soll’s gehen? Anhand der Postleitzahl checkt sie den Preis für den Weihnachtsmann, der auch von der Anzahl der zu bescherenden Kinder abhängt.

Open Source

Open Source

Sie haben etwas zu sagen? Senden Sie uns Ihren Text! 

Einreichen
Open Door

Open Door

Sie möchten ein Thema vorschlagen? Senden Sie uns Ihren Vorschlag!

Vorschlagen

Persönliche Beratung bei der Weihnachtsmannzentrale

Auch die Telefonnummer wird notiert, damit der Weihnachtsmann sich kurz vor dem Fest für nähere Absprachen melden kann. „Er fragt dann, wie die Kinder heißen, wie alt sie sind, ob sie zur Kita oder zur Schule gehen und auch, ob sie ein Gedicht oder ein Lied können“, sagt Monika Kubau. Das ist aber kein Muss. Wenn Kinder nichts aufsagen oder vorsingen möchten, ist das in Ordnung. Aus dem goldenen Buch wird trotzdem vorgelesen, und Geschenke gibt es sowieso.

Schön wäre es, so die Fachfrau, wenn es einen Jutesack gäbe, den man – bepackt mit den Geschenken – an einem zuvor besprochenen Ort bereitstellt beziehungsweise versteckt. Auch Hunde sollten möglichst in einen separaten Raum gebracht werden.

Man kann die Geschenke (oder den Sack) beispielsweise auf der Terrasse bereitlegen, ebenso im Treppenhaus, im Keller, an der Garage, notfalls direkt vor der Tür. Wenn der Weihnachtsmann dann kommt, hat er eine Glocke dabei.

In der Regel werden die anwesenden Erwachsenen mit beschert, weshalb man – auch wenn man sich eigentlich nichts schenkt – wenigstens eine Kleinigkeit füreinander besorgen sollte. Und sei es nur eine Tafel Schokolade. „Die Geste zählt“, findet Kubau.

Pro Kind sollten es aber nicht mehr als drei Geschenke sein, die der Weihnachtsmann überreicht. „Den Rest könnten Sie vor der Tür deponieren. Und wenn der Weihnachtsmann geht, wird er überrascht rufen, dass seine Engel ja noch mehr abgestellt hätten“, rät Monika Kubau.

Alle Weihnachtsmänner – sie sind im Schnitt um die 40 Jahre alt, der jüngste ist 25, der älteste derzeit 73 – haben natürlich einen weißen Rauschebart und einen runden Bauch. Nur echt sind sie nicht unbedingt; dank des schönen Kostüms fällt das aber kaum auf, den aufgeregten Kindern sowieso nicht. „Und falls sie dennoch fragen, ob er der echte Weihnachtsmann ist, hat er eine gute Erklärung parat“, beruhigt Monika Kubau.

„In bestimmten Stadtgebieten haben wir Weihnachtsmänner mit echtem weißen Bart und Bauch, aber die sind rar und sehr gefragt“, sagt die Vermittlerin. Wer großen Wert auf einen derart authentischen Weihnachtsmann legt, sollte auf den 25. Dezember ausweichen, denn dann hat der Herr sein eigentliches Gebiet bereits beschert und kann einen etwas weiteren Weg auf sich nehmen.

Buchen kann man bei der Weihnachtsmannzentrale traditionell ab dem 1. November, Stammkunden schon etwas früher. Annahmeschluss ist Mitte Dezember, damit die Touren geplant und verteilt werden können. „Aber wenn jemand an Heiligabend verzweifelt anruft, weil der Weihnachtsmann abgesagt hat, finde ich meistens auch noch eine Lösung“, sagt Monika Kubau.

Einen schriftlichen Vertrag gibt es nicht. Bei der Weihnachtsmannzentrale setzt man auf mündliche Absprachen und Vertrauen. Deshalb gehört das kostenlose Stornieren auch zum Selbstverständnis des Anbieters. Bezahlt wird der Weihnachtsmann nach dem Auftritt – auch das muss im Vorfeld besprochen werden. Wo kann eine diskrete Übergabe des Barbetrages stattfinden, ohne dass die Kinder es mitbekommen?

Der Besuch dauert etwa 20 bis 30 Minuten und kostet im Schnitt zwischen 65 und 85 Euro, bei mehreren Kindern auch mehr. Man kann bei der Weihnachtsmannzentrale auch Engel dazubuchen. Zusammen kostet das dann zwischen 96 und 121 Euro.

Unkomplizierte Onlinebuchung bei Weihnachtsmann2Go

Gut bekannt sind auch die studentischen Weihnachtsmänner. Bis 2018 wurden junge Weihnachtsmänner vom Studierendenwerk vermittelt; es gab ein eigenes Weihnachtsbüro, das jedoch seinen Dienst vor fünf Jahren einstellte.

