Bärbel Bas hat am Montag ihren Rücktritt erklärt – und zwar gleich von beiden Spitzenämtern. Die SPD-Politikerin gibt das Amt der Bundesarbeitsministerin ab und legt zugleich den Parteivorsitz nieder.
In einem Statement nennt sie zwei Gründe: Den Tod ihrer Stieftochter und öffentliche Angriffe, die nach ihren Worten vom Koalitionspartner der Union kamen. Der Rücktritt löst quer durch die Parteien Reaktionen aus – von tiefem Respekt bis zu scharfer Kritik.
Rücktritt von Bärbel Bas: Diese Ämter gibt sie ab
Bas teilte ihren Schritt am Montag in einem Statement mit. Sie habe Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) um die Entlassung aus dem Amt gebeten, berichtete die Berliner Zeitung. Auch Finanzminister und Co-Parteichef Lars Klingbeil sei über den Schritt informiert worden.
Den persönlichen Hintergrund machte Bas in ihrem Statement deutlich. „Nach dem Tod meiner Stieftochter habe ich festgestellt, dass ich Zeit brauche, um die Trauer zu verarbeiten“, erklärte sie.
Zugleich kritisierte sie den politischen Umgang mit ihr. Sie müsse „feststellen, dass die öffentlichen Angriffe auf mich, leider auch aus den Reihen des Koalitionspartners, in dieser für mich persönlich schwierigen Zeit weiter forciert wurden“.
Die Nachfolge im Ministerium ist offenbar bereits geklärt. Übereinstimmenden Medienberichten zufolge soll der frühere rheinland-pfälzische Ministerpräsident Alexander Schweitzer (SPD) das Amt des Bundesarbeitsministers übernehmen.
Reaktionen aus der SPD: Respekt von Klingbeil und Miersch
Parteichef Klingbeil zeigte sich traurig über die Entscheidung. „Hinter den Ämtern sind wir alle nur Menschen“, sagte der Vizekanzler. Die Angriffe gegen Bas „in den letzten Tagen ihrer Trauer“ seien „unanständig“ gewesen: „Sowas gehört sich nicht.“
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) schrieb auf X: „Bärbel Bas und ich haben in der Bundesregierung vertrauensvoll zusammengearbeitet. Für das Engagement danke ich ihr. Ihre Entscheidung verdient Respekt. Als Vater und Großvater kann ich nur erahnen, wie schwer dieser Verlust wiegt. Ihr und ihrer Familie wünsche ich viel Kraft.“
Fraktionschef Matthias Miersch äußerte „großen Respekt“. Bas habe für die Werte der SPD gestritten. „Sie hat Haltung gezeigt, auch wenn es unbequem wurde. Aber die Kraft ist endlich.“
Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig schrieb auf der Plattform X von ihrem „Mitgefühl“. Die „Attacken der CDU“ trotz der persönlichen Situation seien „unmenschlich und rücksichtslos“. Auch Karl Lauterbach meldete sich zu Wort. Der Rücktritt treffe „uns alle“, Bas stehe „wie kaum jemand für Werte und Aufstiegsversprechen der SPD“.
Bundesumweltminister Carsten Schneider bedauert den Rücktritt von SPD-Chefin Bärbel Bas. „Bärbel Bas hat exzellente Arbeit als Parteivorsitzende, aber auch als Arbeitsministerin gemacht“, sagte der SPD-Politiker.
Auch Außenminister Johann Wadephul äußerte sich. „Für die Koalition bedeutet das natürlich gar nichts“, sagte Wadephul und fügte hinzu: „Wir haben eine Aufgabe zu erfüllen hier für vier Jahre.“ Die SPD werde in Ruhe und Sorgfalt über die Nachfolge von Bas beraten.
Kritik von der CDU: Was Gordon Schnieder sagt
Nicht alle Reaktionen fielen mild aus. Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Gordon Schnieder (CDU) zeigte zwar Verständnis für die persönliche Entscheidung, wies die Kritik am politischen Umgang mit Bas aber entschieden zurück. Bas habe Vereinbarungen nicht eingehalten und Gesetzesentwürfe nicht vorgelegt, sagte Schnieder dem Sender Welt TV. Kritik „muss man dann auch aushalten“.
FDP-Politiker Wolfgang Kubicki wünschte Bas „von Herzen viel Kraft“ bei der Bewältigung des „schweren Schicksalsschlags“. Der frühere CDU-Minister Peter Altmaier sprach von „Beileid & Respekt“. Spitzenämter forderten ihre Inhaber „rund um die Uhr“, deshalb sei der Schritt verständlich.
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AfD-Chefin Alice Weidel nannte den Rücktritt „nachvollziehbar“, warf Bas aber „Nachtreten gegen den Koalitionspartner CDU“ vor. Dieses zeige, dass „Schwarz-Rot am Ende“ sei. In ihrem Ministerium sei „kein einziger Punkt im Sinne der deutschen Bürger bearbeitet“ worden, behauptete Weidel.
Bas sitzt seit der Bundestagswahl 2009 im Parlament. Von Oktober 2021 bis März 2025 war sie Präsidentin des Deutschen Bundestages. Im Mai 2025 wurde sie Bundesarbeitsministerin im Kabinett Merz. Seit Juni 2025 führte sie gemeinsam mit Lars Klingbeil die SPD.
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