Industrie

Richtfest bei Globalfoundries in Dresden: Chipfabrik soll Physical AI voranbringen

Mehr Chips für Roboter, Drohnen und Fahrzeuge: Globalfoundries erweitert sein Halbleiterwerk in Dresden und setzt auf Anwendungen für „Physical AI“.

4 Min
Der Rohbau für die geplante Erweiterung bei Globalfoundries in Dresden steht. Ab 2028 sollen hier Wafer im 7-Nanometer-Verfahren produziert werden.

Der Rohbau für die geplante Erweiterung bei Globalfoundries in Dresden steht. Ab 2028 sollen hier Wafer im 7-Nanometer-Verfahren produziert werden.

© Adrian Schintlmeister/Ostdeutsche Allgemeine

Nur zwölf Monate nach dem Projektstart feierte der US-Halbleiterkonzern Globalfoundries am Donnerstag am Standort Dresden Richtfest für sein Erweiterungsprojekt „Sprint“. Nach Angaben des Unternehmens umfasst das Vorhaben ein Investitionsvolumen von 1,1 Milliarden Euro und erhöht die Produktionskapazität der Dresdner Fabrik um 15 Prozent auf künftig 1,1 Millionen Wafer pro Jahr.

Rund 495 Millionen Euro der Investitionssumme stammen aus Fördermitteln des European Chips Act, hinzu kommen Zuschüsse von Bund und Freistaat Sachsen, die zusammen rund 45 Prozent abdecken.

Konzernchef Tim Breen, der eigens aus den USA angereist war, betonte, dass das Vorhaben sowohl im Zeit- als auch im Kostenplan liege. „Europas industrielle Basis ist auf Chips angewiesen, die einerseits verfügbar und vertrauenswürdig sind und zudem in der Nähe derjenigen Kunden gefertigt werden, die sie dringend benötigen“, erklärte Breen. „Mit der neuen Fabrik geht es um mehr als den Ausbau von Kapazitäten. Es geht darum, die Grundlage für die nächste Generation von Halbleiterinnovationen zu schaffen“, sagte Breen.

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Vier Ausbauphasen bis 2040 geplant

Standortleiter Manfred Horstmann kündigte beim Richtfest an, dass „Sprint“ nur die erste von vier geplanten Phasen sei. Bis 2040 soll die Produktionskapazität in Dresden auf über zwei Millionen Wafer pro Jahr steigen. Für die weiteren Ausbauschritte benötigt Globalfoundries nach eigenen Angaben zusätzliche Subventionen von EU, Bund und Freistaat. Die Produktion in der bestehenden Fabrik läuft während der Bauarbeiten weiter.

Ein Mitarbeiter des Chip-Herstellers Globalfoundries hält einen Wafer.

Ein Mitarbeiter des Chip-Herstellers Globalfoundries hält einen Wafer.

© Sebastian Kahnert/dpa

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) würdigte das Projekt als zentralen Baustein der Dresdner Chipindustrie. Globalfoundries sei dessen Anker mit großer Forschungsintensität. Kretschmer verwies auf die Bedeutung der Mikroelektronik für Industrie und industrielle künstliche Intelligenz und forderte, dass Europa seinen Marktanteil von rund 10 auf 20 Prozent ausbauen müsse. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche, die nicht persönlich anwesend sein konnte, übermittelte eine Videobotschaft.

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Physical AI als Zielmarkt

Parallel zum Baufortschritt stellte das Unternehmen eine neue Technologieplattform vor: „FDX Fusion“. Diese nächste Chip-Generation soll digitale Leistung der 7-Nanometer-Klasse liefern und die Dichte gegenüber bisherigen Chips mehr als verdoppeln. Erste Demonstrator-Chips sind für Anfang 2027 angekündigt, die Fertigung soll 2028 starten. Damit wäre Globalfoundries nach eigener Darstellung der erste europäische Auftragsfertiger, der Chips der 7-Nanometer-Klasse herstellt. „Mit der neuen Fabrik geht es um mehr als den Ausbau von Kapazitäten. Es geht darum, die Grundlage für die nächste Generation von Halbleiterinnovationen zu schaffen“, betonte Konzernchef Tim Breen.

Das Unternehmen setzt darauf, dass die neue Technologie die Fabrik bis weit ins nächste Jahrzehnt auslastet. Zielgruppe sind Hersteller von automatisierten Fahrzeugen, humanoiden Robotern, Drohnen und Raumfahrzeugen, die Daten direkt vor Ort verarbeiten müssen, statt sie in Rechenzentren zu übertragen. International setzt sich dafür der Begriff „Physical AI“ durch – gemeint sind mit künstlicher Intelligenz betriebene Maschinen, die ihre Umwelt wahrnehmen und darauf reagieren. „Wir sind überzeugt, dass Physical AI künftig eine Schlüsselrolle spielen wird“, bekräftigte Breen. Für Kunden mit besonders hohen Sicherheitsanforderungen – etwa aus kritischer Infrastruktur, Luft- und Raumfahrt sowie Verteidigung – will Globalfoundries Prozesse und Datenflüsse anbieten, die vollständig in Europa ablaufen.

Neben der Fertigung betreibt das Unternehmen auch ein Forschungszentrum in Dresden. Seit 2009 hat Globalfoundries nach eigenen Angaben mehr als zehn Milliarden Euro in den Standort investiert.

Mit den Erweiterungen bei Globalfoundries und Infineon sowie der Ansiedlung von TSMC wächst Dresden nach Angaben des sächsischen Wirtschaftsministeriums zum größten Mikroelektronikstandort Europas. Das Netzwerk Silicon Saxony umfasst derzeit rund 3.600 Unternehmen mit mehr als 80.000 Beschäftigten; bis 2040 sollen es rund 100.000 sein.

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