Eine fünfköpfige Familie aus Dresden musste in Österreich von der Bergrettung und zwei Hubschraubern aus einer Bergnot befreit werden – und muss den Rettungseinsatz nun selbst zahlen. Die Kosten für einen solchen Rettungseinsatz in Österreich können schnell in den vierstelligen Bereich steigen. Für alle, die im Sommer in den Alpen unterwegs sind, ist der Fall eine Warnung: Wer ohne passende Absicherung wandert, trägt die Bergungskosten in der Regel selbst.
Wie hoch die Rechnung im Dresdner Fall am Ende ausfällt, steht noch nicht fest. Die Bearbeitung dauere noch an, teilte der Landesverband Oberösterreich des Österreichischen Rettungsdienstes auf Anfrage des öffentlich-rechtlichen Rundfunks mit. Klar ist: Es kann teuer werden.
Was der Familie aus Dresden passiert ist
Die Eltern, beide 35 Jahre alt, waren mit ihren drei Kindern – drei, sechs und acht Jahre alt – am Montag, dem 27. Juli 2026, am 2.100 Meter hohen Krippenstein im Dachsteingebiet unterwegs.
Nach einer ersten Etappe mit der Seilbahn wollte die Familie die Simonyhütte besuchen. Doch schon zu Beginn fanden sie den Weg nicht und bewegten sich laut Polizei einige Zeit im Kreis, bevor sie die richtige Abzweigung entdeckten.
Immer wieder kommen Touristen in Österreich in Bergnot.
© Roland Theny/Filmteam-Austria
Den hochalpinen Aufstieg unterschätzten die Sachsen. Statt der erwarteten Wetterbesserung setzten laut Polizei starke Regenschauer und kräftiger Wind ein. Wie das Regionalmedium Tips.at unter Berufung auf die lokalen Behörden berichtet, erfolgte der Notruf an den Hüttenwirt um 16:30 Uhr.
Nach rund sieben Stunden Wanderung verließen die Familie die Kräfte. Die beiden Mädchen zeigten laut Polizei „eindeutige Anzeichen einer Unterkühlung“. Zwei Rettungshubschrauber brachten die Familie schließlich sicher ins Tal.
Rettungseinsatzkosten in Österreich: So setzen sie sich zusammen
In Österreich berechnet die Bergrettung einheitlich 612 Euro pro Einsatzstunde. Dieser Tarif gilt laut Bergrettung unabhängig davon, wie viele Helfer im Einsatz sind.
Die Hubschraubereinsätze kommen zusätzlich hinzu. Sie werden nicht von der Bergrettung organisiert. Landesleiter Christoph Preimesberger, der bei der Bergung der Dresdner Familie dabei war, sagte MDR Sachsen, ein Hubschrauber koste etwa 100 Euro pro Minute.
Am Ende könnten die Kosten mehrere tausend Euro betragen. Bei der Dresdner Familie waren zwei Hubschrauber im Einsatz.
Wie schnell die Summen steigen, zeigt ein Fall vom Traunstein: Drei deutsche Wanderer sollten laut ORF Oberösterreich im Januar 2026 rund 2.500 Euro für einen Einsatz zahlen, der am Ende nicht einmal voll ausgeschöpft wurde. Der ORF-Bericht hält zudem fest, dass Hubschrauberkosten eine Gesamtrechnung rasch in den fünfstelligen Bereich treiben können.
Muss man Rettungseinsätze in Österreich immer selbst zahlen?
In der Regel ja. Laut Bergrettung müssen die Bergungskosten selbst getragen werden. Ohne Zusatzversicherung oder Mitgliedschaft kann es schnell teuer werden.
Es gibt aber eine günstige Absicherung: Eine Fördermitgliedschaft bei der Bergrettung ÖBRD kostet 36 Euro pro Jahr. Sie deckt Such- und Bergungskosten inklusive Hubschrauber weltweit bis zu 25.000 Euro ab – und gilt oft für die ganze Familie.
Ähnlich ist die Lage in der Schweiz. Auch dort müssen Rettungseinsätze in den Bergen in der Regel selbst bezahlt werden. Über eine Gönnerschaft bei der Rettungsflugwacht REGA lassen sich die Kosten minimieren. Die Einsatzkosten werden dann ganz oder teilweise erlassen, wenn keine Versicherung oder Krankenkasse die Leistungen übernehmen muss.
