Kulturgeschichte

SLUB Dresden übernimmt rund 1500 historische Menükarten von Reinhard Lämmel

Die Sammlung des 2025 gestorbenen Kochs umfasst Karten aus Dresdner Interhotels der 1960er- und 1970er-Jahre. Forschende können sie im Lesesaal nutzen.

Alexander Angierski
3 Min
<strong>Verschiedene Menükarten aus dem späten 19. Jh., Menüalbum Kurt Holzig</strong>

Verschiedene Menükarten aus dem späten 19. Jh., Menüalbum Kurt Holzig

© Ramona Ahlers-Bergner/SLUB

Die Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB) nimmt den Nachlass des Dresdner Kochs, Publizisten und Sammlers Reinhard Lämmel (1950–2025) in ihr Deutsches Archiv der Kulinarik auf. Übergeben wird die Sammlung von seiner Witwe Liane Lämmel.

Der Nachlass enthält rund 1500 historische Menü- und Speisekarten aus dem 19. und 20. Jahrhundert. Die SLUB hebt kunstvoll gestaltete sächsische Menükarten aus der Zeit um 1900 hervor, außerdem Karten aus Dresdner Interhotels der 1960er- und 1970er-Jahre. Dazu kommen Stücke aus dem Hotel Bellevue, in dem Lämmel selbst als Küchenchef gearbeitet hatte. Die Sammlung soll die Bestände zur Gastronomiegeschichte Sachsens ergänzen.

Die Bibliothek erschließt den Nachlass nun bibliothekarisch. Forschende können die Karten für die wissenschaftliche Arbeit im Lesesaal Sammlungen der SLUB-Zentralbibliothek einsehen. „Mein Mann war mit großer Leidenschaft Sammler“, sagte Liane Lämmel. Die Sammlung bilde eine lebendige Chronik der Gastlichkeit und der kulinarischen Trends verschiedener Epochen ab; das Archiv sei der ideale Ort, um sie zu bewahren.

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Reinhard Lämmel kochte im Bellevue und auf Schloss Weesenstein

Lämmel hatte seine Lehre im Interhotel Astoria Dresden absolviert und war danach viele Jahre Küchenchef in bekannten Häusern Sachsens, darunter im Hotel Bellevue Dresden. Weitere Stationen waren das Interhotel Kongress in Karl-Marx-Stadt, eine Tätigkeit als Maître im Italienischen Dörfchen sowie Aufenthalte in Budapest und Istanbul.

Speisekarten aus dem Interhotel Newa, Dresden, 1970er Jahre

Speisekarten aus dem Interhotel Newa, Dresden, 1970er Jahre

© Ramona Ahlers-Bergner/SLUB

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Von 1996 bis 2001 leitete er die Schlossküche auf Schloss Weesenstein. In dieser Zeit erhielt das Restaurant 14 Punkte im Gault Millau.

Daneben arbeitete Lämmel als Autor. Im Jahr 2007 erschien „Das Sachsen-Kochbuch“, in dem er sich mit dem Mythos der sächsischen Nationalküche befasste. Regelmäßig schrieb er für die Rubrik „Essen und Trinken“ der Sächsischen Zeitung. Teile seiner Sammlung waren bereits 2012 in der Sonderausstellung „Aufgetischt“ auf Burg Stolpen zu sehen.

Archiv bewahrt weitere Unterlagen zum Bellevue

Das Deutsche Archiv der Kulinarik bewahrt nach Angaben der SLUB schon weitere Unterlagen zur Spitzengastronomie der DDR, vor allem zum Interhotel Bellevue. Dazu gehören Rezeptkalkulationen der Patissière Christine Giersch sowie die Kalkulationen der Endküche EG-West von Erhard Müller, Chefkoch einer der vier Küchen des Hauses. Darin sind auch Rezepte für das Palaisrestaurant, den Bankettsaal, das Café Pöppelmann, den Bierkeller und die Salons erhalten.

Hinzu kommt der Nachlass von Klaus Martin, dem ersten gastronomischen Leiter des Hotels. Er enthält unter anderem Unterlagen zur Einrichtung des Bellevue.

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