Manuela Schwesig und Leif-Erik Holm haben sich im NDR ein hitziges TV-Duell geliefert – vier Tage vor der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern.
Der Schlagabtausch zwischen der amtierenden Ministerpräsidentin und dem AfD-Kandidaten lief am Mittwochabend im Foyer des NDR-Landesfunkhauses, moderiert von Susanne Stichler und Thilo Tautz. 60 Minuten lang ging es um Bildung, Wirtschaft und Migration.
Holm ist nicht Spitzenkandidat der AfD. Er nennt sich „Ministerpräsidenten-Kandidat“ und tritt ausschließlich im Schweriner Wahlkreis 8 direkt gegen Schwesig an. Der Spitzenkandidat der AfD ist Enrico Schult.
Was im TV-Duell zwischen Schwesig und Holm geschah
Beide fielen sich nach Darstellung des NDR immer wieder ins Wort und warfen sich gegenseitig Täuschung vor. Schwesig attackierte Holm unter anderem wegen eines früheren Bankräubers auf der AfD-Landesliste. Holm wies das als „unredlich“ zurück: Die Partei habe von der Vergangenheit nichts wissen können. „Sie machen mit Angst Wahlkampf“, so Holm zu Schwesig.
Beim Thema öffentlich-rechtlicher Rundfunk krachte es zusätzlich mit der Moderation. Holm warf dem NDR vor, er „desinformiere“ des Öfteren.
Moderator Tautz unterbrach ihn: „Das sind völlige Falschbehauptungen, das können wir so nicht stehen lassen.“ Holm kündigte an, den öffentlich-rechtlichen Rundfunk reformieren zu wollen. AfD-Chefin Alice Weidel fordert hingegen immer wieder die Abschaffung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks (ÖRR) sowie des Rundfunkbeitrags.
Zuvor hatte Holm laut NDR angekündigt, als erste Amtshandlung „mit dickem Edding wie Herr Trump“ die Kündigung des Staatsvertrags zu unterschreiben.
Energie und Nord Stream: Holms Aussage zur Kernkraft
Beim Streit um Energie wich Holm ebenfalls von der AfD-Bundeslinie ab: „Wir sind pro Kernenergie, aber nicht in Mecklenburg-Vorpommern. Das schaffen wir ja gar nicht.“
Stattdessen warb er für grundlastfähige Gaskraftwerke und berief sich auf Pläne von Bundeswirtschaftsministerin Reiche (CDU). Nach einem Ende des Ukraine-Kriegs solle wieder „konkurrenzlos günstiges Gas“ durch eine reparierte Nord-Stream-2-Pipeline fließen.
Wie eng das Rennen vor der MV-Wahl ist
Der Ausgang der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern bleibt offen. Nach einer am Mittwoch veröffentlichten Insa-Umfrage kommt die AfD auf 37 Prozent, die SPD auf 35 Prozent. Die Linke folgt mit 10 Prozent, die CDU mit schwachen 7 Prozent. Die Grünen müssen mit fünf Prozent um den Einzug in den Landtag bangen, das BSW würde der Umfrage zufolge an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern.
Erstes TV-Duell: Schwesig zeigt ihre Erfahrung, Holm hält ihr die offenen Rechnungen vor
Linke und CDU am TV-Duell zu Mecklenburg-Vorpommern ausgeschlossen: Was steckt dahinter?
Rechnerisch hätte das linke Lager nach der Insa-Umfrage eine Mehrheit. SPD, Linke und Grüne kommen zusammen auf 50 Prozent. Voraussetzung wäre allerdings, dass die Grünen die Fünf-Prozent-Hürde tatsächlich überspringen. Fällt eine der drei Parteien heraus, geht die Rechnung nicht auf.
Laut dem MV-Trend von Infratest dimap im Auftrag des NDR trauen etwa gleich viele Wahlberechtigte der AfD die Lösung der Probleme zu wie der SPD.
Warum ein TV-Duell zuvor für Debatten sorgte
Ein TV-Duell zwischen Schwesig und Holm sorgte bereits vor Wochen für Debatten. CDU und Linke waren zunächst fest eingeplant, wurden dann aber wieder ausgeladen. Die Linke spricht von einem „Scheinzweikampf“ und macht die SPD dafür verantwortlich. Schwesig habe Einfluss genommen, lautete der Vorwurf. Der Sender RTL/ntv hingegen wies die Vorwürfe von Einflussnahme zurück.
Anfang Juni verschickten die Sendergruppe RTL/ntv und der kooperierende Radiosender Ostseewelle ihre Einladungen. Sowohl die CDU als auch die Linke sollten an der Fernsehdebatte teilnehmen. Rund zwei Monate später kam die Kehrtwende. Beide Parteien erhielten eine schriftliche Absage. Der Sender begründete dies mit den aktuellen Umfragewerten und dem Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen SPD und AfD.
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