Wer eine eigene Buchmesse gründet, schafft Platz – und muss entscheiden, wer diesen geschaffenen Platz mit Leben füllt. Susanne Dagen will mit „Seitenwechsel“ Verlagen und Autoren eine Bühne bieten, die im etablierten Literaturbetrieb wenig Raum finden. Doch der Anspruch, offen zu sein, wirft Fragen auf, die sich Dagen auch stellt: Wie viel politische Nähe verträgt eine unabhängige Messe? Wann wird aus Widerspruch gegenseitige Bestätigung? Und was verbindet die Aussteller jenseits dessen, vom „etablierten Kulturbetrieb“ ausgegrenzt zu werden?
Nach der Premiere mit mehr als 6000 Besuchern findet „Seitenwechsel“ am 7. und 8. November zum zweiten Mal in Halle an der Saale statt. Diesmal wächst die Messe auf zwei Hallen – mit 150 Ausstellern, zusätzlichen Veranstaltungsflächen und mehr Sitzplätzen. Dagen, Buchhändlerin, Verlegerin und kulturpolitische Sprecherin der Dresdner AfD-Stadtratsfraktion, sieht darin mehr als einen Publikumserfolg, wie sie im Interview mit dieser Zeitung berichtet.
Außerdem spricht sie über die Grenze zwischen politischer Nähe und Vereinnahmung und kritisiert den Autor und Journalisten Ulf Poschardt scharf. Während manche in ihm inzwischen einen Verbündeten sehen, hält sie seine Annäherung an rechte Positionen für opportunistisch.
„Die Meinungsfreiheit ist ein Schlachtfeld“ – auch auf der Buchmesse
Frau Dagen, im vergangenen Jahr mussten Sie Ihren Kritikern beweisen, dass es für Ihre Messe ein Publikum gibt. Die Besucherzahlen sprechen für sich. Woran muss sich die zweite Ausgabe von „Seitenwechsel“ messen lassen?
Ich glaube nicht, dass unsere Kritiker jemals daran gezweifelt haben, dass es für diese Messe ein Publikum gibt. Sie haben uns als Gefahr für die Etablierten gesehen. Und wir zeigen ja auch: Wir sind frei, nonkonform, kritisch und widerständig.
Und das sind die „etablierten“ Buchmessen in Frankfurt und Leipzig nicht?
Mir fehlt dort vieles von dem, was eine Buchmesse für mich ausmacht. Deshalb habe ich von einem geistigen Notstand gesprochen. Das beginnt damit, ob man sein Publikum als Leser ernst nimmt und nicht erst durch alle möglichen Angebote schleusen muss.
Wie meinen Sie das?
Jemand erzählte mir von einer riesigen Schlange auf der Frankfurter Buchmesse. Am Ende stellte sich heraus: Die Menschen standen für kostenloses Zitroneneis an. Wenn das zum Bild einer Buchmesse wird, läuft etwas schief. Ich sage ja nicht, dass ich mit „Seitenwechsel“ das Rad neu erfunden habe. Aber ich möchte zu dem zurückkehren, was Buchmessen einmal waren: Treffpunkte für Auseinandersetzung, Provokation und Irritation. Vor allem aber Orte der Freiheit. Wir können an Ständen vorbeigehen, die uns nicht interessieren, und trotzdem akzeptieren, dass sie da sind. Bei den anderen wird aussortiert und das Reinheitsgebot ist über alle Maßen präsent. Ich sage dagegen: Auch wenn Sie keinen Vogel haben, können Sie sich Vogelfutter anschauen. Entscheidend war aber auch, dass die Zeit für diese Idee reif war.
Zur Person
Die zweite Ausgabe ihrer Buchmesse „Seitenwechsel“ findet am 7. und 8. November 2026 in Halle (Saale) statt.
Fünf Jahre früher hätte die Messe also nicht denselben Erfolg gehabt?
Davon bin ich überzeugt. Durch die Corona-Zeit ist der Kreis der kritischen Menschen noch einmal erheblich gewachsen. Das trägt unsere Messe mit. Menschen, die zunächst gar nicht politisch waren, sind es durch die Erfahrung von Freiheitseinschränkungen und Maßnahmen geworden.
