Der KI-Unternehmer Stefan Groschupf sieht in künstlicher Intelligenz große Chancen für kleine Unternehmen in Sachsen-Anhalt. Die Technik habe sich in den vergangenen vier Jahren unglaublich entwickelt, sagte der aus Halle stammende Gründer bei den KI-Tagen in seiner Heimatstadt. Die Möglichkeiten seien groß, die Hürden für den Einstieg verhältnismäßig klein. KI könne jeden Mitarbeiter zum „Superman“ oder zur „Superwoman“ machen.
Groschupf rät Firmen deshalb, KI-Werkzeuge möglichst früh einzusetzen, ob im Verkauf oder in der Produktentwicklung. „Das, was wir jetzt haben, ist schon ein so riesiger Schritt nach vorne.“ Dass dabei nicht alles auf Anhieb funktioniere, gehöre zum Lernen dazu. Wichtig sei vor allem, keine Angst vor der neuen Technik zu haben.
Nicht alles ist ein Nagel
Bei aller Begeisterung warnt Groschupf davor, Chatbots und ähnliche Programme für alles einzusetzen. Im Moment sähen sie aus wie ein Hammer, „und alles sieht aus wie ein Nagel“, so der Unternehmer, der seit Jahren im Silicon Valley lebt. Für viele Entscheidungen im Betrieb brauche es stattdessen Programme, die exakt rechnen und bei gleichen Daten immer zum gleichen Ergebnis kommen. Genau daran arbeite sein Unternehmen.
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MehrWo solche Programme helfen könnten, zeige der Alltag vieler Betriebe in der Region mit rund 100 Mitarbeitern. Sie müssten laufend entscheiden, was sie auf Lager halten, was sie produzieren und wie sie umplanen, wenn ein Zulieferer nicht pünktlich liefert – und seien dabei „ganz klar nicht optimal aufgestellt“. Das sei kein Grund zur Scham, denn: „Wir sind an dem Punkt, dass Maschinen schneller, besser, akkurater denken können als wir.“ Die Kontrolle behalte trotzdem der Mensch.
Hubschrauber für Schrauben
Wie teuer Fehler bei der Lagerplanung werden können, schilderte er an einem ihm bekannten Beispiel. Ein großer Produktionsbetrieb müsse einmal im Monat Schrauben per Hubschrauber einfliegen lassen, weil der Vorrat aufgebraucht sei. Umgekehrt liege in deutschen Fabriken oft zu viel Material auf Lager, das nur Geld binde. In der deutschen Autoindustrie seien es nach seinen Angaben rund 12.000 Euro pro Auto, in einer chinesischen Fabrik etwa 900 Euro – ein Grund, warum das eine Auto teurer sei als das andere.
Solche Entscheidungen werden nach Groschupfs Erwartung künftig immer öfter Maschinen treffen. Jeder Angestellte werde mit rund 100 KI-Helfern arbeiten, die täglich Hunderte Fragen klären: wann beim Zulieferer bestellt wird oder wer in den Urlaub gehen kann, ohne dass eine Schicht unbesetzt bleibt. Ob Deutschland diese Entwicklung jetzt oder erst in fünf Jahren mitmache, sei nur eine Frage des Zeitpunkts – „der Rest der Welt wird in fünf Jahren schon lange da sein“.
Druck aus China
Dass Eile geboten ist, begründet Groschupf mit dem Blick nach China und mit seiner eigenen Herkunft. „Wir sind Hallenser, wir sind im Osten aufgewachsen. Wir wissen noch, wie die kommunistische und die sozialistische Partei operiert hat“, erinnerte er. In China habe die Partei vorgegeben, dass 90 Prozent der Lieferketten mit KI optimiert sein müssten.
Die Folgen spüre Deutschland bereits: Nach Groschupfs Worten gehen jeden Monat 10.000 Arbeitsplätze dorthin verloren. Laut Bundesagentur für Arbeit fallen in der deutschen Industrie derzeit sogar rund 15.000 Stellen pro Monat weg, allerdings aus verschiedenen Gründen, darunter hohe Energiekosten und Fachkräftemangel.
In Halle ausgelacht
Groschupf beschäftigt sich selbst mit dem Thema seit fast 30 Jahren. Ende 1997 gründete er seine erste Firma mit KI-Schwerpunkt, damals noch mit wenig Rückhalt: „Ich bin natürlich nur ausgelacht worden.“ Das sei auch der Grund gewesen, warum er Halle verlassen musste. Mit seinem Team in der Saalestadt habe er dennoch schon in den 2000er Jahren an Vorläufern heutiger KI gearbeitet, 2016 auch an Chatbots.
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Sein Weg führte ihn ins Silicon Valley. Dort gründete er 2009 mit einem Partner die Datenfirma Datameer, die bis 2015 mehr als 76 Millionen US-Dollar von Investoren einsammelte. 2017 folgte das Start-up Automation Hero, damals noch SalesHero, das Büroabläufe automatisieren sollte; für die deutsche Gesellschaft mit Sitz in Halle wurde 2024 ein Insolvenzverfahren eröffnet. Heute führt er das Unternehmen Centrum AI, das KI für die Planung von Lieferketten anbietet.
Medizin am Schreibtisch
Was mit KI inzwischen möglich ist, erlebt Groschupf im Silicon Valley aus nächster Nähe. Die Technik sei längst nicht mehr auf Software beschränkt: Mit ihr ließen sich Bauteile für den 3D-Druck entwerfen, elektronische Schaltungen entwickeln oder Proteine erforschen. Wofür früher Jahre nötig gewesen seien, könne heute eine einzelne Person zumindest am Computer erledigen, etwa neue Wirkstoffe entwickeln und prüfen, bevor klinische Studien folgen.
Gerade für das produzierende Gewerbe in der Region sieht er darin eine Chance, neue Produkte in Tagen bis Wochen zu entwerfen. Was dafür nötig sei, seien vor allem Kreativität und der Mut, Neues zu wagen und notfalls damit zu scheitern.
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