Iran-Krieg

Bericht: Netanjahu plante Großangriff auf den Iran – Trump soll Offensive gestoppt haben

Israelische Kampfjets sollten auch Kraftwerke und Atomanlagen bombardieren. Neue Recherchen zeigen, wie weit die Vorbereitungen bereits waren und warum der Einsatz ausblieb.

5 Min
US-Präsident Donald Trump und Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu bei einem Treffen in den USA.

US-Präsident Donald Trump und Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu bei einem Treffen in den USA.

© Alex Brandon/AP

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu soll einem Medienbericht zufolge Anfang Oktober einen groß angelegten Militärangriff auf den Iran vorbereitet haben. Geplant war eine mehrtägige Bombardierung iranischer Atomanlagen, Kraftwerke und weiterer Infrastruktur. Die israelische Armee habe sich bereits auf die Offensive für das Wochenende des 10. Oktober eingestellt. Doch US-Präsident Donald Trump stellte sich gegen den Einsatz und verhinderte damit offenbar eine erneute massive Eskalation des Krieges.

Das berichtet die Financial Times am Mittwoch unter Berufung auf drei mit den militärischen Vorbereitungen vertraute Personen. Demnach wollte Trump vor den amerikanischen Kongresswahlen am 3. November keine neue große Angriffswelle gegen den Iran riskieren.

Nach Darstellung der Informanten hätte die geplante Offensive sogar heftiger ausfallen sollen als die gemeinsamen amerikanisch-israelischen Angriffe vom Februar. Ob sich US-Streitkräfte an der neuen Operation beteiligt hätten, sei nicht entschieden gewesen.

Eine offizielle Bestätigung der konkreten Angriffspläne liegt bislang nicht vor.

Netanjahu soll auch Angriffe auf zivile Infrastruktur geplant haben

Die Vorbereitungen sollen wesentlich weiter fortgeschritten gewesen sein, als bisher bekannt war.

Nach Informationen der Financial Times hatte Netanjahu das israelische Militär angewiesen, einen mehrtägigen Einsatz gegen den Iran vorzubereiten. Neben Einrichtungen des Atomprogramms und militärisch bedeutsamen Anlagen standen demnach auch Ziele der iranischen Staatsführung auf der Liste.

Besonders brisant: Auch zivile Infrastruktur, darunter Kraftwerke und andere Energieanlagen, sollte angegriffen werden.

Ein mit den Planungen vertrauter Informant erklärte der britischen Zeitung, Israel habe zusätzliche Ziele identifiziert, die während der bisherigen Angriffe nicht bombardiert worden seien.

Die Auswahl solcher Anlagen könnte erhebliche Folgen für die iranische Bevölkerung haben. Angriffe auf zivile Energieversorgung sind nach dem humanitären Völkerrecht nur unter engen Voraussetzungen zulässig.

Die geplante Operation wurde schließlich nicht ausgeführt. Ausschlaggebend war nach Darstellung der Financial Times Trumps Widerstand gegen eine Wiederaufnahme größerer Kampfhandlungen vor den amerikanischen Zwischenwahlen.

Trump will keinen Angriff vor den US-Zwischenwahlen

Der Zeitpunkt der geplanten Offensive ist bemerkenswert. Bereits am 8. Oktober, zwei Tage vor dem vorgesehenen Angriff, hatte Trump öffentlich erklärt, die Vereinigten Staaten würden vor den Kongresswahlen keine neuen Militärschläge gegen den Iran beginnen.

„Wir führen produktive Gespräche mit der Islamischen Republik Iran“, schrieb der Präsident auf Truth Social. Die USA würden den Iran vor dem 3. November nicht angreifen.

Dass Trump nach den Recherchen der Financial Times auch die israelischen Angriffspläne stoppte, geht über seine damalige öffentliche Ankündigung hinaus.

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Die amerikanische Regierung versucht derzeit, eine erneute militärische Eskalation zu vermeiden. Hohe Energiepreise und die Folgen des seit Februar andauernden Krieges belasten Trump im Wahlkampf.