Wir haben eine stark politisierte Bevölkerung. Das liegt nicht nur daran, dass Menschen politisch denken, sondern auch daran, dass ihnen ständig Haltungen und Meinungen abgefordert werden. Das halte ich für problematisch. Kunst, zu der die Literatur gehört, muss viel mehr sein können. Mit unseren Veranstaltungen wollen wir dem Rechnung tragen. Wir betrachten den Leser als jemanden, der mitdenkt.
Eine Buchmesse darf also politisch sein, muss sich aber nicht darüber definieren? Das ist mit Blick auf „Seitenwechsel“ ein spannender Punkt, da die Messe von Anfang an von Kritikern als rechtes politisches Projekt bezeichnet wurde.
Richtig, es wurde versucht, dieses Framing zu etablieren. Und das ist auch gelungen. Aber die Bezeichnung als rechte Buchmesse ist eine Mogelpackung. Mit zehn rechten Verlagen organisieren Sie vielleicht Buchtage, aber keine Messe mit 150 Ausstellern und einem umfangreichen Programm. Dazu braucht es auch Verlage, die sich selbst als völlig unpolitisch verstehen. Und die lassen sich von solchen Zuschreibungen nicht abschrecken, weil sie bei uns das Potenzial sehen, ihre Leser zu erreichen.
Das ist übrigens in diesen wirtschaftlich schwierigen Zeiten entscheidend: Verleger müssen ihre Bücher verkaufen. Wir bringen sie mit einem nonkonformen Publikum zusammen, das ich als Teil einer Avantgarde begreife. Ob jemand rechts oder konservativ ist, steht dabei nicht im Vordergrund. Dass viele Aussteller wiederkommen und neue hinzukommen, zeigt mir, dass dieses Angebot funktioniert.
Was entgegnen Sie dem Vorwurf, auf Ihrer Messe bleibe ein Milieu unter sich? Oder anders gefragt, wie viel Widerspruch wünschen Sie sich dort tatsächlich?
Wie ich bereits sagte: Ich will Widerspruch, Provokation und Irritation. Das sind Momente, in denen man innehält. Wenn man ehrlich zu sich selbst ist, kann daraus ein Perspektivwechsel entstehen: Warum irritiert mich das? Warum macht mich das aggressiv? Bücher regen seit jeher dazu an. Deshalb heißt die Messe „Seitenwechsel“.
Unsere Kritiker werfen mir auch vor, zur Normalisierung beizutragen. Natürlich will ich das. Es ist normal, andere Meinungen, Denkweisen und Lebensweisen zuzulassen. Dieses Reinheitsgebot spielt bei mir keine Rolle. Auch unter unseren Ausstellern gibt es welche, die sich immer wieder von anderen abgrenzen oder distanzieren möchten. Das will ich nicht. Ich möchte, dass wir es in dieser durchaus schwierigen Zusammensetzung schaffen, zwei Tage friedlich unter einem Dach zu verbringen.
Susanne Dagen: „Unfrieden zu säen, hier etwas zu flüstern und dort Misstrauen zu wecken, das kennen wir als Mittel der Zersetzung aus der DDR“
© Benjamin Pritzkuleit/Berliner Ze
Das klingt, als müssten Sie zwischen Ihren Ausstellern vermitteln, während die außenstehenden Beobachter von einem „geschlossenen rechtem Milieu“ sprechen. Worüber streiten Ihre Aussteller?
Der eine geht weiter als der andere. Das ist für mich noch kein Problem. Schwierig wird es, wenn jemand sagt: Sie gehen mir zu weit, deshalb möchte ich mit Ihnen nichts zu tun haben. Dann sind wir keinen Deut besser als diejenigen, die wir kritisieren. Wir greifen auf dieselben Mittel zurück und machen dieselben Fehler. Unfrieden zu säen, hier etwas zu flüstern und dort Misstrauen zu wecken, das kennen wir als Mittel der Zersetzung aus der DDR. Davor ist kein Milieu sicher. Die Linken sind allerdings besser darin, sich für eine gemeinsame Sache zusammenzuschließen und zu mobilisieren.
