BERLIN. Der Einsatz zweier BND-Agenten während des Irak-Kriegs im Jahr 2003 in Bagdad hatte für die damalige rot-grüne Bundesregierung höchste Priorität. Ein so großes Interesse von Vertretern der Regierung am Bundesnachrichtendienst habe er noch nie zuvor erlebt, sagte ein Ex-Abteilungsleiter des Geheimdienstes gestern vor dem Untersuchungsausschuss des Bundestags. Das Gremium soll untersuchen, ob unter den in Bagdad gesammelten Nachrichten, die an das Kriegshauptquartier des US-Militärs in Katar weitergegeben wurden, kriegswichtige Informationen waren. Die Opposition sieht Anhaltspunkte dafür, darf aber aufgrund der rigiden Geheimhaltungsvorschriften keine Details nennen.Ludwig Mundt, damals Leiter der BND-Abteilung 1 (Operative Beschaffung), sagte, der Einsatz der Agenten in Bagdad sei im "Einklang mit den politischen Rahmenbedingungen" erfolgt. Damals habe die Bundesregierung einen ständigen Sitz in UN-Sicherheitsrat angestrebt, und auch dafür sei es wichtig gewesen, sich ein eigenes Bild von der Lage im Irak machen zu können. Der Dienst habe den Anspruch gehabt, eine wichtigere Rolle als in der Vergangenheit einzunehmen. "Früher sind wir weggelaufen, als andere noch dageblieben sind", sagte Mundt. Zudem habe man Sorge gehabt, dass die Regierung wegen der Ablehnung des Irak-Kriegs vom Informationsfluss der US-Dienste abgeschnitten werde. So habe man entschieden, die Agenten auch während des Krieges im Frühjahr 2003 in Bagdad zu belassen.Auch militärische StellungenDer Einsatz wurde allerdings eng mit den Amerikanern abgestimmt. Der BND sei auf die Hilfe der US-Dienste angewiesen gewesen, um die BND-Mitarbeiter im Notfall retten zu können, erklärte Mundt. Die Amerikaner hätten sich zur Nothilfe bereiterklärt, aber zur Bedingung gemacht, dass sie die Informationen aus Bagdad ebenfalls bekämen.Unter den vom BND in Pullach weitergeleiteten Meldungen aus Bagdad waren auch Beschreibungen militärischer Stellungen. Diese seien aber nicht kriegsrelevant gewesen, so der Zeuge. Die USA hätten auch keinen direkten Kontakt zu den BND-Agenten aufnehmen können. Das sei eine Vorsichtsmaßnahme gewesen, um die Mitarbeiter zu schützen. "Es war klar, dass wir keine Zieldaten liefern durften", sagte Mundt. Hätten die Männer gezielt Aufklärung für die USA betrieben und die Iraker das gemerkt, "dann wäre der Kopf sofort ab gewesen".
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