Die Regionalliga-Reform soll endlich dafür sorgen, dass alle Meister der Regionalligen in Deutschland in die 3. Liga aufsteigen. Während die Fans in den Fußballstadien Deutschlands regelmäßig für das Kompassmodell werben, das auch der DFB und die Mitglieder des NOFV bevorzugen, bringt Bayerns Fußballverband eine Lösung zurück, die beim DFB bereits auf Widerstand gestoßen ist.
BFV-Präsident Christoph Kern erklärte nun im Bayerischen Rundfunk, er wolle eher die Struktur der 3. Liga verändern, statt die Regionalligen umzustrukturieren. „Wir werden ein neues Modell einbringen, das sogenannte 22/5-Modell“, sagte er.
Bei diesem Modell solle die 3. Liga um zwei Mannschaften aufgestockt werden. Fünf Teams sollen dann jährlich absteigen, sodass die Meister der Regionalligen alle aufsteigen könnten. Beim außerordentlichen DFB-Bundestag am 18. Dezember wolle Kern dafür einen Antrag stellen.
Regionalliga-Reform: DFB lehnt fünf Absteiger ab
Ganz neu ist der Vorschlag aber gar nicht. Der DFB-Geschäftsführer für Spielbetriebe, Manuel Hartmann, hat eine solche Aufstockung bereits im September deutlich zurückgewiesen. „Jetzt einen fünften Absteiger zu fordern, ist nicht legitim“, sagte Hartmann bei MagentaSport.
Er verwies darauf, dass die 3. Liga vor acht Jahren einen vierten Abstiegsplatz akzeptiert hatte – verbunden mit dem Versprechen, die fünf Regionalligen auf vier zu reduzieren.
Dem Vorschlag erteilte er daher eine Absage: „Das wäre für die 3. Liga eine Schwierigkeit des Spielplans, finanzieller Stabilität und auch des Vertrauens solch eine Zusage, die damals nicht eingehalten wurde, jetzt zu erweitern. Das werden die Drittligisten, da haben sie sich positioniert, so nicht akzeptieren können.“
Dass Kern den Vorschlag nun erneut aufgreift, dürfte an diesen Widerständen wenig ändern.
Warum Bayern seine Regionalliga behalten will
Für den BFV steht der Erhalt der Regionalliga Bayern im Mittelpunkt. Kern befürchtet, dass das Kompassmodell die unteren Spielklassen im Freistaat stark belasten könnte.
Nach seiner Darstellung könnten theoretisch bis zu zwölf Mannschaften in die bayerische Fünftklassigkeit absteigen. „Selbst eine Anzahl von fünf oder sechs, die in die Bayernliga absteigen könnten, wären ein großes Problem für den Unterbau“, erklärte er.
Der BFV-Präsident kritisiert außerdem, dass die Vereine bei einer jährlichen Neueinteilung nicht sicher wissen könnten, in welcher Regionalliga sie künftig spielen. Auch der Zeitpunkt, zu dem die Klubs ihre Zuordnung erfahren, und die Organisation des Übergangs seien noch ungeklärt.
Kompassmodell: Vier Regionalligen statt fünf
Der DFB verfolgt einen anderen Ansatz. Die bisherigen fünf Regionalligen sollen durch vier Staffeln mit jeweils 20 Mannschaften ersetzt werden. Die Vereine würden vor jeder Saison nach geografischen Kriterien neu eingeteilt. Ziel sind möglichst kurze Fahrtwege.
Der sportliche Vorteil: Es gäbe vier Regionalliga-Meister und vier Aufstiegsplätze. Aufstiegsspiele wären damit nicht mehr nötig. Bei der bundesweiten Vereinsabstimmung erhielt das Kompassmodell mit 50,6 Prozent die meisten Stimmen aller untersuchten Varianten.
Der DFB will künftig auch die Trägerschaft der Regionalligen übernehmen. Die Saison 2027/28 soll als Qualifikationsspielzeit dienen, der Start der neuen Struktur ist für 2028/29 geplant. Für die Umsetzung braucht es eine Satzungsänderung und damit eine Zweidrittelmehrheit beim außerordentlichen DFB-Bundestag am 18. Dezember.
Hessische Klubs kritisieren den Entwurf
Widerstand kommt aber nicht nur aus Bayern, sondern auch aus dem Südwesten. Die fünf hessischen Vereine Kickers Offenbach, KSV Hessen Kassel, TSV Steinbach-Haiger, FSV Frankfurt und SG Barockstadt Fulda-Lehnerz veröffentlichten eine gemeinsame Stellungnahme, in der sie den Vorschlag des DFB kritisieren.
Sie unterstützen den Grundsatz „Meister müssen aufsteigen“, halten die diskutierten Reformmodelle aber noch nicht für ausgereift.
Einen eigenen Vorschlag für eine andere Ligastruktur legen sie nicht vor. Stattdessen verlangen sie, die sportlichen, organisatorischen und wirtschaftlichen Folgen transparent darzustellen und die Modelle fundiert miteinander zu vergleichen.
Sorge um Derbys
Die hessischen Klubs sorgen sich vor allem um ihre regionalen Rivalitäten. Durch die geografische Neueinteilung könnten Vereine wie Kickers Offenbach, Hessen Kassel und der FSV Frankfurt künftig in verschiedenen Regionalligen spielen.
Die Klubs verweisen auf die Zuschauerzahlen bei ihren direkten Duellen und fordern Klarheit darüber, welche Begegnungen der DFB schützen will.
Ganz ausgeklammert sind Derbys in den Reformplänen allerdings nicht. Der DFB will die vier Staffeln mithilfe einer KI nach geografischen Kriterien zusammenstellen lassen. Neben möglichst kurzen Fahrtwegen sollen aber auch Derbys bei der Einteilung eine Rolle spielen. Wie stark dieser Faktor zählt, ist jedoch noch offen.
40.000 Euro pro Verein – doch die Kosten bleiben offen
Auch die Frage der Finanzen ist den hessischen Vereinen nicht ausreichend beantwortet worden.
Der DFB will den Übergang nach der Reform finanziell abfedern. Für jeden teilnehmenden Verein mit einer ersten Herrenmannschaft sind zunächst 40.000 Euro pro Saison für vier Jahre vorgesehen. Zweitvertretungen sind davon ausgenommen. Außerdem sollen 90 Prozent der Gewinne aus der TV- und Regionalliga-Vermarktung gleichmäßig an die Vereine verteilt werden.
Den hessischen Klubs reichen diese Zusagen jedoch nicht. Sie wollen wissen, welche zusätzlichen Kosten unter der Trägerschaft des DFB entstehen, wer die Schiedsrichter bezahlt und wer künftig für die Sportgerichtsbarkeit zuständig ist.
Ohne diese Angaben lasse sich nicht beurteilen, ob die Reform die Vereine finanziell entlastet oder zusätzlich belastet.
Entscheidung über die Regionalliga-Reform im Dezember
Der Zeitplan ist eng. Am 18. Dezember soll der außerordentliche DFB-Bundestag über die Reform entscheiden. Bis dahin muss der Verband genügend Delegierte für die notwendige Zweidrittelmehrheit gewinnen. Ob ihm das gelingt, hängt auch davon ab, ob der DFB die offenen Fragen rechtzeitig klärt.
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