Die Vernetzung auf der Rechten hat sich in den vergangenen Jahren ebenfalls verbessert. Dazu tragen Orte wie Ihre Messe bei. Was wäre, wenn Frankfurt und Leipzig sich wieder öffneten und Ihre Aussteller dort selbstverständlich willkommen wären?
Das würde ich begrüßen. Ich hoffe auf Nachahmer. Wenn Frankfurt und Leipzig sagten, wir konzentrieren uns wieder stärker auf Bücher statt auf Stände von Parteistiftungen und NGOs, könnte der Branche doch nichts Besseres passieren.
Sie haben kürzlich gesagt: „Ich bin nicht Gegenöffentlichkeit. Ich bin Öffentlichkeit.“ Was unterscheidet für Sie das eine vom anderen und weshalb ist Ihnen diese Unterscheidung so wichtig?
Ich habe damit auf die Behauptung reagiert, alles, was wir tun, sei Gegenöffentlichkeit. Schon in diesem Wort steht das Dagegensein im Vordergrund. Uns wird ständig unterstellt, wir seien gegen etwas. Deshalb drehe ich es um: Sie können mich ausschließen, wie Sie wollen – ich bin Teil Ihrer Welt und Teil dieser Öffentlichkeit. Dieses Selbstbewusstsein wünsche ich mir von jedem Einzelnen. Es gibt zunächst einmal unser gemeinsames Leben, nicht nur ein Dafür und ein Dagegen.
Auf der Rechten gibt es durchaus den Wunsch, eine Minderheit zu bleiben und gerade nicht zum Establishment zu gehören. Stichwort „Avantgarde“.
Das ist etwas anderes. Sich als Teil des Ganzen zu begreifen, ist für mich ein gesundes demokratisches Selbstverständnis. Demokratie braucht den Ausgleich unterschiedlicher Richtungen. Diese Balance ist bei uns in Schieflage geraten. Und ich glaube, dass es am Ende die Ränder sind, die Demokratie verteidigen, indem sie den Finger in die Wunde legen, provozieren und irritieren. Das bedeutet aber nicht, dass wir uns ständig über andere definieren sollten. Ich habe einmal zu einem Kunden, der wieder am Jammern war, gesagt: Bleiben wir doch bei uns. Unser erstes Argument darf nicht immer sein, was die anderen getan haben. Wir sollten erklären, wie wir selbst die Dinge sehen, und uns als Teil der gesellschaftlichen Auseinandersetzung verstehen.
Ein Satz, der alles veränderte: Wie Buchhändlerin Susanne Dagen die Seiten wechselte
Sie wollen politische Grenzen im Kulturbetrieb überwinden. Müssten Sie es da nicht begrüßen, wenn ein Journalist wie Ulf Poschardt Begriffe aufgreift, die vor allem mit dem Umfeld von Schnellroda und dem österreichischen Aktivisten Martin Sellner verbunden werden? Während manche in ihm inzwischen einen Verbündeten sehen, halten Sie seinen Kurswechsel für opportunistisch. Was müsste er tun, damit Sie ihm abnehmen, dass er es ernst meint?
Wissen Sie, er muss gar nicht so denken wie ich. Das verlange ich von niemandem. Aber er könnte das Potenzial erkennen und etwas dazu beitragen. Wenn er gesagt hätte, er wolle auf der Buchmesse „Seitenwechsel“ seine Bücher vorstellen, hätte ich geantwortet: Wunderbar, machen Sie das. Nur kommt das nicht. Er hatte einmal angefragt, ob er sein Buch „Shitbürgertum“ bei mir im Kulturhaus vorstellen könne, allerdings zu seinen Bedingungen und an seinem Wunschtermin. Da wir an diesem Tag bereits eine andere Veranstaltung hatten, habe ich ihm Alternativen angeboten.
Und dann?
Ich habe nichts mehr von ihm gehört. Da dachte ich: Offenbar steht die Eitelkeit doch über allem. Nach dem Motto: Jetzt mache ich schon einen Schritt auf sie zu, und dann hat sie keine Zeit. Dabei wäre es ganz einfach gewesen, seinem Verleger vorzuschlagen, die Messe auszuprobieren. Harald Martenstein kommt, Henryk M. Broder ebenfalls, Monika Maron liest bei uns. Damit zeigen wir, dass wir satisfaktionsfähig sind.