Ein Sommer mit vielen Einsätzen
Die Dresdner Familie ist kein Einzelfall. Allein im Juli hatte die Bergrettung in Oberösterreich laut Preimesberger schon 70 Einsätze – einer der einsatzstärksten Monate der letzten Jahre. Insgesamt zählte der Landesverband in diesem Jahr bereits 270 Einsätze.
Österreichische Bergrettung im EInsatz.
© -
Trotz der schwierigen Lage lobte Preimesberger das Verhalten der Familie. Er sprach von einer „anspruchsvollen Wanderung für die Kinder“. Wichtig: Die Familie habe rechtzeitig einen Notruf abgesetzt.
Warum Deutsche in den Alpen-Statistiken oft auftauchen
Der Fall reiht sich in einen größeren Trend ein. Wandern und Bergsteigen ist in Österreich die unfallträchtigste Sommerdisziplin. Häufige Auslöser für Notfälle sind laut den Verbänden Verirren im Gelände, Erschöpfung, falsche Selbsteinschätzung und plötzliche Wetterumschwünge – Faktoren, die auch im Dresdner Fall zusammenkamen.
Dass gerade deutsche Urlauber in den österreichischen Statistiken regelmäßig stark vertreten sind, hängt schlicht mit der großen Zahl deutscher Gäste in den Alpen zusammen. Umso wichtiger ist für Familien aus Deutschland der Blick auf die eigene Absicherung, bevor es auf eine anspruchsvolle Tour geht.
Die wichtigsten Punkte
Die Bergrettung berechnet 612 Euro pro Einsatzstunde, unabhängig von der Zahl der Helfer. Hubschrauber kosten rund 100 Euro pro Minute und kommen zusätzlich hinzu. Bergungskosten müssen in der Regel selbst getragen werden. Eine Fördermitgliedschaft bei der Bergrettung ÖBRD kostet 36 Euro pro Jahr und deckt Bergungen bis 25.000 Euro ab.
Wichtig für Sie: Prüfen Sie vor der nächsten Alpentour Ihren Versicherungsschutz und schließen Sie bei Bedarf eine Fördermitgliedschaft ab. Planen Sie Touren mit Kindern großzügig und behalten Sie das Wetter im Blick.
36 Euro im Jahr klingen wenig – gemessen an einer möglichen fünfstelligen Rechnung sind sie eine überschaubare Investition.
Fragen und Antworten zu dem Fall – und Ihrem Urlaub
Wie hoch sind die Kosten für einen Rettungseinsatz in Österreich?
Die Bergrettung berechnet 612 Euro pro Einsatzstunde. Ein Hubschrauber kostet laut Bergrettung zusätzlich etwa 100 Euro pro Minute. Insgesamt können mehrere tausend Euro zusammenkommen.
Muss man in Österreich für die Bergrettung selbst zahlen?
In der Regel ja. Laut Bergrettung müssen die Bergungskosten selbst getragen werden, wenn keine Zusatzversicherung oder Mitgliedschaft besteht.
Ältestes Pocken-Erbgut Amerikas in Inka-Mumien entschlüsselt
Ich kenne sie besser, als mir lieb ist: Insider-Blick auf CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann
Wie kann ich mich vor hohen Bergrettungskosten schützen?
Eine Fördermitgliedschaft bei der Bergrettung ÖBRD kostet 36 Euro pro Jahr. Sie deckt Such- und Bergungskosten inklusive Hubschrauber weltweit bis zu 25.000 Euro ab und gilt oft für die ganze Familie.
Was ist der Dresdner Familie am Krippenstein passiert?
Die Familie verlor beim Aufstieg zur Simonyhütte die Orientierung, unterschätzte den hochalpinen Weg und geriet in einen Wetterumschwung. Nach rund sieben Stunden musste sie mit zwei Hubschraubern gerettet werden.
Steht die genaue Höhe der Rettungskosten schon fest?
Nein. Die Höhe stehe noch nicht fest, da die Bearbeitung noch andauere, teilte der Landesverband Oberösterreich des Österreichischen Rettungsdienstes MDR SACHSEN mit.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]