Kommentar

Midterm-Debakel der Republikaner: Das Ende der Trump-Ära hat begonnen

Donald Trump erlebt sein Waterloo und wird zur „lahmen Ente“. Wenn selbst Texas kippt, wird der US-Präsident zum Risiko für die eigene Partei.

3 Min
Donald Trump wird durch die krachende Niederlage der Republikaner bei den Midterms zur lahmen Ente.

Donald Trump wird durch die krachende Niederlage der Republikaner bei den Midterms zur lahmen Ente.

© JIM WATSON

Die Republikaner verlieren den Senat und das Repräsentantenhaus. Das ist ein politischer Super-Gau für Donald Trump. Kansas schickt erstmals seit 1932 wieder einen Demokraten in den Senat.

Und in Texas, der republikanischen Hochburg schlechthin, gewinnen die Demokraten nach 38 Jahren wieder einen Senatssitz. Ausgerechnet Texas. Trump hat nicht nur die Bastionen der Republikaner verloren, sondern selbst das Ende seiner Ära eingeläutet.

Der US-Präsident hat sich verzockt – und zwar gewaltig. Er versprach den Amerikanern, als „Dealmaker“ die Wirtschaft zu stabilisieren und die internationalen Konflikte zu beenden. Was sie bekamen, war ein Krieg im Iran mit verheerenden Folgen. Dabei hätten ihm die steigenden Lebenshaltungskosten und die sinkenden Zustimmungswerte schon lange vor dem Wahltag eine Warnung sein müssen, ebenso die Skepsis gegenüber einem weiteren militärischen Abenteuer im Nahen Osten.

Doch Trump glaubte offenbar, seine außenpolitische Entschlossenheit werde ihm innenpolitisch nicht schaden. Ein fataler Irrtum.

Trumps Waterloo in der Straße von Hormus

Denn der Iran-Krieg findet für die Amerikaner nicht nur irgendwo am anderen Ende der Welt statt. Er landet unmittelbar auf ihrer Rechnung: an der Tankstelle, im Supermarkt und bei den ohnehin kaum noch bezahlbaren Lebenshaltungskosten. Trump argumentierte, dass der Krieg notwendig sei, dass die Angriffe begrenzt seien und dass er alles unter Kontrolle habe. Doch die Wähler interessierten sich nicht für Trumps Inszenierung, sondern für ihren Kontostand.

Die Demokraten mussten dafür nicht einmal das Rad neu erfinden. Sie griffen auf eine der erfolgreichsten Wahlkampfweisheiten der amerikanischen Politik zurück. Bill Clintons berühmter Satz aus der Präsidentschaftswahl 1992 brachte es auf den Punkt: „It's the economy, stupid!“ Übersetzt: Es ist die Wirtschaft, Dummkopf. Die Demokraten machten Bezahlbarkeit zum zentralen Thema und der Krieg lieferte ihnen täglich neue Argumente.

Auch die engen Beziehungen zu den milliardenschweren Tech-Bros wie Musk, Altman, Bezos und Zuckerberg wurden den Republikanern zum Verhängnis. Die Ermittlungen zu Trumps Schwiegersohn Kushner und der Vorwurf eines Selbstbedienungsladens trugen zum Wahldesaster bei.

Das Ergebnis ist somit mehr als eine Niederlage bei Zwischenwahlen. Es ist der Beginn des Endes seiner politischen Ära, die 2016 mit seinem ersten Wahlsieg ihren Anfang nahm. Die Republikaner verlieren ihre parlamentarische Rückendeckung, Trump verliert den politischen Gestaltungsspielraum und wird zur „Lame Duck“, zur lahmen Ente.

Königsmord: Die Thronerben stehen bereit

Und während Trump die Niederlage herunterspielt und behauptet, der Krieg habe keine Rolle gespielt, beginnt in seiner eigenen Partei längst das Rennen um die Zeit danach. JD Vance und Marco Rubio saßen in der Wahlnacht im Weißen Haus. Beide wissen, dass 2028 näher rückt. Beide werden nun sehr genau abwägen, wie viel Trump sie sich noch leisten können und wie viel Abstand sie brauchen, um selbst eine Zukunft im Weißen Haus zu haben. Der König ist noch nicht gestürzt, aber am Hof wird bereits über seine Nachfolge gesprochen.

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Trump wollte als Präsident in die Geschichte eingehen, der Amerikas Kriege beendet. Stattdessen könnte ihm der Iran-Krieg als der Fehler in Erinnerung bleiben, der ihn den Kongress und den politischen Nimbus gekostet hat. 2016 begann die Ära Trump – 2026 begann ihr Ende.

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