Thorsten Frei hat sich bei „Markus Lanz“ demonstrativ vor Friedrich Merz gestellt. Der Unions-Fraktionschef war am Dienstagabend in der ZDF-Talkshow zu Gast – und geriet dort schnell ins Kreuzfeuer.
Der Journalist Michael Bröcker (Politico) und die Juristin Frauke Brosius-Gersdorf setzten dem CDU-Politiker hart zu. Frei nannte die Umfragewerte des Kanzlers „schrecklich“, wies Spekulationen über einen Rückzug von Merz aber entschieden zurück.
„Merz hat nie an Rückzug gedacht“: Frei bei Markus Lanz
Auf die Frage, ob Merz jemals über einen Rückzug nachgedacht habe, antwortete Frei knapp mit „Nein“. Ein solcher Schritt sei nie ein Thema gewesen, sagte der CDU-Politiker in der Sendung.
Bis Juli war er als Kanzleramtschef die engste Stütze von Merz, inzwischen führt er die Unionsfraktion im Bundestag. Seine Nachfolgerin im Kanzleramt ist Nina Warken.
Auch die seit Monaten kursierenden Gerüchte über eine Ablösung des Kanzlers wies er zurück: „Ich kenne niemand Ernstzunehmenden, der so etwas diskutiert.“
Warum die Umfragewerte für die CDU „schrecklich“ sind
Dass die Lage angespannt ist, bestritt Frei nicht. Die Umfragewerte für die Kanzlerpartei seien „schrecklich“ und entsprächen nicht ihrem Selbstverständnis, räumte er ein.
Trotzdem sei die CDU nach wie vor die erfolgreichste christdemokratische Partei Europas. Man regiere aber in „extrem schwierigen Zeiten“, geprägt vom Krieg in der Ukraine, von Reformstau und schwachem Wirtschaftswachstum.
Wie unbeliebt die Regierung ist, zeigt das Trendbarometer von ntv und RTL: Darin waren zuletzt 85 Prozent der Befragten mit der Arbeit des Bundeskanzlers unzufrieden, nur 13 Prozent zufrieden. Die Zahlen stammen vom Forsa-Institut.
„Da hätte man Angela Merkel öffentlich gegrillt“
Den schärfsten Vergleich lieferte der Journalist Bröcker. Werte wie 12 Prozent Zustimmung in der Bevölkerung und 20 Prozent in Umfragen kurz vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, „das sind Werte, da hätte man Angela Merkel öffentlich gegrillt.“
Moderator Lanz erinnerte daran, dass selbst der wenig populäre Amtsvorgänger Olaf Scholz bessere Werte hatte: Ihm hätten immerhin 23 Prozent gute Arbeit bescheinigt.
Streit mit Brosius-Gersdorf – und eine Art Entschuldigung
Auch mit Frauke Brosius-Gersdorf hatte es Frei nicht leicht. Der CDU-Politiker näherte sich einer Entschuldigung an: „Dass Ihnen im vergangenen Sommer auch Unrecht widerfahren ist, das ist völlig unbestritten aus meiner Sicht.“
Die Juristin war 2025 auf Vorschlag der SPD als Bundesverfassungsrichterin nominiert worden, scheiterte aber am Widerstand der Union. Eine Rolle spielten dabei vor allem ihre Positionen zum Abtreibungsrecht.
Brosius-Gersdorf sprach von einer „Politisierung der Richterwahl“ und warf der Union vor, sich von rechtsnationalen Kampagnen treiben zu lassen. Die Ausgrenzung gewählter Parteien registriere die Bevölkerung: „Das nimmt die Bevölkerung übel.“
Was jetzt ansteht – die Reformen im Herbst
Entscheidend ist aus Sicht von Frei, ob die schwarz-rote Koalition im Herbst ihre Reformen durchbringt. Die Vorschläge der Rentenkommission nannte er „bahnbrechend“, die geplante Reform ein „Jahrhundertprojekt“ und einen Kompromiss zwischen den Generationen.
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Widerstand gibt es dabei in der eigenen Partei, vor allem beim geplanten Aus für die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren.
Parallel versucht Merz, sein Kabinett bei einer Klausurtagung in Neuhardenberg auf ein hohes Reformtempo einzuschwören. Kanzleramtschefin Warken zeigte sich in den ARD-„Tagesthemen“ zuversichtlich, dass die Rentenreform sowie die Reformen von Pflegeversicherung und Arbeitszeitgesetz noch in diesem Jahr auf den Weg kommen.
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