Bundespolitik

Bundestag stimmt für höhere Tabaksteuer: So teuer werden Zigaretten bis 2030

Der Bundestag hat höhere Tabaksteuern beschlossen. Zigaretten sollen bis 2030 teurer werden. Doch Kritiker warnen vor dem Schwarzmarkt.

4 Min
Der Bundestag hat am Donnerstag die höhere Tabaksteuer beschlossen.

Der Bundestag hat am Donnerstag die höhere Tabaksteuer beschlossen.

© Burkhard Schubert/Future Image/imago

Der Bundestag hat in der Nacht zu Freitag eine schrittweise Erhöhung der Tabaksteuer beschlossen. Eine durchschnittliche 20er-Packung kostet heute gut 8 Euro. Bis 2030 soll der Preis auf knapp 12 Euro steigen, Markenzigaretten könnten den Berechnungen zufolge sogar bis zu 14 Euro kosten.

Beschlossen wurde das Gesetz am späten Donnerstagabend mit den Stimmen der Koalition aus Union und SPD. Teurer werden auch Feinschnitt, Zigarren, Shisha-Tabak und Liquids für E-Zigaretten.

Wie teuer werden Zigaretten bis 2030?

Die Erhöhung kommt nicht auf einen Schlag, sondern in Etappen ab 2027. Da die Steuer an die Kundschaft weitergereicht wird, ziehen die Preise schrittweise mit. Für eine durchschnittliche 20er-Packung zeichnet sich nach den dem Gesetz zugrunde liegenden Berechnungen dieser Verlauf ab:

So steigen die Preise für eine 20er Schachtel Zigaretten:

  • Aktuell: 8,05 Euro
  • Ab 2027: 9,10 Euro
  • Ab 2028: 9,91 Euro
  • Ab 2029: 10,81 Euro
  • Ab 2030: 11,78 Euro

Markenzigaretten liegen heute knapp unter 10 Euro. Bis 2030 könnten sie bis zu 14 Euro kosten.

Auch Selbstdreher zahlen mehr

Wer zum Selbstdrehen greift, kommt ebenfalls nicht günstiger davon. Der Preisabstand zwischen Feinschnitt und fertiger Schachtel soll kleiner werden. Eine 30-Gramm-Packung Feinschnitt kostet derzeit zwischen 6 und 8 Euro. Ab 2027 sollen es rund 8 Euro sein, bis 2030 etwa 12 Euro.

Auch Zigarren, Zigarillos und Wasserpfeifen-Tabak werden teurer. Hier fällt der Aufschlag aber geringer aus als zwischenzeitlich im Verfahren erwogen.

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Welche Einnahmen der Bund mit der Tabaksteuer erwartet

Die Bundesregierung begründet die höhere Tabaksteuer mit knappen Kassen und dem Schutz der Gesundheit. Im vergangenen Jahr nahm der Staat 17,6 Milliarden Euro über die Tabaksteuer ein.

Durch die Novelle erhofft sich der Bund binnen vier Jahren rund 12 Milliarden Euro zusätzlich. 2027 sollen es 1,5 Milliarden Euro mehr sein, 2030 bereits 4,5 Milliarden Euro.

Den Gesetzentwurf hatte die Regierung bereits im Juli auf den Weg gebracht. Union und SPD legten über einen Änderungsantrag nach und hoben die Steuer stärker an als ursprünglich geplant.

Warum die Branche vor dem Schwarzmarkt warnt

Ob die erhofften Milliarden tatsächlich fließen, ist umstritten. Die Tabakbranche bezweifelt die Prognosen und fürchtet, dass Raucher auf illegale Ware ausweichen.

Jan Mücke vom Bundesverband der Tabakwirtschaft und neuartiger Erzeugnisse (BVTE) rechnet nach eigenen Angaben damit, dass viele Verbraucher in den Schwarzmarkt abwandern oder im EU-Ausland einkaufen. Er verweist auf eine Studie des Beratungsunternehmens DIW Econ, die vergleichbare Steuererhöhungen in anderen EU-Staaten untersucht und daraus Schwarzmarkt-Effekte für Deutschland abgeleitet habe.

Auch in der Union gab es Bedenken. Der CDU-Abgeordnete Carsten Brodesser hatte für moderatere Schritte plädiert. Durchsetzen konnte er sich nicht – zwei Abgeordnete der CDU/CSU-Fraktion stimmten gegen das Gesetz. Das Bundesfinanzministerium hält dagegen, dass es für ein Ausweichen auf den illegalen Markt keine unabhängigen empirischen Daten gebe. Der Zoll gehe mit Kontrollen gegen illegalen Handel vor.

Wie viele Menschen in Deutschland rauchen

Befürworter setzen auf die abschreckende Wirkung hoher Preise. „Eine Tabaksteuererhöhung ist die wirksamste einzelne Maßnahme, um Menschen zum Nichtrauchen zu motivieren“, sagt Katrin Schaller vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ). Bei gestärkten Kontrollen und einem besser ausgestatteten Zoll sei der Schwarzmarkt beherrschbar.

Rauchen bleibt ein Massenphänomen. Laut Mikrozensus 2025 greifen 19 Prozent der Menschen ab 15 Jahren zur Zigarette, 14 Prozent regelmäßig und 5 Prozent gelegentlich. Die gesundheitlichen Folgen sind erheblich. Nach Angaben des Deutschen Krebsforschungszentrums starben 2023 rund 131.000 Menschen an den Folgen tabakbedingter Erkrankungen.

Endgültig abgeschlossen ist das Verfahren noch nicht. Am Freitag befasst sich der Bundesrat mit der Novelle. Die Länderkammer könnte Einspruch einlegen, Anzeichen dafür gibt es bisher nicht.

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