Zwei ehemalige studentische Weihnachtsmänner, die damals ausgebildet und vermittelt wurden, haben sich mit der Firma Weihnachtsmann2Go selbstständig gemacht und sorgen heute dafür, dass Kinder an Heiligabend Besuch bekommen: Tobias Groß und Frederik Tholey, die beide eigentlich noch richtige Jobs haben und die Weihnachtsmannvermittlung nebenbei betreiben.

„Insgesamt greifen wir auf eine Kartei von gut 200 Darstellern zurück“, erklärt der Gründer Frederik Tholey. Es werden immer neue Weihnachtsmänner gesucht und ausgebildet. „In diesem Jahr konzentrieren wir uns besonders auf Studierende, die wir gezielt in den Berliner Unis TU und FU ansprechen und für den ‚besten Nebenjob der Welt‘ als Weihnachtsmann gewinnen möchten“, berichtet der Firmenchef.

Aber es sind nicht nur junge Männer, die man hier buchen kann. Auch ältere Herren sind dabei, ebenso Mütter, die als Weihnachtsfrau Videobotschaften versenden. Falls also ein Vor-Ort-Besuch aus welchen Gründen auch immer nicht möglich ist, können Sie einen digitalen Besuch kaufen.

Buchen kann man direkt auf der Website, für einen persönlichen Besuch sogar noch am Morgen des 24. Dezember. „Nach Eingabe von Ort, Datum und der Anzahl der zu bescherenden Kinder bekommen Familien für den Heiligabend direkt verfügbare Weihnachtsmänner unter Angabe möglicher Uhrzeiten und Preise angezeigt“, erklärt Tholey. „Die Familie kann sich selbst einen Weihnachtsmann zur Wunschzeit aussuchen. Wenn der Darsteller die Anfrage akzeptiert hat, kann mit der Vorbereitung des Auftritts begonnen werden.“

Auch am Heiligabend hat man noch Chancen zur Buchung

Je früher man bucht, desto wahrscheinlicher ist es, dass man seine Wunschzeit bekommt. Aber selbst an Heiligabend hat man gute Chancen, noch einen Weihnachtsmann zu bekommen. Der Buchungsprozess läuft auch für kurzfristige Anfragen über die Website. „Weihnachtsmann2Go ist hier sehr transparent und zeigt direkt bei der Suche die Preise jedes Darstellers an“, sagt Frederik Tholey.

„Abhängig von Ort, Zeit, Anzahl der Kinder und Verfügbarkeit der Darsteller kann der Preis sehr schwanken. Auch variiert er zwischen Darstellern, da wir unterschiedliche Erfahrungsgrade im Portfolio haben. Dazu gibt es Darsteller mit echtem Bart oder besonders hochwertigem Kostüm, die entsprechend teurer sind. Die buchende Familie hat bei uns die freie Wahl und ist nicht auf eine feste Zuweisung, wie das bei anderen Agenturen der Fall ist, angewiesen. Im Schnitt ist in diesem Jahr mit einem Preis von 60 bis 80 Euro für einen Auftritt zu rechnen.“

Eine Videobotschaft vom Weihnachtsmann ist ideal, wenn der Wunschtermin bereits vergeben ist.

Eine Videobotschaft vom Weihnachtsmann ist ideal, wenn der Wunschtermin bereits vergeben ist.

© weihnachtsmann2go.de

Eine Videobotschaft gibt’s schon für unter 30 Euro. Man bezahlt sie vorab via Paypal oder mittels Lastschrift. Für die Präsenzbescherung muss man vorab eine Gebühr von zwölf Euro an Weihnachtsmann2Go zahlen, den restlichen Betrag übergibt man dem Weihnachtsmann dann persönlich. Die zwölf Euro sind in dem auf der Website gezeigten Gesamtbetrag inkludiert und werden bei der Buchung ausgewiesen.

Durch diese Gebühr, so die Erfahrung der beiden Weihnachtsmann-Vermittler, sind die Routen verlässlicher planbar und es gibt weniger spontane Absagen, was in der Vergangenheit häufig genug zu unnötigem Stress auf allen Seiten geführt hat.

Einige Tage vor der Bescherung meldet sich der Weihnachtsmann, um ein paar Fragen zu klären. Der Besuch an sich dauert, je nach Anzahl der Kinder, etwa zehn bis 20 Minuten. „Das erscheint recht kurz, ist aber deutlich länger als die Kinder bereit sind, auf das Auspacken ihrer Geschenke zu warten“, weiß Frederik Tholey.

Vor der Bescherung liest der Weihnachtsmann aus dem goldenen Buch vor und „begeistert dabei mit seinem Wissen über die Kinder, welches er im Vorgespräch mit den Familien erfahren hat. Dazu wird ein Lied gesungen und Gedichten der Kinder gelauscht, bevor die Geschenke aus dem Geschenkesack verteilt werden“, erklärt der Vermittler weiter.

