Seit Tagen hält eine Anschlagsserie auf die kritische Infrastruktur Deutschland in Atem. Unbekannte hatten Anschläge auf Umspannwerke und Stromleitungen in Brandenburg und Nordrhein-Westfalen verübt. Nun soll es offenbar auch in Sachsen zu einem Vorfall gekommen sein.
Zahlreiche Polizisten seien in der Gemeinde Schleife (Landkreis Görlitz) im Einsatz, berichtet derweil ein Reporter vor Ort. Beamte würden die Gegend absuchen.
„Ich kann einen Polizeieinsatz bestätigen“, sagte indes Polizeisprecherin Anja Leuchner auf Anfrage dieser Zeitung. Weitere Details konnte die Sprecherin unter Verweis auf ermittlungstaktische Gründe noch nicht nennen.
Informationen der Bild-Zeitung zufolge wurden am Freitagnachmittag an zwei Freileitungen im Landkreis Bautzen und im Landkreis Görlitz Spreng- oder Brandvorrichtungen entdeckt.
Erst am 2. September wurden am rund 50 Kilometer entfernt gelegenen Umspannwerk Turnow-Preilack in Brandenburg Schäden an den Freileitungen bemerkt. Zum Einsatz kamen dort raketenähnliche Sprengvorrichtungen, deren Einschlag in die Hochspannungsleitungen Kurzschlüsse herbeiführen sollte. Am selben Tag wurde dann ein Vorfall auf ein Umspannwerk bei Köln gemeldet.
Wo ist Daniel V. ? - Mann aus NRW soll Stromleitungen sabotiert haben
Inzwischen liegen der Polizei zwei handschriftliche, namentlich unterzeichnete Bekennerschreiben vor. Die Ermittlungsbehörden stufen diese Briefe als authentisch ein. Als mutmaßlicher Verfasser gilt ein deutscher Staatsangehöriger, der in Gevelsberg (Nordrhein-Westfalen) gemeldet ist. Nach Angaben von NRW-Innenminister Herbert Reul wurde das ältere Bundeswehrfahrzeug des Tatverdächtigen am Freitagabend gestürmt. Der Mann, Daniel V., entkam jedoch und befindet sich vermutlich zu Fuß auf der Flucht, wie unter anderem Bild berichtet hatte. Sein Wohnhaus wurde bereits durchsucht.
Die Ermittler gehen von einem Einzeltäter aus, da die Briefe spezifisches technisches Täterwissen enthalten und der Verdächtige die verschiedenen Tatorte offenbar allein abgefahren ist.
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Der Verfasser bekennt sich zu koordinierten Angriffen in Brandenburg und Nordrhein-Westfalen. Betroffen waren ein Umspannwerk nahe dem Braunkohlekraftwerk Jänschwalde sowie Standorte bei Gohr, Bergheim-Rheidt, Dormagen und Weisweiler. Der Täter nutzte selbstgebaute Abschussvorrichtungen, um Pyrotechnik und Raketen mit Kupferdrähten in die Hochspannungsleitungen zu schießen. Dies sollte gezielte Kurzschlüsse und Lichtbögen auslösen. Größere Stromausfälle für Verbraucher wurden weitgehend verhindert, allerdings fielen in Jänschwalde und Bergheim zeitweise Kraftwerksblöcke sowie Leitungen aus. Als Motiv nennt das Bekennerschreiben den Protest gegen die Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen. Der Verfasser bezeichnet diese als „Verbrechen“, das „unsägliches Leid“ nach sich ziehe, und kritisiert das aus seiner Sicht unzureichende Handeln von Politik und Medien in der Klimakrise. Da in den Schreiben weitere Taten angekündigt und Hinweise auf zukünftige Ziele gegeben wurden, haben die Behörden die Sicherheitsmaßnahmen verschärft. Die Polizei und der Staatsschutz ermitteln wegen des Verdachts der verfassungsfeindlichen Sabotage und Terrorverdachts.
Ob Daniel V. auch das Umspannwerk bei Schleife ins Visier nahm, ist derzeit noch unklar.
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