BERLIN. Die Deutsche Bahn will ihre Tochter DB Mobility Logistics im November an die Börse bringen. Wie aus dem Umkreis des Bahn-Aufsichtsrates verlautete, sei als Zeitpunkt für die Erstnotiz der Aktie der 5. November vorgesehen. Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) bestätigte gestern, dass der Börsengang der Bahn im November erfolgen solle, nannte aber keinen konkreten Termin.Bei dem Börsengang sollen bis zu 24,9 Prozent des Personenverkehrs und der Logistiksparte verkauft werden, vorrangig an private Investoren. Wie berichtet hatte unter anderem die russische Staatsbahn Interesse am Kauf von Bahnanteilen geäußert. Auch Kleinaktionäre sollen Bahnaktien zeichnen können, wenn auch in geringem Maße. Zudem ist die Ausgabe von Mitarbeiteraktien im Gespräch. Der Bundestag will die Teilprivatisierung am Freitag mit einer Entschließung auf den Weg bringen. Der Bund erhofft sich bis zu acht Milliarden Euro aus dem Börsengang.Die Bahn kündigte gestern zudem an, Korruption im eigenen Unternehmen künftig stärker zu bekämpfen und baut die dafür zuständige Sparte Compliance weiter aus. "Korruption ist ein Fakt, es gibt sie überall", sagte Bahnchef Hartmut Mehdorn gestern. Bei der Bahn gelte aber die Devise: "Bei Korruption gibt es null Toleranz." Künftig soll sich ein Team aus 28 Mitarbeitern mit der Verfolgung von Korruptionshinweisen und vorbeugenden Maßnahmen beschäftigen. Das sind knapp dreimal so viele wie bisher. Die Anti-Korruptionsabteilung soll erstmals auch über die Landesgrenzen hinweg arbeiten. Jeder fünfte Mitarbeiter der Bahn arbeite inzwischen außerhalb Deutschlands, erklärte Mehdorn. Deshalb sei es nötig, die Aufklärungsabteilung internationaler zu machen.Geführt wird das Team seit einem Jahr von dem renommierten Korruptionsbekämpfer und langjährigen Korruptionsbeauftragten der Frankfurter Staatsanwaltschaft, Wolfgang Schaupensteiner. Er lobte gestern das konsequente Vorgehen der Bahn gegen Schmiergeldzahlungen. Bereits seit dem Jahr 2000 gebe es eine Ombudsabteilung, die sich mit der Korruption beschäftige. Schaupensteiners Team werde eng mit den Ombudsleuten der Bahn zusammenarbeiten. Über das Internet sollen sowohl Mitarbeiter der Bahn als auch Außenstehende rund um die Uhr anonyme Hinweise an die Anti-Korruptionsbeauftragten geben können.Scheinrechnung kostet MillionenWie aus dem gestern ebenfalls vorgestellten Anti-Korruptionsbericht der Bahn hervorgeht, wurde 2006 und 2007 insgesamt rund 100 Hinweisen auf Korruption nachgegangen. In 24 Fällen seien staatsanwaltschaftliche Ermittlungsverfahren veranlasst worden. Seit dem Jahr 2000 seien damit insgesamt 322 Hinweise abschließend bearbeitet worden. Ein Verfahren endete 2007 mit einem Schuldspruch für einen Mitarbeiter, der über Scheinfirmen Scheinrechnungen über 2,4 Millionen Euro an die Bahn gestellt und davon die Hälfte in die eigene Tasche gesteckt hatte. Er sei durch exorbitant hohe Telefonabrechnungen für Dienstgespräche und den Bau einer Luxusvilla auffällig geworden und erhielt eine siebenjährige Haftstrafe. Nach Angaben Schaupensteiners kommen nur fünf von 100 Korruptionsfällen ans Licht.------------------------------Foto: Schienenbauarbeiten: Bei der Auftragsvergabe droht Korruption.
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