Landtagswahl

Kritik an Interview mit Siegmund in Kindersendung: So ändert das ZDF jetzt sein Konzept

Das ZDF nennt sein eigenes Konzept zu einer Kinder-Wahlsendung „nicht angemessen“. Hintergrund ist ein Interview mit dem AfD-Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund, das heftig kritisiert wurde.

4 Min
Enrico Schult ist der Co-Landesvorsitzende der AfD in Mecklenburg-Vorpommern.

Enrico Schult ist der Co-Landesvorsitzende der AfD in Mecklenburg-Vorpommern.

© Bernd Wüstneck/dpa

Nach heftiger Kritik hat das ZDF sein Konzept für die Wahlinterviews in der Kindersendung „logo!“ geändert. Der Sender erklärte, das gewählte redaktionelle Konzept sei „nicht angemessen“ gewesen.

Im Zentrum steht ein Gespräch mit dem sachsen-anhaltischen AfD-Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund, das am dritten September lief. Rund 296.000 Menschen unterzeichneten eine Petition, mehr als 100 Beschwerden gingen beim ZDF-Fernsehrat ein.

Für die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern will die Redaktion die Aussagen des AfD-Politikers Enrico Schult nun nicht mehr als direktes Interview zeigen, sondern in einem redaktionellen Beitrag einordnen.

„Nicht angemessen“: Das räumt das ZDF nun ein

Zunächst hatte das ZDF die Sendung verteidigt. Der Sender verwies auf den öffentlich-rechtlichen Auftrag von „logo!“, Kindern Orientierung bei aktuellen und gesellschaftlich relevanten Themen zu geben.
Am Dienstag klang das anders. „Im Nachhinein müssen wir feststellen, dass das gewählte redaktionelle Konzept nicht angemessen war“, teilte der Sender mit.

Bereits vor der Ausstrahlung hatte sich Constanze Knöchel, Leiterin der „logo!“-Nachrichten, zu Wort gemeldet. „Am Ende orientieren wir uns nicht an der Frage, welcher Shitstorm droht, sondern an unserem Auftrag“, schrieb sie in einem Beitrag auf LinkedIn. Kinder bräuchten verlässliche Informationen, „um sich eine eigene Meinung bilden zu können. Auch dann, wenn es unbequem wird.“

Ulrich Siegmund bei „logo!“: So war die Sendung aufgebaut

Die Debatte begann mit der „logo!“-Ausgabe vom dritten September. Für die Sendung befragte die frühere Landesschülersprecherin von Sachsen-Anhalt, Lucienne Balke, zwei Politiker: den AfD-Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund und den amtierenden Ministerpräsidenten Sven Schulze (CDU).

Beide bekamen weitgehend dieselben Fragen. Die Antworten schnitt die Redaktion in einem Beitrag gegeneinander. Die jeweils rund halbstündigen Interviews stellte „logo!“ online in voller Länge bereit.
In der Abmoderation ordnete Moderator Sherif Rizkallah die Partei ein: Die AfD sei „sehr umstritten“. Die Entscheidung für das Interview begründete er mit den Umfragen – die AfD liege in Sachsen-Anhalt seit einiger Zeit deutlich vorn.

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Fast 300.000 Unterschriften gegen das AfD-Interview

Der Widerstand wuchs schnell. Eine von Schülern gestartete Petition forderte, das Interview mit dem AfD-Spitzenkandidaten Enrico Schult nicht in diesem Format im Kinderkanal auszustrahlen. Bis Dienstagmorgen hatten rund 296.000 Menschen sie unterzeichnet.

Auch beim ZDF-Fernsehrat gingen Beschwerden ein. Das oberste Kontrollgremium des Senders erhielt innerhalb von fünf Tagen mehr als 100 Zuschriften zur Sendung mit Siegmund, wie das Gremienbüro dem Evangelischen Pressedienst mitteilte. Die meisten bemängelten, dass ein AfD-Politiker in einer Kindersendung zu Wort kommt.

Was sich bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern ändert

Für die Wahl in Mecklenburg-Vorpommern hat die „logo!“-Redaktion umgeplant. Sie werde die Wahl „auf eine andere Art und Weise begleiten“, teilte das ZDF dem epd am Montagabend mit.
Konkret heißt das: Die Aussagen von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) und AfD-Spitzenkandidat Enrico Schult sollen nicht als direktes Interview laufen, sondern in einem redaktionellen Beitrag eingeordnet werden.

Das Gespräch mit Schult führte die Redaktion nach eigenen Angaben am achten September auf Basis eines neuen Konzepts. Ursprünglich war laut ZDF-Mitteilung vom 31. August geplant, dass Landesschülersprecherin Tessa Schulz mit Schult und Schwesig spricht.

Nicht der erste AfD-Auftritt bei „logo!“ in der Kritik

Es ist nicht das erste Mal, dass ein AfD-Auftritt bei „logo!“ für Diskussionen sorgt. Schon bei einer Sendung zur Wahl von Friedrich Merz zum Bundeskanzler im vergangenen Jahr kam mit AfD-Chef Tino Chrupalla ein Parteivertreter zu Wort.

Damals erklärte das ZDF, „logo!“ erkläre als Nachrichtenmagazin für Kinder zwischen 8 und 12 Jahren politische Prozesse zielgruppengerecht und stelle unterschiedliche Positionen dar, um eine Meinungsbildung zu ermöglichen.

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