Ausstellung

„Was tun wir“ in Dresden: 25 Ostkreuz-Fotografen zeigen Bilder zerfallender Gewissheiten

Das Kunsthaus Dresden und die Berliner Agentur Ostkreuz ziehen in der Robotron-Kantine Bilanz einer verunsicherten Gegenwart. Es ist die letzte öffentliche Nutzung vor deren Sanierung.

4 Min
Jugendliche mit Motorrad und Gewehr an der Elbe, Radebeul, Sachsen, DDR, 1984

Jugendliche mit Motorrad und Gewehr an der Elbe, Radebeul, Sachsen, DDR, 1984

© Harald Hauswald/Ostkreuz

Das Kunsthaus Dresden präsentiert vom 29. August bis 8. November 2026 in der Dresdner Robotron-Kantine die Ausstellung „Was tun wir. Bilder in Zeiten zerfallender Gewissheiten“. Die Schau ist in Zusammenarbeit mit der Berliner Agentur Ostkreuz entstanden und öffnet den Nachkriegsbau ein letztes Mal vor der geplanten Sanierung für das Publikum. Die Schau wird am heutigen Freitag, 28. August ,um 18 Uhr eröffnet.

Gezeigt werden fotografische Werkserien sowie eigens für den Ort entwickelte raumgreifende Installationen und Videoprojektionen von 25 Mitgliedern der Agentur, darunter Sibylle Bergemann, Harald Hauswald, Ute Mahler, Werner Mahler, Jörg Brüggemann, Emile Ducke, Sibylle Fendt, Johanna Maria Fritz, Tobias Kruse, Ina Schoenenburg und Sebastian Wells.

Ergänzt wird die Auswahl durch Arbeiten der Fotografen Ludwig Schirmer und Paula Winkler. Die Ausstellung ist nach Angaben der Veranstalter das Ergebnis einer anderthalbjährigen gemeinsamen Entwicklungsarbeit und kombiniert neue Werkserien mit ausgewählten historischen Arbeiten aus der Zeit vor und nach der Wende.

Ende 2023 wurde im Tagebau Jänschwalde planmäßig die Kohleförderung eingestellt. Nach der Sicherung der Flöz- und Kippenflächen begann unmittelbar die Rekultivierung des ehemaligen Bergbaugebiets.

Ende 2023 wurde im Tagebau Jänschwalde planmäßig die Kohleförderung eingestellt. Nach der Sicherung der Flöz- und Kippenflächen begann unmittelbar die Rekultivierung des ehemaligen Bergbaugebiets.

© Ina Schoenenburg/Ostkreuz

Im Zentrum steht die Frage nach der Verantwortung von Fotografen in einer Gegenwart tiefgreifender gesellschaftlicher, geopolitischer und ökologischer Umbrüche. Die Ausstellung versammelt Bilder von Ende und Neuanfang, von Krieg, Solidarität und Zusammenhalt sowie von den Kraftanstrengungen, die für gesellschaftliche Veränderungsprozesse nötig sind.

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Zugleich reflektiert die Schau, wie sich die Produktionsbedingungen der Fotografie derzeit verändern und damit an den Fundamenten jener Bildsprache rütteln, die Ostkreuz nach dem Mauerfall bekannt machte: eine teilnehmende Beobachtung des Zeitgeschehens zwischen dokumentarischer Verpflichtung und künstlerischem Ausdruck sowie ein distanzierter Blick auf die Macht.

Vom Ostblock zur international beachteten Agentur

Ostkreuz wurde 1990, wenige Monate nach dem Zusammenbruch der DDR, in Berlin gegründet. Sieben ostdeutsche Fotografinnen und Fotografen – unter ihnen Bergemann, Hauswald sowie Ute und Werner Mahler, die dem Kollektiv bis heute angehören – schlossen sich nach dem Vorbild der Agentur Magnum zu einem Autorenfotografen-Kollektiv zusammen.

Heute umfasst die unabhängige Agentur mit Sitz in Berlin 26 Mitglieder, die sowohl frei als auch im bildjournalistischen Auftrag arbeiten. Gemeinsam sei ihnen, so beschreibt es die Agentur selbst, der Ansatz einer gesellschaftlich engagierten Dokumentarfotografie.

Ölplattform im Trockendock, Bergen, Norwegen, 2024

Ölplattform im Trockendock, Bergen, Norwegen, 2024

© Espen Eichhöfer

Das Kunsthaus Dresden als städtische Galerie für Gegenwartskunst versteht sich selbst als Institution, deren Ursprünge in der Transformationszeit der 1990er-Jahre liegen. Es setzt sich seit acht Jahren für den Erhalt der denkmalgeschützten Robotron-Kantine in der Dresdner Innenstadt ein. Der zentral gelegene Bau der Nachkriegsmoderne soll ab 2027 mit Mitteln des Bundesprogramms „Nationale Projekte des Städtebaus“ des Bundesbauministeriums, einer Spende der Familie Arnhold sowie städtischen Zuschüssen saniert werden.

Panels, Dialogführungen und Konzert zur Eröffnung

Zur Eröffnung am 28. August sind Grußworte von Manuel Frey, Stiftungsdirektor der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen, von Sibylle Fendt, Geschäftsführerin der Agentur Ostkreuz, sowie von Christiane Mennicke-Schwarz, Leiterin des Kunsthauses Dresden, vorgesehen. Es folgt eine von der Autorin Anne Waak moderierte Podiumsdiskussion mit den Fotografinnen und Fotografen Fendt, Annette Hauschild, Tobias Kruse und Ute Mahler. Für das musikalische Programm sorgen Anu (Anna-Lucia Rupp) sowie DJ John Fizz.

Das Rahmenprogramm sieht drei weitere Podiumsgespräche vor: Am 5. September diskutieren unter dem Titel „Etwas verschiebt sich. Bilder zwischen Anpassung und Widerstand“ mehrere Fotografen mit dem Kulturjournalisten Oliver Reinhardt.

Frau in der Spinnerei Venusberg (kurz vor der Abwicklung), Flöha, Sachsen, Deutschland, 1992

Frau in der Spinnerei Venusberg (kurz vor der Abwicklung), Flöha, Sachsen, Deutschland, 1992

© Sibylle Bergemann/Ostkreuz

Am 8. Oktober widmet sich die Runde „Mauer Land“ der Geschichte des ostdeutschen Kollektivs 35 Jahre nach der Wiedervereinigung, moderiert vom Kunstwissenschaftler Andreas Krase.

Am 7. November folgt „A Survival Paradox. (Über)Leben im Krieg“ mit der Kunsthistorikerin Agnes Matthias und den Fotografen Johanna Maria Fritz, Elliott Kreyenberg und Emile Ducke. Ergänzend finden an mehreren Sonntagen Dialogführungen mit jeweils zwei Fotografen der Agentur statt.

Die Robotron-Kantine an der Lingnerallee in Dresden ist mittwochs bis freitags von 16 bis 19 Uhr sowie samstags und sonntags von 12 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 8 Euro, ermäßigt 6 Euro. Gefördert wird das Projekt von der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen, der European Cultural Foundation und dem Stadtbezirksamt Dresden-Altstadt sowie unterstützt von Hahnemühle und der Kulturstiftung Schloss Wiepersdorf.

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