Die Wanderausstellung „trotzdem da!“ im Museum Zwangsarbeit in Weimar widmet sich Menschen, deren Eltern sich in der NS-Zeit nicht nahekommen durften: Deutsche auf der einen, Kriegsgefangene oder Zwangsarbeiter auf der anderen Seite. Das Ausstellungsteam hat mehr als 20 dieser Kinder in Deutschland, Österreich und den Niederlanden ausfindig gemacht, wie das Museum Zwangsarbeit im Nationalsozialismus mitteilte. Die Eröffnung ist am Dienstag, 3. November, um 16 Uhr am Jorge-Semprún-Platz 2 in Weimar.
Rund 13 Millionen Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter mussten im Zweiten Weltkrieg im Deutschen Reich arbeiten. Freundschaftliche oder intime Kontakte zu Deutschen waren unerwünscht oder verboten; die Strafen reichten von Gefängnis über die Einweisung in ein Konzentrationslager bis zur Todesstrafe. Viele Kinder aus solchen Beziehungen erfuhren lange nicht, dass ein Elternteil Kriegsgefangener oder Zwangsarbeiter gewesen war. Sie galten als unehelich, wurden rassistisch beleidigt, und viele suchten jahrzehntelang nach dem unbekannten Vater oder der Mutter. Die Ausstellung zeigt ihre Lebensgeschichten und die Verfolgungsgeschichten ihrer Eltern; sie geht auf ein Forschungsprojekt der Gedenkstätte Lager Sandbostel in Niedersachsen zurück.
Ton Maas bringt die Tagebücher seines Vaters nach Weimar
Ton Maas, 1956 in Eindhoven geboren, ist einer der Porträtierten und hält zur Eröffnung ein Grußwort. Sein Vater Kees Maas wurde 1943 mit 20 Jahren aus den Niederlanden nach Berlin verschleppt und musste bei Telefunken arbeiten. Dort lernte er die 25 Jahre alte Martha Kopka aus Schlesien kennen. Als die Beziehung auffiel, wurde sie im Juni 1944 in ein Außenlager des KZ Groß-Rosen in Reichenbach, dem heutigen Dzierżoniów, versetzt; die beiden trafen sich heimlich weiter.
Im Mai 1945 sprang Kees Maas zwischen Erfurt und Weimar vom Zug, der befreite Zwangsarbeiter in die Niederlande brachte, und fand Martha in Ichstedt am Kyffhäuser. Die beiden heirateten, 1947 folgte sie ihm mit der Tochter Erika nach Eindhoven. Mit den Kindern sprachen die Eltern kaum über diese Zeit. Erst nach dem Tod des Vaters fanden Ton und Erika Maas eine Zigarrenkiste mit Tagebüchern sowie Briefe und Fotos aus den Berliner Jahren von März 1943 bis April 1945. Diese Originale bringt Ton Maas nach Weimar mit.
Zur Eröffnung sprechen neben ihm die Kuratoren Gwendoline Cicottini und Andreas Ehresmann sowie Museumsleiter Daniel Logemann; anschließend führen die Kuratoren durch die Ausstellung. Weitere Porträtierte werden ebenfalls erwartet.
Begleitprogramm mit Lesung und Führungen bis Januar 2027
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Am 19. November um 18.30 Uhr lesen Autorin Monika Dittombée und Projektteilnehmer Jack-Peter Kurbjuweit aus „Schattenschicksale. Lebenswege der Kriegskinder aus Verbotenen Beziehungen“. Am 3. Dezember um 18.30 Uhr sprechen Gwendoline Cicottini und Michael Löffelsender von der Gedenkstätte Buchenwald über „Verbotene Liebe in Zeiten des Krieges“. Kuratorinnenführungen mit Cicottini gibt es am 28. November und am 16. Januar 2027, jeweils 11 Uhr. Die Ausstellung ist vom 4. November bis 17. Januar 2027 zu sehen, Dienstag bis Sonntag und an Feiertagen von 10 bis 18 Uhr; vom 24. bis 26. Dezember, am 31. Dezember und am 1. Januar bleibt das Museum geschlossen. Der Eintritt kostet fünf Euro, ermäßigt drei Euro, am ersten Freitag im Monat ist er frei; Eröffnung, Lesung und Gespräch sind kostenlos, die Führungen kosten sieben Euro, ermäßigt drei Euro, inklusive Museumseintritt.
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