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Tankrabatt endet um Mitternacht: Spritpreise springen schon jetzt – Schlangen an Zapfsäulen

Bereits vor dem Auslaufen der Steuerermäßigung steigen die Preise an Diesel und Benzin deutlich. Der ADAC kritisiert die Erhöhungen, Tankstellen rechnen mit mehr Ansturm.

5 Min
Am Dienstag sorgt das Auslaufen des Tankrabatts für einen Ansturm auf die Tankstellen, doch bereits jetzt springen die Preise.

Am Dienstag sorgt das Auslaufen des Tankrabatts für einen Ansturm auf die Tankstellen, doch bereits jetzt springen die Preise.

© Markus van Offern (mvo)/Imago

Noch bis Mitternacht gilt der Tankrabatt – doch an den Zapfsäulen wird es schon jetzt spürbar teurer. Zur Mittagszeit am Dienstag, dem letzten Tag der Steuerermäßigung, schnellten die Preise bundesweit nach oben. Autofahrer reagierten mit Hamstertanken um Geld zu sparen, vielerorts bildeten sich Schlangen. Die Politik streitet derweil über die richtige Antwort auf die zu erwartenden Preissprünge ab dem 1. Juli.

In Blankenburg stehen Autos vor einer Tankstelle Schlange.

In Blankenburg stehen Autos vor einer Tankstelle Schlange.

© Matthias Bein/dpa

Mittagssprung am Dienstag fast auf Rekordniveau

Beim Diesel ging es im bundesweiten Durchschnitt um 24 Cent pro Liter nach oben, bei E10 um 20,3 Cent – Werte, die nur knapp unter den bisherigen Rekordsprüngen liegen. Tankstellen dürfen ihre Preise seit der Einführung der sogenannten 12-Uhr-Regel im April nur einmal täglich zur Mittagszeit anheben. Um 12.15 Uhr war E10 damit bereits um 3,3 Cent teurer als zur selben Zeit am Vortag, Diesel um 3,5 Cent.

Schon in den Tagen zuvor hatten die Preise spürbar angezogen. Im bundesweiten Tagesdurchschnitt des Montags kostete Super E10 pro Liter 1,861 Euro – 1,6 Cent mehr als am Sonntag. Diesel verteuerte sich sogar um 1,9 Cent auf 1,784 Euro pro Liter. Für beide Kraftstoffe war es bereits der sechste Anstieg in Folge. Seit vergangenem Dienstag ist E10 damit um 4,4 Cent teurer geworden, Diesel um 5,3 Cent pro Liter – und das, obwohl der Rohölpreis im selben Zeitraum sogar ein Stück nachgegeben hat.

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ADAC kritisiert Ölkonzerne: Anstieg ist „nicht gerechtfertigt“

Der Verkehrsclub ADAC sieht die aktuelle Preisentwicklung kritisch. „Der aktuelle Anstieg der Kraftstoffpreise ist aus Sicht des ADAC nicht gerechtfertigt“, heißt es vom Verband. Der Rohölpreis steige derzeit nicht, daher bestätige sich die Vermutung, dass die Mineralölkonzerne die bevorstehende Steuerhöhung bereits vor dem Ende des Tankrabatts einpreisten.

Tatsächlich liegt der Preis für ein Barrel Rohöl der Sorte Brent derzeit bei etwas mehr als 72 US-Dollar und nähert sich damit wieder dem Niveau vor Beginn des Iran-Kriegs an. Der Tankrabatt war Anfang Mai eingeführt worden, um die infolge des Krieges gestiegenen Kraftstoffkosten auszugleichen. Für ihn wurden die Steuern auf Benzin und Diesel um 16,7 Cent pro Liter gesenkt. Die Tankstellen sind nicht verpflichtet, diese Senkung weiterzugeben – die Branchenverbände en2x und bft haben zuletzt aber stets betont, dass dies erfolgt sei. Die Monopolkommission und das Ifo-Institut sahen in Untersuchungen allerdings Defizite bei der Weitergabe.

Ungewöhnlich große Unterschiede zwischen Tankstellen

Auffällig sind derzeit ungewöhnlich große Unterschiede zwischen den einzelnen Stationen. Teilweise fielen die Mittagssprünge im Vergleich zu den Vortagen relativ normal aus, teilweise waren sie sehr viel höher. Für Autofahrer lohnt sich vor dem endgültigen Ende des Rabatts also ein besonders genauer Preisvergleich.

Da die Preise seit Einführung der 12-Uhr-Regel erfahrungsgemäß mittags deutlich steigen, davor im Tagesverlauf aber am niedrigsten sind, nutzten viele Autofahrer die Chance, noch einmal vergleichsweise günstig zu tanken. Bereits am späten Vormittag wurden vielerorts Schlangen an Tankstellen beobachtet. Am Mittwoch-Mittag dürfte der Sprung an den Zapfsäulen noch einmal deutlich kräftiger ausfallen.

Branche rechnet mit weiterem Ansturm auf Zapfsäulen

Der Bundesverband Freier Tankstellen (bft) rechnet vor dem Stichtag mit einem starken Andrang. Man erwarte am Dienstag und bis 12.00 Uhr am Mittwoch einen Ansturm auf die Tankstellen, sagte bft-Hauptgeschäftsführer Daniel Kaddik laut der Nachrichtenagentur AFP. Die Stationen würden zwar nicht leerlaufen, die Bestände seien zum Ende des Tankrabatts aber „schon relativ niedrig“.

Kritik äußerte der bft-Vorsitzende Carsten Müller am Zusammenspiel mit dem seit April geltenden Österreich-Modell, wonach die Tankstellen die Preise nur einmal täglich, nämlich mittags, erhöhen dürfen. Ab dem 1. Juli um 0.00 Uhr müssten die Tankstellen wieder die höheren Steuersätze zahlen, könnten die Preise aber erst zwölf Stunden später anheben. „Wer trägt denn diese Differenz zwischen 00.00 und 12.00 Uhr? Natürlich wieder mal die Tankstellen-Branche, wieder mal der Tankstellen-Mittelstand“, sagte Müller. Er forderte einen steuerlichen Bestandsausgleich oder einen grundsätzlichen Resilienzmechanismus für solche Eingriffe.

Schwesig fordert Preisdeckel nach Luxemburger Vorbild

Aus der Politik kommen unterdessen Forderungen nach neuen Instrumenten gegen hohe Spritpreise. Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) sprach sich für die Einführung eines staatlichen Preisdeckels nach dem Vorbild Luxemburgs aus. Dort legt das Wirtschaftsministerium Höchstpreise für Benzin, Diesel und Heizöl fest, die in der Regel zweimal monatlich angepasst werden.

„Wenn die Bundesregierung den Tankrabatt auslaufen lässt, dann erwarte ich, dass der Bundeskanzler mit den Mineralölkonzernen darüber spricht, dass die Benzinpreise nicht wieder ansteigen“, sagte die SPD-Politikerin den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Zudem brauche es eine Steuerreform, die kleine und mittlere Einkommen entlaste. Die schwarz-roten Koalitionsfraktionen wollen die Steuererleichterung indes nicht über das geplante Ende im Juni hinaus verlängern.

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