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Weniger Netto für Berliner Arbeitnehmer: Studie warnt vor drastisch steigenden Sozialabgaben

Die Beiträge für Rente, Pflege, Kranken- und Arbeitslosenversicherung könnten zusammen auf fast 50 Prozent steigen. Was das für Berlin bedeutet.

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Eine ältere Dame schiebt einen Rollstuhl mit einer weiteren rüstigen Dame durch einen Park. (Symbolbild)

Eine ältere Dame schiebt einen Rollstuhl mit einer weiteren rüstigen Dame durch einen Park. (Symbolbild)

© Christoph Hardt/Imago

Für Arbeitnehmer in Berlin könnte künftig deutlich weniger vom Bruttogehalt übrig bleiben. Die Sozialversicherungsbeiträge drohen in den kommenden Jahren deutschlandweit erheblich zu steigen. Bis 2035 könnte der Gesamtbeitragssatz von derzeit 42,8 auf 48,9 Prozent klettern. Bereits 2028 wären es 45,4 Prozent. Das geht aus einer neuen Studie des IGES-Instituts im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) hervor.

„Die neue Prognose für die Sozialbeiträge ist ein Alarmsignal“, erklärt INSM-Geschäftsführer Thorsten Alsleben. Wenn sich die Arbeitnehmer- und Arbeitgeberbeiträge zusammen auf nahezu die Hälfte des beitragspflichtigen Bruttolohns summierten, werde Arbeit in Deutschland noch teurer. Zugleich bleibe Beschäftigten netto weniger übrig. Die früher politisch angestrebte Obergrenze von 40 Prozent rückt nach den Berechnungen in weite Ferne.

Die Entwicklung betrifft auch die Berliner Wirtschaft. Steigende Arbeitgeberbeiträge verteuern die Beschäftigung, während höhere Arbeitnehmerbeiträge das verfügbare Einkommen schmälern; gesonderte Berechnungen für Berlin enthält die Untersuchung nicht.

Was steigende Sozialabgaben für Berliner Arbeitnehmer bedeuten

Wie sich die Entwicklung auf Berliner Beschäftigte auswirken könnte, zeigt eine Beispielrechnung: Bei einem beitragspflichtigen Bruttogehalt von 3000 Euro monatlich würde der prognostizierte Anstieg des Gesamtbeitragssatzes um sechs Prozentpunkte rechnerisch zusätzliche Sozialversicherungsbeiträge von 180 Euro im Monat bedeuten. Diese Mehrbelastung verteilt sich auf Arbeitnehmer und Arbeitgeber.

Wie viel Geld Beschäftigten tatsächlich weniger zur Verfügung stehen würde, hängt von der künftigen Aufteilung der Beiträge und ihrer individuellen Situation ab. Die höheren Arbeitgeberbeiträge würden zugleich die Beschäftigungskosten für Berliner Unternehmen erhöhen.

Rentenversicherung: Beitragssatz steigt auf über 20 Prozent

Besonders deutlich fällt der prognostizierte Anstieg bei der Rentenversicherung aus. Ihr Beitragssatz soll von derzeit 18,6 auf 20,9 Prozent im Jahr 2035 steigen. Als wesentliche Ursachen nennen die Studienautoren die demografische Entwicklung und die ausgeschöpfte Nachhaltigkeitsrücklage. Bereits 2028 könnte der Beitragssatz auf knapp 20 Prozent steigen, laut der Studie.

Den stärksten relativen Anstieg erwarten die Forscher bei der Arbeitslosenversicherung. Hier könnte sich der Beitragssatz von derzeit 2,6 auf 4,4 Prozent erhöhen – ein Zuwachs um rund 69 Prozent. Die Bundesagentur für Arbeit rechnet für 2026 mit einem Defizit von knapp neun Milliarden Euro. Ihr Schuldenstand könnte bis zum Jahresende auf rund zehn Milliarden Euro steigen.

Auch bei der gesetzlichen Krankenversicherung rechnen die Wissenschaftler mit höheren Beiträgen. Trotz der vorgesehenen Maßnahmen zur Stabilisierung könnte der Beitragssatz bis 2035 von 17,7 auf 18,8 Prozent steigen. Hintergrund ist die Erwartung, dass die Ausgaben in den kommenden Jahren wieder stärker wachsen als die Einnahmen.

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Pflegeversicherung: Zahl der Pflegebedürftigen steigt deutlich

Besonders angespannt ist die finanzielle Lage der Pflegeversicherung. Die Zahl der Pflegebedürftigen könnte laut Studie von 5,9 Millionen im Jahr 2025 auf 8,3 Millionen im Jahr 2035 steigen. Ohne weitere Reformen würde sich der Beitragssatz von derzeit 3,9 auf 4,8 Prozent erhöhen.

Bereits in diesem Jahr ist die Pflegeversicherung auf zwei Bundesdarlehen in Höhe von insgesamt 3,9 Milliarden Euro angewiesen. Auch das geplante Pflegeneuordnungsgesetz dürfte die Finanzierungslücke nach Berechnungen der Studienautoren nicht vollständig schließen. Für 2027 rechnen sie trotz der vorgesehenen Maßnahmen mit einem Fehlbetrag von rund 1,3 Milliarden Euro.

Auch geplante Reformen verhindern den Anstieg kaum

Die Untersuchung berücksichtigt auch die Reformvorhaben der Bundesregierung. Werden die geplanten Maßnahmen in Gesundheit und Pflege umgesetzt und die Rentenversicherung entsprechend den Empfehlungen der Alterssicherungskommission reformiert, könnte der Gesamtbeitragssatz 2035 bei 47,5 Prozent liegen. Das wären lediglich 1,3 Prozentpunkte weniger als im Basisszenario nach geltendem Recht.

Sollte darüber hinaus eine Kapitalrente eingeführt werden, für die ab 2028 schrittweise zusätzliche Beiträge erhoben würden, könnte der Gesamtbeitragssatz sogar 49,3 Prozent erreichen. Eine spürbare Entlastung durch das angesparte Kapital wäre nach Einschätzung der Studienautoren voraussichtlich erst nach 2035 zu erwarten.

Bei einer ungünstigen Entwicklung könnten die Sozialabgaben laut Studie bis 2035 sogar auf knapp 52 Prozent steigen. Im günstigsten untersuchten Szenario lägen sie ohne weitere Reformen bei 46,6 Prozent.

Forderung der INSM

INSM-Geschäftsführer Alsleben fordert deshalb weitergehende Strukturreformen. Dazu zählt er ein Renteneintrittsalter, das mit der Lebenserwartung steigt, eine stärkere Kapitaldeckung sowie mehr Eigenverantwortung in der Kranken- und Pflegeversicherung.

Die Berechnungen sind Prognosen auf Grundlage verschiedener Annahmen zur wirtschaftlichen und demografischen Entwicklung. Wie stark die Sozialabgaben tatsächlich steigen, hängt auch von künftigen politischen Entscheidungen ab.

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