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Rente mit 63 vor dem Aus? Für diese Jahrgänge wird es jetzt eng

Rente mit 63: Was jetzt nach dem Ministerwechsel für die abschlagsfreie Rente nach 45 Jahren gilt und welche Jahrgänge eine Abschaffung treffen würde.

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Wer mit 16 ins Berufsleben gestartet ist, kommt oft auf weit mehr als 45 Beitragsjahre. Ob er dafür ohne Abschlag in Rente gehen darf, ist wieder offen. (Symbolbild)

Wer mit 16 ins Berufsleben gestartet ist, kommt oft auf weit mehr als 45 Beitragsjahre. Ob er dafür ohne Abschlag in Rente gehen darf, ist wieder offen. (Symbolbild)

© Imago/Emma Innocenti

Sie ist die beliebteste Rentenregel des Landes, und seit einer Woche ist ihr Schicksal wieder offen. Die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren, im Volksmund „Rente mit 63“, steht im Zentrum eines Machtkampfs in der Koalition.

Der neue Arbeitsminister Alexander Schweitzer (SPD) will sie im Kern retten. Kanzler Friedrich Merz (CDU) will sie abschaffen. Für Beschäftigte, die ihren Ruhestand schon durchgerechnet haben, geht es um Tausende Euro.

Rente mit 63: Was heute gilt

Offiziell heißt sie Altersrente für besonders langjährig Versicherte. Mit 63 ging sie nur für Jahrgänge bis 1952, seitdem steigt die Grenze in Zwei-Monats-Schritten.

Nach geltendem Recht gilt mit 45 Versicherungsjahren:

  • Jahrgang 1961: ab 64 Jahren und 6 Monaten
  • Jahrgang 1962: ab 64 Jahren und 8 Monaten
  • Jahrgang 1963: ab 64 Jahren und 10 Monaten
  • ab Jahrgang 1964: ab 65 Jahren

Früher geht es bei dieser Rentenart nicht, auch nicht gegen Abschlag. Und daran ändert sich nichts, bis der Bundestag ein neues Gesetz beschließt.

Was die Rentenkommission plant

Die Rentenkommission der Bundesregierung hat im Juni 33 Empfehlungen vorgelegt. Eine davon: Die Rente nach 45 Jahren soll ersatzlos wegfallen.

Wer früher aufhören will, bliebe dann nur die Rente für langjährig Versicherte. Die kostet 0,3 Prozent für jeden Monat vor der Regelaltersgrenze, und zwar lebenslang. Auch dieser Ausstieg soll nach den Plänen erst ab 64 statt ab 63 möglich sein.

Rechenbeispiel: 49 Jahre gearbeitet, trotzdem Abschlag

Eine Industriemechanikerin, Jahrgang 1967, hat mit 16 ihre Lehre begonnen. Mit 65 hat sie fast 49 Beitragsjahre beisammen und käme auf 1.600 Euro Rente brutto.

Nach heutigem Recht bekommt sie die 1.600 Euro ab 65 ohne Abzug. Fällt die Regel weg, fehlen ihr 24 Monate bis zur Regelaltersgrenze von 67. Das macht 7,2 Prozent Abschlag oder 115,20 Euro weniger im Monat.

Nach 20 Jahren Ruhestand sind das rund 27.650 Euro. Die Alternative: zwei Jahre länger in der Werkhalle stehen.

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Schweitzer gegen Merz: Der Streit um die 45 Jahre

Schweitzer folgte auf Bärbel Bas (SPD), die am 12. Oktober zurückgetreten war. Anders als Bas hält der frühere Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz wenig davon, das Kommissionspaket eins zu eins umzusetzen, wie das ZDF analysiert.

Der „Rheinpfalz“ sagte er, Union und SPD hätten im Koalitionsvertrag vereinbart, die Rente nach 45 Jahren grundsätzlich zu erhalten. Er setze auf einen „guten Kompromiss“.

Merz widersprach am Samstag vor der Jungen Union in Bonn. Er wolle die Vorschläge so umsetzen, wie sie auf dem Tisch liegen, berichtet t-online unter Berufung auf dpa. Gegenwind bekommt er aus den eigenen Reihen: Die ostdeutschen CDU-Regierungschefs Sven Schulze, Michael Kretschmer und Mario Voigt lehnen das Aus ab.

Diese Kompromisse sind im Gespräch

Die Union will die Regel auf körperlich schwere Arbeit beschränken, die SPD lehnt eine Verengung auf einzelne Berufe ab. Im Raum stehen auch 46 oder 47 statt 45 Beitragsjahre und ein längerer Vertrauensschutz für rentennahe Jahrgänge.

Kommissionschef Frank-Jürgen Weise hält Beitragsjahre ohnehin für einen schlechten Maßstab, wie Bürger & Geld berichtet. Denn auch ein Minijob zählt als Beitragszeit.

Welche Jahrgänge betroffen wären

Sicherheit gibt erst das Gesetz. Doch die Linie zeichnet sich ab.

Die Jahrgänge 1961 bis 1963 gehen zwischen 2026 und 2028 in Rente. Ein Aus, das frühestens Anfang 2027 beschlossen wird, dürfte sie kaum noch erfassen.

Unsicher wird es ab Jahrgang 1964, der 2029 mit 65 an der Reihe wäre. Die SPD-Abgeordnete Annika Klose aus der Rentenkommission hielt Übergangsfristen von zwei bis fünf Jahren für denkbar. Je jünger, desto größer also das Risiko. Die Rechnung zahlen am Ende die heute 50- bis 58-Jährigen, die am frühesten ins Berufsleben gestartet sind.

Zeitplan der Rentenreform

Merz will den Gesetzentwurf noch 2026 durchs Kabinett bringen, die erste Lesung im Bundestag soll vor dem Jahreswechsel folgen. Abgestimmt würde Anfang 2027. Ein Gesetzentwurf liegt bislang nicht vor.

Was für die 45 Jahre zählt

Viele rechnen falsch. Entscheidend sind 540 Monate mit bestimmten Versicherungszeiten, nicht allein die Jahre im Job.

Es zählen vor allem Pflichtbeiträge aus Arbeit und Ausbildung, Kindererziehung bis zum zehnten Geburtstag, Pflege von Angehörigen sowie Wehr- und Zivildienst. Arbeitsjahre in der DDR zählen voll mit.

Arbeitslosengeld I wird angerechnet, in den letzten zwei Jahren vor Rentenbeginn aber nur bei Insolvenz oder Geschäftsaufgabe des Arbeitgebers. Bürgergeld, Schul- und Studienzeiten zählen nicht, erklären die Experten der Deutschen Rentenversicherung.

Das sollten Betroffene jetzt tun

Fordern Sie Ihren Versicherungsverlauf bei der Rentenversicherung an und prüfen Sie ihn auf Lücken. Fehlende Monate lassen sich per Kontenklärung oft noch belegen, etwa mit alten Lehrverträgen.

Den Rentenantrag stellen Sie am besten drei Monate vor dem geplanten Start. Wer über Altersteilzeit nachdenkt, sollte sich vorher unabhängig beraten lassen. Bei früheren Reformen schützten Stichtage alle, die schon unterschrieben hatten.

Wer bereits in Rente ist, ist von dem Streit nicht betroffen. Was diese Gruppe von der Rentenerhöhung 2027 tatsächlich behält, hängt an Steuern und Krankenkasse.

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