Keine Kriegsschiffe auf der Newa, keine Militärflugzeuge über St. Petersburg, nicht einmal das traditionelle Feuerwerk: Russland hat seine große Marineparade zum zweiten Mal in Folge ausfallen lassen. Präsident Wladimir Putin kam zwar zum Tag der Marine in seine Heimatstadt. Statt die Flotte vor Publikum zu präsentieren, traf er Marineangehörige jedoch im Hauptgebäude der Admiralität.
Ukrainische Medien sehen darin ein weiteres Zeichen dafür, dass die wachsende Reichweite ukrainischer Drohnen selbst die besonders stark geschützten Machtzentren Russlands erreicht. Der Kyiv Independent schrieb, die abgesagte Parade und die gleichzeitigen Internetausfälle störten eine der wichtigsten militärischen Inszenierungen Putins. Russische Behörden bestätigten diesen Zusammenhang bislang nicht.
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Vorbereitungen für Putins Marineparade begannen gar nicht erst
Dass die Parade nicht stattfinden würde, hatte sich bereits Mitte Juni abgezeichnet. Nach Recherchen der St. Petersburger Zeitung Fontanka war bis dahin kein entsprechender Erlass Putins ergangen. Die verschiedenen Flotten erhielten demnach keine Anweisung, Schiffe und Besatzungen nach St. Petersburg zu entsenden. Mit den sonst schon Monate vorher laufenden Vorbereitungen war gar nicht erst begonnen worden.
Ein Vertreter der Marine kommentierte die Entscheidung gegenüber Fontanka mit den Worten: „Sie verstehen doch, dafür ist jetzt nicht die Zeit.“ Einen offiziellen, konkreten Grund für den Verzicht nannte die russische Führung in diesem Jahr nicht. Als die Parade 2025 erstmals vollständig abgesagt wurde, verwies Kremlsprecher Dmitri Peskow auf die allgemeine Lage und erklärte, Sicherheitsfragen hätten Vorrang.
Seit 2017 hatte Russland die Feier als gewaltige Demonstration seiner Seemacht inszeniert. Schiffe der Nord-, Ostsee-, Schwarzmeer- und Pazifikflotte fuhren auf der Newa und vor Kronstadt auf, begleitet von Marinefliegern und Soldaten auf dem Senatsplatz. Schon 2024 fiel der Teil vor Kronstadt aus. Ein Jahr später wurde die gesamte Parade gestrichen, nun folgte die zweite vollständige Absage.
Drohnen treffen St. Petersburg kurz vor dem Feiertag
Die Sicherheitslage hatte sich unmittelbar vor dem Marinetag erneut zugespitzt. In der Nacht zum vergangenen Freitag griffen Drohnen St. Petersburg und die umliegende Region Leningrad erneut an. Nach Angaben des regionalen Gouverneurs schoss die russische Flugabwehr 59 Drohnen ab. Die Zahl lässt sich nicht unabhängig überprüfen.
Eine Drohne traf demnach ein Lager des russischen Onlinehändlers Wildberries in Nowosaratowka und löste einen Großbrand aus. Drei Menschen wurden nach russischen Angaben verletzt. Der Flughafen Pulkowo nahm zeitweise keine Maschinen an und ließ keine starten. Erst gegen sechs Uhr morgens wurde der reguläre Betrieb wieder aufgenommen.
St. Petersburg liegt mehr als 1000 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt und galt lange als weitgehend geschützt. Inzwischen erreichen ukrainische Langstreckendrohnen wiederholt die Stadt und die Region. Der Kyiv Independent wertet die Absage deshalb als Folge der gestiegenen ukrainischen Fähigkeit, Ziele tief im russischen Hinterland anzugreifen.
Mobiles Internet fällt während Putins Besuch aus
Während Putin am Sonntag in St. Petersburg war, klagten Einwohner in mehreren Stadtteilen über massive Probleme mit dem mobilen Internet. Die russische Zeitung Komsomolskaja Prawda berichtete von einem großflächigen Ausfall. Die Einschränkungen seien mit Sicherheitsmaßnahmen in Verbindung gebracht worden. Ein offizieller Zusammenhang mit Putins Besuch wurde nicht genannt.
Russische Behörden schalten das mobile Internet bei Drohnenalarm regelmäßig ein oder beschränken den Zugang auf ausgewählte Internetseiten. Damit soll unter anderem die Navigation angreifender Drohnen erschwert werden. Für Bewohner, Unternehmen und Besucher der Millionenstadt bedeuten die Maßnahmen jedoch Ausfälle bei Messenger-Diensten, Kartendiensten, Bezahlvorgängen und anderen Anwendungen.
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Putin zeichnete unterdessen in der Admiralität Marineangehörige aus und ließ sich von den Kommandeuren der russischen Flotten Bericht erstatten. Russische Staatsmedien verbreiteten Bilder des Präsidenten vor Soldaten und einer großformatigen Darstellung eines U-Bootes. Die reale Flotte blieb der Öffentlichkeit an diesem Tag dagegen verborgen.
Museen, kleinere Konzerte und Gedenkveranstaltungen fanden in St. Petersburg weiterhin statt. Die großen öffentlichen Feiern, die Parade und das Feuerwerk wurden jedoch gestrichen. Aus dem einstigen Schaufenster der russischen Seemacht wurde damit erneut eine weitgehend abgeschirmte Zeremonie hinter den Mauern der Admiralität.
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