Das iranische Staatsfernsehen hat nach eigenen Angaben einen Entwurf für ein erstes Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran erhalten, das ein Ende der Eskalation im Persischen Golf ermöglichen soll. Demnach würde der Iran den kommerziellen Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus innerhalb von 30 Tagen wieder auf das Niveau vor Kriegsbeginn anheben. Im Gegenzug sollen die USA ihre Streitkräfte aus der Nähe des Iran abziehen und die verhängte Seeblockade aufheben.
Der Entwurf sei noch nicht finalisiert worden, berichtete das Staatsfernsehen laut Reuters. Teheran werde ohne eine „greifbare Verifizierung“ der Vereinbarungen keine Schritte unternehmen. Militärschiffe seien von dem möglichen Abkommen ausdrücklich ausgenommen. Die Kontrolle des Schiffsverkehrs in der Meerenge solle gemeinsam mit Oman erfolgen.
Die Finanzmärkte reagierten am Mittwoch sofort auf die neuen Berichte. Der europäische Gaspreis fiel zeitweise um rund fünf Prozent, auch die Ölpreise gerieten unter Druck. Reuters berichtete von einem Rückgang des Brent-Ölpreises um fast vier Prozent, US-Öl verlor zeitweise mehr als fünf Prozent. Anleger setzen offenbar darauf, dass sich die Lage im Golf entspannt und wichtige Lieferwege wieder geöffnet werden.
Straße von Hormus: Iran festigt Kontrolle mit Checkpoints auf Inseln
Iran droht nach US-Angriffen mit Gegenschlag – Chamenei verkündet „Ende von US-Basen in der Region“
Möglicher Hormus-Deal könnte vor den UN landen
Sollte innerhalb von 60 Tagen ein endgültiges Abkommen erzielt werden, könnte dieses laut dem Bericht des iranischen Staatssenders IRIB sogar als bindende Resolution im UN-Sicherheitsrat verabschiedet werden. Das wäre eine bemerkenswerte Wende: Erst im April hatte der Sicherheitsrat eine Abstimmung über eine internationale Militärmission zum Schutz der Schifffahrt in der Straße von Hormus wegen heftiger Differenzen zwischen den Vetomächten kurzfristig verschoben. IRIB gilt als von Hardlinern innerhalb des iranischen Regimes geführt.
Das Memorandum, das als Fahrplan für künftige Verhandlungen über Themen wie das iranische Atomprogramm und die internationalen Sanktionen gegen den Iran gilt, wird unter pakistanischer Vermittlung ausgehandelt.
Weißes Haus weist Berichte über Iran-Deal zurück
Das Weiße Haus wies die Berichte kurz nach der Veröffentlichung zurück. Die von iranischen Staatsmedien veröffentlichte Darstellung eines angeblichen Memorandum of Understanding sei „nicht wahr“ und „frei erfunden“, erklärte das Rapid-Response-Team des Weißen Hauses auf X. Zugleich bestätigte Washington indirekt, dass Gespräche weiterlaufen. Präsident Donald Trump habe seine „roten Linien“ klar definiert, erklärte Sprecherin Olivia Wales laut CNN. Ein mögliches Abkommen müsse sicherstellen, „dass der Iran niemals eine Atomwaffe besitzen kann“.
Nato und USA bereiten sich weiter auf Hormus-Einsatz vor
Nach Angaben des Senders Al Jazeera erklärte das US-Militär am Mittwoch, seit Beginn der Blockade seien 109 Handelsschiffe im Arabischen Meer umgeleitet worden. US-Hubschrauber überwachten weiterhin die Region, um die Sperre durchzusetzen.
Auch die iranischen Revolutionsgarden meldeten weiter Kontrolle über die Passage. Laut dem iranischen Staatssender IRIB seien in den vergangenen 24 Stunden 23 Schiffe mit Genehmigung der iranischen Marine durch die Straße von Hormus gefahren.
Unterdessen bereiten sich westliche Staaten offenbar auf eine mögliche internationale Sicherungsmission vor. Die Niederlande kündigten laut Reuters an, ein Minenjagdboot ins Mittelmeer zu entsenden, um bei Bedarf schnell in Richtung Golfregion verlegt werden zu können. Nato-Generalsekretär Mark Rutte hatte erklärt, mehrere Staaten positionierten bereits Minensucher und logistische Unterstützung in der Nähe der Region vor.
Unklar bleibt bislang, ob die US-Regierung dem bekannt gewordenen Entwurf tatsächlich zustimmen würde. Offizielle Bestätigungen der US-Regierung lagen zunächst nicht vor.
Brand auf Frachter in Straße von Hormus: Südkorea sieht iranische Raketen hinter Angriff
Starlink im Iran-Krieg: Pentagon beugt sich Elon Musks 25.000-Dollar-Forderung
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]