Sie trauen Poschardt also nicht über den Weg?
Nein. Für mich ist er ein typischer Wendehals, der jetzt auf diesen Zug aufspringen möchte. Ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie er mit Matthias Matussek umgegangen ist, der mit seinen Erkenntnissen einfach früher dran war. Das ist das Schicksal der Kassandra-Rufer: Sie schlagen eine Schneise, aber später stehen andere in den Geschichtsbüchern – diejenigen, die mit dem Rückenwind der Veränderung nachrücken.
Poschardt steht in diesem Jahr also nicht im Programm, dafür zahlreiche andere bekannte Autoren und Journalisten. Welche Perspektiven fehlen Ihnen noch, gerade mit Blick auf die Kritik, linke Verlage und Stimmen seien zu wenig vertreten?
Mit Ahriman ist ein Verlag vertreten, der dem altlinken Spektrum zuzuordnen ist. Hinzu kommen der Kulturkreis Pankow und das Forum für unerhörte Gedanken um Ulrike Guérot, die sich ebenfalls eher links verorten. Diese Unterschiedlichkeit entdeckt man allerdings nur, wenn man über die lautstarken Teilnehmer hinausschaut. Und das trifft auch auf unser Programm zu, das vom Kinderbuch bis zur Lyrik reicht, ergänzt durch den Kunstmarkt. Besonders freue ich mich auf Martina Rellin, eine Heldin meiner Jugend, die eine Schreibwerkstatt anbietet. Viele unserer Besucher schreiben schließlich selbst. Wer das gesamte Programm durchgeht, wird weit mehr entdecken als die bekannten politischen Stimmen.
Susanne Dagen: „Ich trage schließlich Verantwortung für 149 andere Aussteller“
© Benjamin Pritzkuleit/Berliner Zeitung
Der Verlag Antaios diskutiert unter dem Titel „Realpolitik und Volkspartei“ die politischen Möglichkeiten der AfD. Wie gehen Sie mit dem Spannungsverhältnis um, einer Partei Raum zu geben und zugleich die Unabhängigkeit Ihrer Messe zu wahren?
Das ist nicht immer einfach. Wir geben politischen Inhalten Raum, deren Existenz der AfD häufig abgesprochen wird. Insofern leisten wir auch Vorfeldarbeit. Zugleich will ich nicht, dass die Messe von einer Partei vereinnahmt wird. Ich trage schließlich Verantwortung für 149 andere Aussteller. Tino Chrupalla und Hans-Thomas Tillschneider sind deshalb als Autoren zu Gast, nicht als Parteivertreter.
Ich begrüße, dass Götz Kubitschek das Thema auf unserer Messe aufgreift. Er hadert seit Jahren mit den Zwängen der Parteipolitik. Dahinter stehen grundsätzliche Fragen: Brauchen wir diesen Parteienstaat noch? Könnte Politik anders funktionieren? Solche Überlegungen gehören auch zwischen zwei Buchdeckel. Diese Spannung kenne ich selbst. Ich bin kulturpolitische Sprecherin der AfD-Stadtratsfraktion, möchte aber keiner Partei beitreten. Ich will keine Zügel, die je nach Situation angezogen oder gelockert werden. Zugleich braucht es Parteien, um politisch etwas zu verändern. Das ist ein Dilemma. Am Ende müssen Sie sich entscheiden, ob Sie Avantgarde oder Parteipolitiker sein wollen.
Welches Buch würden Sie einem Besucher empfehlen, der sagt: „Ich möchte dieses Wochenende einmal nichts über den Niedergang Deutschlands hören“?
„Die letzten Europäer“ von Bernd Wagner. Es versammelt literarische Kurzbiografien von Künstlern, Schriftstellern und anderen Persönlichkeiten, die noch in der Kaiserzeit geboren wurden und eine Welt erlebt haben, die es so nicht mehr gibt. Man kann das wehmütig lesen, aber auch als nachgeholte Erinnerung: Worauf fußen wir? Was darf nicht verschwinden? Und welche Verantwortung trägt jeder Einzelne dafür?
