WERDER/HAVEL. CDU-Landeschef Jörg Schönbohm hat am Wochenende erstmals mit dem Bruch der großen Koalition gedroht, wenn Brandenburg im Bundesrat dem Zuwanderungsgesetz am 21. Dezember zustimmt. Ohne Korrekturen wie der Herabsetzung des Nachzugsalters für Kinder lehne er den Entwurf der rot-grünen Bundesregierung ab, sagte der Vize-Regierungschef und Innenminister auf dem Brandenburg-Tag der Jungen Union in Werder. "Zur Glaubwürdigkeit in der Politik gehört es dann auch, dass man Konsequenzen zieht. " Zünglein an der Waage Der Koalitionsvertrag regele zwar, dass sich Brandenburg in der Länderkammer enthalte, wenn sich SPD und CDU nicht einigten. Bisher habe er sich mit SPD-Regierungschef Manfred Stolpe auf dieser Basis auch immer verständigt. "Aber es gibt auch Büchsenspanner in der SPD", sagte Schönbohm am Sonnabend. Weil das Potsdamer Bündnis neuerdings im Bundesrat die Rolle des Züngleins an der Waage spiele, "kommen wir von beiden Seiten unter Druck", sagte Schönbohm, der auch Mitglied im CDU-Bundespräsidium ist. "Und der Bundeskanzler hat das größere Erpressungspotenzial. " Wegen der angespannten Situation der Grünen werde es jetzt noch schwerer, Veränderungen durchzusetzen.Mehrfach betonte Jörg Schönbohm in seiner einstündigen Rede vor dem Parteinachwuchs seine Sorge vor dieser "schwierigsten Entscheidung, die man sich denken kann". Die große Koalition besitze Vorbildcharakter für alle neuen Länder: "Rot-Rot läuft sich tot. Wir müssen die glaubwürdige Alternative bieten. " Er wolle die Regierungsbeteiligung weiter nutzen, um zu gestalten - "aber nicht um jeden Preis". Die Union dürfe sich nicht wie die Grünen verbiegen. "Ich bitte um ihre Unterstützung, wenn wir diese schwierige Frage vor uns haben", appellierte der CDU-Chef an die knapp 100 Jungunionisten, die ihm mit stehenden Ovationen huldigten.Zuvor hatte Schönbohm Einsatzbereitschaft und Engagement der auf über 700 Mitglieder gewachsenen Nachwuchsorganisation gelobt, aus deren Reihen der CDU wiederholt eine allzu nachgiebige Haltung in der Koalition vorgehalten wurde. "Allen voran" hob der CDU-Chef die positive Rolle des in der Mutterpartei und bei der SPD wegen unabgestimmter Vorstöße umstrittenen Vorsitzenden der Jungen Union Sven Petke hervor.Der 33-jährige Landtagsabgeordnete und Innenexperte ist am Sonnabend mit 89 Prozent in seinem Amt bestätigt worden. In Teilen der CDU wurde ihm unlängst angelastet, bei den gegenwärtigen Vorstandswahlen in den Kreisparteien einen - mittlerweile gescheiterten - "Übernahmeversuch der jungen Garde" zu organisieren."Wenn man der Jugend keine Chance gibt, die Zukunft zu gestalten, gibt es keine Zukunft", sagte Schönbohm. Daran müssten einige in der CDU gelegentlich erinnert werden. Es sei "völliger Quatsch", die innerparteilichen Spannungen zu einem Kampf zwischen Alt und Jung zu stilisieren. In der Union gebe es 30-Jährige, die schon zehn Jahre "Kärrnerarbeit" hinter sich hätten. "Wir brauchen eine kontinuierliche Erneuerung. " Schon zu Beginn des landesweiten JU-Treffens waren Generalsekretär Thomas Lunacek und Justizminister Kurt Schelter angereist, um den Nachwuchs nach Niederlagen in den Landkreisen Ostprignitz-Ruppin und Teltow-Fläming zu ermutigen. "Wir brauchen beides: junge Adler und graue Wölfe", sagte Justizminister Schelter. "Machen sie uns Feuer, wenn sie glauben, wir sind zu lahm. Wir brauchen die Junge Union. " Nachwuchs trägt Verantwortung In der CDU-Jugend selbst waren die Misserfolge indes kaum noch ein Thema. Auch Sven Petke verwies vielmehr auf bereits Erreichtes. Zentrale bildungspolitische Forderungen seien umgesetzt. Mit der 27-jährigen Bundestagsabgeordneten Katherina Reiche etwa oder dem 24-jährigen Landtagsabgeordneten und JU-Vize Ingo Senftleben und nicht zuletzt mit dem von Petke selbst im Frühjahr übernommenen stellvertretenden CDU-Vorsitz trage der Nachwuchs bereits auf vielen Ebenen Verantwortung. "Wir wissen, wie wichtig es ist, dass wir uns einbringen - auch bei Wahlkämpfen", sagte Petke."Ich will die Regierungsbeteiligung weiter nutzen, um zu gestalten. Aber nicht um jeden Preis. " Jörg Schönbohm, CDU-Landeschef
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