Zugleich erhöht Washington den wirtschaftlichen Druck auf Teheran. Die amerikanische Regierung versucht mit Sanktionen und Einschränkungen des iranischen Ölhandels, Zugeständnisse in den Verhandlungen über das Atomprogramm und die Straße von Hormus zu erreichen.

Netanjahu erklärte nach den Planungen, ein Angriff sei „nicht günstig“

Der Bericht wirft auch Fragen zu Netanjahus bisherigen öffentlichen Äußerungen auf.

Am 14. Oktober, wenige Tage nach dem offenbar abgesagten Einsatz, erklärte der israelische Ministerpräsident gegenüber dem Armeesender, er strebe vor der Parlamentswahl am 27. Oktober keinen neuen Angriff gegen den Iran an.

Ein solcher Einsatz sei derzeit „für uns nicht günstig“, sagte er nach Angaben von Reuters.

Zuvor hatte bereits der israelische Fernsehsender Channel 12 berichtet, Netanjahu habe Trump zu neuen Angriffen noch vor den Wahlen in Israel und den USA gedrängt. Der Ministerpräsident verwies dabei demnach auf bedrohliche Entwicklungen im iranischen Atomprogramm.

Das Büro Netanjahus wies diese Darstellung zurück.

Die neuen Informationen der Financial Times gehen nun deutlich weiter: Demnach blieb es nicht bei Gesprächen über eine mögliche Offensive. Das israelische Militär soll bereits konkrete Angriffspläne vorbereitet haben.

Israels Militär warnte vor Folgen für die Wahl am 27. Oktober

Innerhalb Israels gibt es zudem Bedenken, welche Auswirkungen ein neuer Kriegsschub auf die bevorstehende Parlamentswahl haben könnte.

Nach Informationen von Channel 12 hatte Generalstabschef Ejal Samir bereits Anfang Oktober gegenüber amerikanischen Militärvertretern gewarnt, ein erneuter Großangriff auf den Iran könne die israelische Wahl gefährden.

Israel rechnet demnach damit, dass Teheran auf massive Bombardierungen mit umfangreichen Raketenangriffen reagieren würde. Eine solche Eskalation könnte die für den 27. Oktober geplante Abstimmung verzögern.

Auch Oppositionspolitiker äußern entsprechende Sorgen. Der frühere Ministerpräsident Jair Lapid erklärte am Samstag gegenüber Channel 12, er vertraue Netanjahu in Sicherheitsfragen nicht.

„Es gibt keine Geheimdienstinformationen, die es rechtfertigen würden, die Wahlen zu verhindern“, sagte Lapid laut Times of Israel.

Die israelische Armee hat inzwischen ihre Alarmbereitschaft erhöht. Generalstabschef Samir ordnete am Montag an, den Urlaub von Soldaten einzuschränken und die Streitkräfte vor der Wahl in höchste Bereitschaft zu versetzen. Offiziell begründete er dies mit möglichen Angriffen auf Israel und dem Schutz der Abstimmung.

Nach Hegseths Israel-Besuch: Neue Iran-Angriffe weiter möglich

Die abgesagte Offensive bedeutet offenbar nicht, dass Netanjahu seine Pläne aufgegeben hat.

Nach Informationen der Financial Times drängt der israelische Ministerpräsident weiterhin auf eine Wiederaufnahme größerer Angriffe gegen den Iran. Ein Informant bezeichnete erneute Militärschläge in den kommenden Wochen gegenüber der Zeitung als durchaus möglich.

Zusätzliche Aufmerksamkeit erhielt die Entwicklung durch einen unangekündigten Besuch von US-Verteidigungsminister Pete Hegseth in Israel.

Hegseth traf Netanjahu am Montag auf dem Luftwaffenstützpunkt Ovda im Süden des Landes. Wie Reuters unter Berufung auf israelische Regierungsvertreter berichtete, sprachen die beiden über die Bedrohung durch den Iran und die militärische Zusammenarbeit der Vereinigten Staaten mit Israel.

Auf dem Stützpunkt sind auch amerikanische Kampfjets und Tankflugzeuge stationiert.

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