Wer das erste Duell gesehen hat, kannte die Positionen. Wer das zweite am Mittwoch sah, kannte sie immer noch. Nur dieses Mal wurde alles mit mehr Nachdruck und viel lauter vorgetragen. Es war jedenfalls kein Abend der feinen Klingen. Manuela Schwesig und Leif-Erik Holm lieferten sich beim NDR einen politischen Schlagabtausch, der in seiner Grundstruktur mit der Eleganz eines Handgemenges auf dem Schulhof daherkam.
Schwesig griff an, Holm wehrte ab. Beide blieben in ihren bekannten Rollen und Erzählungen. Das ist zunächst keine Überraschung, schließlich ist Wahlkampf. Die Fronten sind schon längst gezogen. Gerade deshalb aber stellt sich die Frage, was ein zweites Duell eigentlich noch leisten sollte. Denn TV-Duelle entscheiden selten Wahlen. Häufig bestätigen sie vor allem das, was Zuschauer ohnehin schon glauben.
Das hielt die Grande Dame der SPD aus Mecklenburg-Vorpommern nicht davon ab, noch einmal alle Register zu ziehen und sich als die Frau gegen Blau zu inszenieren. Sie zog ihre zentrale Wahlkampflinie weiter konsequent durch. Die AfD sei gefährlich, und wer das nicht sehen wolle, sei naiv oder mitschuldig.
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Die Frontlinie steht - sie stand schon beim ersten Mal
Sie warnte vor einer AfD-Regierung, vor dem Verlust politischer Errungenschaften, vor den Folgen für Frauen und Familien, vor Abwanderung von Fachkräften. Beim Thema Frauenrechte wurde es dann persönlich. Sie verwies auf einen AfD-Abgeordneten, der einen Beitrag mit einem Messer gegen sie veröffentlicht haben soll, und auf einen weiteren sexistischen Post. Das ist kein Kleinkram. Wenn ein Politiker einen solchen Angriff auf eine Regierungschefin veröffentlicht, ist das relevant.
Eigentlich aber müsste sich ein solcher Angriff von selbst verbieten und dürfte in einem zivilisierten Wahlkampf gar nicht erst zum Thema werden. Aber auch dieser Moment zeigte die Logik des Abends. Was politisch mobilisieren soll, muss sichtbar gemacht werden. Schwesig machte es sichtbar. Das ist im Wahlkampf legitim, ein Sachargument ersetzt es trotzdem nicht.
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Holm und das Prinzip der umgekehrten Empörung
Holm beherrschte seinerseits die zweite klassische Disziplin solcher Duelle. Er empörte sich über die Empörung. Schwesig schüre Ängste, polarisiere, verbreite Unwahrheiten. Das war sein Grundrauschen durch diesen TV-Abend. Er versuchte mit aller Macht, die Auseinandersetzung von der AfD weg und zurück auf die Regierungsbilanz der SPD zu lenken.
Beim Thema Migration war Holm in seinem Element und kam mit einer steilen These. Wenn illegale Einwanderer konsequent abgeschoben würden, gehe auch die Ausländerfeindlichkeit zurück. Das ist eine Kausalität, die man glauben kann oder nicht. Bewiesen ist sie bisher nicht, aber sie klingt nach Logik. Und das reicht im Fernsehstudio oft aus.
Fachkräfte wolle die AfD allerdings behalten, sagte Holm. Nur diejenigen, die halt illegal im Land seien, müssten gehen. Politisch ist das eine klare Unterscheidung. In der praktischen Umsetzung ist die Sache jedoch erheblich komplizierter. Auch das ist keine Frage, die ein TV-Format beantworten muss, aber schön wäre es trotzdem gewesen.
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Zwei Seiten, eine Währung
Das erste Duell war ein Abend der Bestandsaufnahme, der Formeln und der kontrollierten Nichtssagerei. Das zweite Duell war das Gegenteil. Hier wurde nicht verwaltet, hier wurde gekämpft. Und es machte tatsächlich eines deutlich: Beide Seiten arbeiten mit Emotionen und Angst.
Schwesig warnt vor der AfD, vor dem Verlust von Errungenschaften, vor dem, was kommt, wenn die SPD nicht stark genug wird. Das ist Mobilisierung durch Schrecken und keine Antwort auf die Frage, warum die Sozialdemokraten nach fünf Jahren Regierungsverantwortung in Umfragen hinter einer Partei liegen, die 2021 noch bei 16,7 Prozent stand. Diese Frage stellte beim Duell niemand, auch die Moderatoren nicht.
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Holm wiederum verspricht Sicherheit, Ordnung, Kontrolle. Das sind weniger konkrete Antworten als politische Versprechen, die bestimmte Vorstellungen und Gefühle ansprechen. Und Versprechen sind im Wahlkampf das, was Umfragen für die Meinungsforschung sind: nützlich, aber mit Vorsicht zu genießen.
Das zweite Duell war kein Wendepunkt, sondern eine Bestätigung. Schwesig und Holm zeigten, dass es in diesem Wahlkampf mehr um Deutungshoheit geht als um Sachfragen. Und die kurz vor dem Duell veröffentlichte neue Insa-Umfrage zeigt, dass beide Seiten gute Gründe haben, bis zum letzten Moment zu kämpfen.
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