Es ist momentan so viel möglich, man muss es nur anpacken. Permanente Gesprächskreise, gegenseitige Selbstversicherung, Trotzreaktionen und Kulturpessimismus haben wenig mit mir zu tun. Ich möchte ein aktives Leben vorleben. Das ist in den vergangenen Jahren politischer geworden, sicherlich. Aber neben der politischen Susanne Dagen gibt es auch den Menschen, der keine Projektionsfläche ist, sondern ein ganz normaler Mensch.
Casanovas zweite Heimat Dresden: Warum ihn nicht nur die Liebe an die Elbe zog
Die Buchmessen in Leipzig und Frankfurt genießen jedes Jahr große mediale Aufmerksamkeit, oft begleitet von wohlwollender Berichterstattung. Rechnen Sie damit, dass auch „Seitenwechsel“ bei der zweiten Ausgabe differenzierter betrachtet wird?
Ich halte das durchaus für möglich. Allerdings sind wir auf das Wohlwollen der etablierten Medien auch weniger angewiesen als früher. Ihnen steht inzwischen eine Vielzahl alternativer Medien gegenüber, die zwar nicht dieselbe Reichweite haben, aber genau die Menschen erreichen, die wir ansprechen wollen. Die etablierten Medien halten sich dieses Jahr ohnehin auffällig zurück. Ich habe etwas kokett gefragt: Warum muss ich diesmal überall hinfahren, Werbung machen und Interviews geben? Im vergangenen Jahr haben uns die kritischen Berichte samt ihrer Zuschreibungen viel Aufmerksamkeit verschafft. Offenbar hat man daraus gelernt.
Ich sage immer: Es gibt keine schlechte Werbung. Ich vertraue auf mündige Besucher, die sich sagen: Jetzt wurde so viel darüber geredet, jetzt schaue ich mir das selbst an. Auch negative Berichterstattung kann Menschen neugierig machen. Entscheidend ist deshalb für mich weniger, ob die Berichterstattung wohlwollender wird, sondern dass die etablierten Medien nicht mehr allein bestimmen, was Menschen wahrnehmen und wie sie es bewerten.
Was hat sich im letzten Jahr bewährt und was ist in diesem Jahr neu?
Weil die neuen Aussteller sich ebenfalls mit Veranstaltungen präsentieren möchten, bauen wir nun einen zusätzlichen Raum in Halle 1 ein. Insgesamt bespielen wir dieses Jahr somit zwei Hallen, 5 Veranstaltungsräume und eine große Bühne. Das ist ein großer Schritt. Außerdem wird es vor der großen Bühne mehr Sitzplätze geben. Und wir haben bei der Gastronomie erheblich aufgerüstet. Das war im vergangenen Jahr ein großer Kritikpunkt, hatte allerdings auch seinen Grund.
Was war passiert?
Ich sage immer: Ich rechne mit allem und weiß gleichzeitig nichts. Denn ich habe tatsächlich nicht damit gerechnet, dass ein Boykott der Angestellten den Gastronomiebetrieb lahmlegen würde. Ein Großteil der Besucher war verständnisvoll, aber nochmal können wir den Besuchern so etwas nicht zumuten. Inzwischen haben wir so viele gastronomische Anfragen erhalten, dass man bei uns eine kulinarische Weltreise machen kann – vom Quarkkäulchen bis zur Thüringer Rostbratwurst.
Welchen Ihrer Kritiker würden Sie gern selbst über die Messe führen?
Spontan fällt mir niemand ein. Außerdem bin ich keine Frühstücksdirektorin. Ich habe auf dieser Messe verdammt viel zu tun.
Auch ohne Führung: Wessen Besuch würde Sie besonders freuen?
Vielleicht bin ich schon zu desillusioniert, aber mir fällt niemand ein. Ich bin keine Missionarin. Ich möchte durch das überzeugen, was ich tue, und anderen ein Vorbild sein. Wenn jemand sagt: „Ich kann Dagen nicht leiden, aber was sie auf die Beine stellt, nötigt mir Respekt ab“, ist das doch etwas. Mir geht es nicht darum, geliebt zu werden. Vom Wunsch, allen zu gefallen, muss man sich lösen. Erst dann ist man frei.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]