Ein Tanker ist vor der Küste Katars von mehreren Geschossen getroffen worden. Nach Angaben der britischen Schifffahrtsstelle UKMTO wurden Opfer an Bord gemeldet. Wie viele Menschen betroffen sind und ob es Tote oder Verletzte gab, blieb zunächst offen. Unterdessen bereitet sich das US-Militär einem Medienbericht zufolge auf mögliche neue Großangriffe gegen Iran vor.
Der Tanker wurde am Mittwochabend etwa 94 Kilometer nördlich von Madinat asch-Schamal an der Nordspitze Katars angegriffen. Die Behörden untersuchen den Vorfall. UKMTO nannte weder den Namen des Schiffes noch einen Verantwortlichen für den Angriff.
Nach Angaben von Bloomberg handelt es sich um den ersten gemeldeten Angriff auf einen Tanker tief im Persischen Golf seit etwa einem Monat. Zuletzt war am 9. September ein Schiff südöstlich der irakischen Hafenstadt Al-Faw getroffen worden. Die meisten seither gemeldeten Angriffe konzentrierten sich auf die Straße von Hormus und deren Umgebung.
Tankerangriffe erreichen Höchststand
Auch in der Meerenge hat sich die Lage verschärft. Zwischen dem 28. September und dem 5. Oktober wurden nach Informationen von Reuters mindestens zwölf Angriffe auf Öl-, Flüssigerdgas- und Flüssiggastanker im Bereich der Straße von Hormus registriert. Die Nachrichtenagentur beruft sich auf drei Quellen aus der maritimen Sicherheitsbranche. Demnach war es die höchste Zahl innerhalb einer Woche seit Beginn des Krieges am 28. Februar.
Die Internationale Seeschifffahrtsorganisation IMO erfasste für denselben Zeitraum neun Vorfälle. Nach Angaben der von Reuters befragten Quellen benötigt die UN-Organisation häufig länger, um Meldungen zu überprüfen und offiziell zu registrieren.
Das von der US-Marine geführte maritime Informationszentrum JMIC berichtete zudem von Angriffsversuchen, Drohnenüberflügen, Überwachung und Funkansprachen durch die iranischen Revolutionsgarden. Diese Aktivitäten zeigten Irans Absicht, entlang wichtiger Schifffahrtsrouten Präsenz zu demonstrieren und Druck auf vorbeifahrende Schiffe auszuüben.
Schiffe ankern vor Khasab im Oman nahe der Straße von Hormus.
© AFP
Angriffe gefährden steigende Exporte
Die Angriffe treffen auf wieder steigende Exporte der Golfstaaten. Deren Rohölausfuhren lagen zeitweise im September über dem Vorkriegsniveau. Angriffe und logistische Schwierigkeiten stellen jedoch infrage, ob die höheren Liefermengen dauerhaft aufrechterhalten werden können.
Beim Angriff auf den unter panamaischer Flagge fahrenden Tanker „On Peace“ wurden nach Angaben des indischen Außenministeriums zwölf Besatzungsmitglieder verletzt. Das Schiff war bei der Durchfahrt durch die Straße von Hormus von einem unbekannten Geschoss getroffen worden.
Vor dem Krieg wurde rund ein Fünftel der weltweiten Öllieferungen durch die Meerenge transportiert. Seither behindert Teheran dort den Schiffsverkehr, während Washington iranische Häfen blockiert.
Pentagon soll Vorbereitungen abschließen
Parallel wächst die Gefahr einer erneuten militärischen Eskalation. Wie Axios unter Berufung auf US-Regierungsvertreter berichtete, wies das Pentagon das zuständige Regionalkommando Central Command vor einigen Tagen an, die Vorbereitungen für eine Wiederaufnahme größerer Kampfhandlungen gegen Iran abzuschließen.
Ein Angriffstermin sei nicht festgelegt worden. Auch US-Präsident Donald Trump habe noch keine endgültige Entscheidung getroffen. Nach Angaben amerikanischer und israelischer Quellen könnten neue Angriffe dennoch vor den US-Kongresswahlen im November stattfinden.
Als mögliche Ziele nennt Axios unter Berufung auf seine Quellen iranische Energieanlagen, Infrastruktur und Nukleareinrichtungen. Bei einer Wiederaufnahme größerer Kampfhandlungen würden die USA und Israel voraussichtlich gemeinsam vorgehen.
Verhandlungen kommen nicht voran
Die Verhandlungen mit Iran haben dem Bericht zufolge bislang keine Fortschritte gebracht. Katarische Vermittler warteten weiterhin auf eine Antwort Teherans auf einen US-Gegenvorschlag, der Zugeständnisse beim iranischen Atomprogramm verlange.
Trump sprach am Mittwoch mit Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. Nach Angaben eines US-Regierungsvertreters ging es um das Gedenken an die Opfer des Hamas-Angriffs vom 7. Oktober 2023. Ein israelischer Regierungsvertreter sagte Axios, Netanjahu habe zuvor mit seinem Sicherheitsteam über Iran beraten.
Huthis melden Angriffe auf Saudi-Arabien
Auch andernorts in der Region dauern die Kämpfe an. Nach Angaben von Bloomberg beanspruchten die von Iran unterstützten Huthis in dieser Woche Angriffe auf Flughäfen in Riad und Abha in Saudi-Arabien für sich. Dabei wurden dem Bericht zufolge drei Menschen getötet und Dutzende verletzt.
Zugleich verschärften sich im Jemen die Kämpfe zwischen den Huthis und von Saudi-Arabien unterstützten Kräften. Die Entwicklung erhöht das Risiko, dass sich die Gewalt über die Straße von Hormus und deren unmittelbare Umgebung hinaus ausweitet.
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