Studenten-Weihnachtsmänner von Jobruf

Auch die Studentenvermittlungsfirma Jobruf vermittelt Weihnachtsmänner. „In Berlin erreichen uns typischerweise rund 150 Anfragen für studentische Nikoläuse und Weihnachtsmänner. Besetzen können wir davon in der Regel leider nur ungefähr ein Viertel, da uns für diese Jobs die Bewerber fehlen“, teilt die in Köln ansässige Firma mit.

Nicht zuletzt deshalb gilt: Je früher man bucht beziehungsweise sucht, desto besser. „Ein paar Wochen Vorlaufzeit sind ideal“, rät die Sprecherin Alexandra Feldhofer. Denn: „Bei Jobruf suchen Auftraggeber und Auftraggeberinnen per Anzeige nach ihrem persönlichen Weihnachtsmann. Die Anzeige wird unkompliziert über unsere Website aufgegeben. Über die Laufzeit und die Resonanz auf die Anzeige halten wir unsere Kunden und Kundinnen per E-Mail auf dem Laufenden.“

Es gibt sogar Weihnachtsmänner mit Bart, aber altersgemäß sind diese (noch) nicht weiß, weshalb „ganz klassisch auf eine Perücke mit Bart zurückgegriffen wird. Einen Preisunterschied macht diese Frage bei Jobruf aber ohnehin nicht“, so das Unternehmen.

Ein Student als Weihnachtsmann: Vor allem kleinen Kindern fällt es nicht auf, ob der Bart echt ist.

Ein Student als Weihnachtsmann: Vor allem kleinen Kindern fällt es nicht auf, ob der Bart echt ist.

© Jobruf

Die Kosten für einen Jobruf-Weihnachtsmann liegen „bei mindestens 60 Euro. An Heiligabend oder den Weihnachtstagen liegt der Lohn oftmals sogar bei 100 Euro“, heißt es weiter. Hinzu kommt eine Vermittlungspauschale in Höhe von 39 Euro für Privatleute. Firmen zahlen 59 Euro. Fällig wird die natürlich nur, wenn die Vermittlung klappt.

Die Bescherung selbst dauert dann gute 30 Minuten. Man kann sich selbst einen Weihnachtsmann aussuchen; im Vorfeld gibt es ein Gespräch über den konkreten Einsatz: „Dabei werden die Namen und ein paar weitere Informationen über die Kinder mitgeteilt und der Ablauf besprochen“, erklärt die Pressesprecherin.

Die Ausgestaltung sei „in jedem Fall individuell und hängt von den Wünschen der Familien und natürlich auch ein bisschen von der Persönlichkeit des jeweiligen Weihnachtsmannes ab“, so Jobruf. „Meist liest der Weihnachtsmann aus seinem goldenen Buch Lob und Tadel für die Kinder vor. Manchmal haben die Kinder ein Gedicht oder ein Lied vorbereitet. Zum feierlichen Abschluss übergibt der Weihnachtsmann die Geschenke. Danach verabschiedet er sich, zum Beispiel mit Verweis auf die vielen weiteren Kinder, die noch auf ihn warten.“

Unklare Angaben beim Weihnachtsmannbüro

Online findet man auch das deutschlandweit tätige Weihnachtsmannbüro, das eigenen Angaben zufolge seit zehn Jahren Weihnachtsmänner vermittelt. Eine Anfrage zu den Konditionen und zum Ablauf blieb eine Woche lang unbeantwortet.

Es gibt eine sehr unübersichtliche Preistabelle, wonach man in Berlin 29 Euro zahlt. Bei der Postleitzahlensuche für Mitte (10117) werden jedoch 78 Euro angezeigt, ebenso für Pankow (13187), Friedrichshain (10245), Biesdorf (12683), Zehlendorf (14169), Kreuzberg (10961) und Mariendorf (12107).

Man kann dann auf „Suchvorgang starten“ klicken, seine Adresse und weitere Angaben eintippen. Es wird – fett gedruckt – darauf hingewiesen, dass weitere Kosten hinzukommen können, etwa wenn man darauf Wert legt, dass der Besuch um 17 Uhr stattfindet, oder falls mehrere Kinder beschert werden sollen. So ist man im Berliner Raum schnell bei knapp 100 Euro.

Offenbar kommt mit dem Absenden des Formulars bereits der Vertrag zustande; so ganz ersichtlich ist das nicht. Auf der Website heißt es außerdem, man könne auch telefonisch buchen. Nach der Nummer sucht man jedoch vergeblich, ebenso wie nach einer E-Mail-Adresse. Abgewickelt wird alles über Formulare.

Bei der Bewertungsplattform Trustpilot hat das Unternehmen lediglich zwei von fünf Sternen bei 16 Bewertungen. Zum Vergleich: Jobruf hat 4,3 Sterne bei 675 Bewertungen. Die anderen beiden oben genannten Anbieter wurden noch nicht bewertet.

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]

Lesen Sie mehr zum Thema
weltbune Banner