Es ist ein Vorgang, den Beobachter als beispiellos einordnen: Die USA haben den UN-Sicherheitsrat mitten in einer Rede ihres Verbündeten Frankreich verlassen. Der Auszug der US-amerikanischen Delegation am 27. Juli 2026 war ein bewusster Protest – und der vorläufige Höhepunkt eines diplomatischen Schlagabtauschs, der sich innerhalb weniger Tage hochgeschaukelt hatte.
Auslöser war die Wiederwahl des UN-Menschenrechtskommissars Volker Türk, gegen die Washington gestimmt hatte. Frankreich stellte die USA daraufhin öffentlich in eine Reihe mit Nordkorea und Russland. Was war passiert, wer sagte was – und welche Folgen hat der Eklat tatsächlich? Ein Überblick über einen Streit, der tiefe Risse zwischen Washington und Europa offenlegt.
Der Auslöser: Eine umstrittene Wiederwahl
Am 24. Juli 2026 stimmte die UN-Generalversammlung für eine zweite vierjährige Amtszeit von Volker Türk. Das Ergebnis fiel deutlich aus: 144 Staaten stimmten dafür, zehn dagegen, 13 enthielten sich.
Die USA gehörten zu den Gegenstimmen – gemeinsam mit Staaten wie Nordkorea und Russland. US-Botschafter Jeff Bartos begründete das Nein mit Verfahrensmängeln und einer aus US-Sicht politisierten Amtsführung. Zugleich kündigte er an, die USA würden Engagement, Teilnahme und Finanzierung „unverzüglich neu bewerten“.
Wichtig zur Einordnung: Über die Wiederwahl entschied die Generalversammlung, nicht der Sicherheitsrat. Ein Veto der USA war damit nicht möglich.
Der Schlagabtausch auf X
Nur einen Tag nach der Abstimmung eskalierte der Streit öffentlich. Am 25. Juli schrieb die französische UN-Vertretung in Genf auf der Plattform X: „Die USA waren einst ein Leuchtfeuer der Menschenrechte. Jetzt nicht mehr.“ Washington stehe nun isoliert an der Seite von Nordkorea, Nicaragua, Mali und Russland. Der Post endete mit dem Hashtag „#AmericaAlone“.
Die Reaktion aus Washington ließ nicht lange auf sich warten. US-UN-Botschafter Mike Waltz warf Frankreich auf X vor, „einige der schlimmsten Menschenrechtsverletzer zu verhätscheln“. Türk belehre freie Demokratien wie die USA, Großbritannien und Israel, „während er sich an die schlimmsten Unterdrücker der Welt heranschmeißt“.
Der Auszug im Sicherheitsrat
Zwei Tage später verlagerte sich der Konflikt in den Saal. Während einer Dringlichkeitssitzung zum Krieg Russlands gegen die Ukraine ergriff Frankreichs UN-Botschafter Jérôme Bonnafont das Wort. Genau in diesem Moment verließen die US-Diplomaten den Raum.
Volker Türk, UN Menschenrechtsbeauftragter, spricht bei einem Statement bei der Internationalen Sudan-Konferenz im Auswärtigen Amt.
© Michael Kappeler/dpa
Der stellvertretende US-Botschafter Dan Negrea bestätigte anschließend, dass der Auszug ein bewusster Protest war. Er warf Frankreich „unaufrichtige Effekthascherei“ und „politisierten Unsinn“ vor. Die USA würden bei französischen Redebeiträgen so lange den Saal verlassen, bis Paris seine „herablassende und respektlose Rhetorik“ einstelle.
Frankreichs betont gelassene Antwort
Bonnafont reagierte im Sicherheitsrat auffällig zurückhaltend. Auf den Boykott ging er mit keinem Wort direkt ein. Stattdessen verwies er auf die historische Allianz beider Länder und darauf, dass Frankreich den USA einst zur Unabhängigkeit verholfen habe.
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Frankreich arbeite innerhalb der UN im Geiste der Charta, „um diese Institution, ihre Unabhängigkeit und ihre Fähigkeit zu bewahren, im Dienste der Charta zu handeln und den Menschenrechten und dem Frieden zu dienen“, erklärte er.
Zuvor hatte Bonnafont Türk als „eine Stimme des Gewissens“ beschrieben, der in seiner ersten Amtszeit „Strenge und Unparteilichkeit“ bewiesen habe.
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