Es ist ein starkes Signal aus Sachsen. Das Fahrzeugwerk Zwickau hat seine erste industrielle Demontagelinie für Vorserien- und Altfahrzeuge in Betrieb genommen. Während die Konzernspitze in Wolfsburg über Werksschließungen, Überkapazitäten und drastische Sparprogramme debattiert, beweisen die Beschäftigten in Südwestsachsen einmal mehr, was echte Transformationskompetenz bedeutet. In nur neun Monaten wurde sie gebaut und das Genehmigungsverfahren abgeschlossen, ein Viertaljahr früher als geplant. Die Botschaft der Belegschaft lautet: Wir packen an. Wir gestalten Zukunft. Wir liefern.
Und es ist nicht das erste Mal. Die Beschäftigten in Zwickau haben in den letzten Jahren Pionierarbeit geleistet. Sie waren das Versuchslabor und der Eisbrecher für Volkswagens gesamte Elektro-Strategie. Von 2018 bis 2020 haben sie den weltweit ersten radikalen Wandel eines Großserienwerks vom Verbrenner zum reinen E-Mobilitäts-Standort im laufenden Betrieb gemeistert – allen Kritikern und Zweiflern zum Trotz, auch aus den eigenen Reihen.
Sechs Modelle und drei Marken
In Zwickau laufen parallel sechs E-Modelle der drei Konzernmarken VW, Audi und Cupra von den Bändern. Das erfordert ein Höchstmaß an Flexibilität und Konzentration an der Linie. Nun etabliert sich das Werk als Kompetenzzentrum für die Kreislaufwirtschaft, die nicht nur Vorteile im Wettbewerb bringen wird. Sie schont außerdem die Ressourcen und sorgt dafür, dass wiedergewonnene Rohstoffe in Europa bleiben und künftig nicht mehr in so großen Mengen teuer im Ausland beschafft werden müssen.
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Das klingt nach einer Erfolgsgeschichte. Doch derzeit bangen in der südwestsächsischen Region 8000 Menschen um ihre Arbeitsplätze und ihre Existenz, weil nach 2030 die Auslastung für das Zwickauer Werk fehlt. Die neue Demontagelinie kann die klassische Fertigung neuer Fahrzeuge aber nur ergänzen, nicht ersetzen.
Die Zwickauer Autobauer haben jeden Kurswechsel des Vorstands nicht nur mitgetragen, sondern durch ihren persönlichen Einsatz die Projekte überhaupt erst markttauglich gemacht. Sie haben die Fehler des Managements, wie die anfängliche Software-Krise der ID-Familie, an der Linie ausgebadet und glattgebügelt. Ein solcher Vorreiter verdient keine Schließungsdebatten, kein Feilschen um weitere Einsparungen bei den Produktionskosten und längere Arbeitszeiten, sondern eine klare, langfristige und vor allem verlässliche Bestandsgarantie. Es steht viel Vertrauen auf dem Spiel – und das nicht nur bei den VW-Mitarbeitern.
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