Ein Auto zulassen oder Hilfe beim Sozialantrag bekommen, und das an einer einzigen Adresse: Der Landkreis Mittelsachsen baut seinen Service um. In Freiberg, Mittweida und Döbeln sollen Bürgerzentren entstehen. Zu den Bürgerzentren in Mittelsachsen hat der Kreistag am Mittwoch eine Grundsatzentscheidung getroffen, wie das Landratsamt am Donnerstag mitteilte. Für Freiberg und Döbeln stehen die Gebäude fest, für Mittweida noch nicht.
Der Umbau fällt in eine Zeit leerer Kassen. Für 2026 erwartet der Kreis ein Defizit von rund 62 Millionen Euro. Die Zentren sind deshalb mehr als ein Serviceversprechen: Sie gehören zu einem Paket, mit dem das Landratsamt effizienter werden und Geld sparen will.
Was die Bürgerzentren in Mittelsachsen anbieten sollen
In den Zentren sollen Besucher mehrere Anliegen an einer Stelle klären können, etwa die Zulassung eines Fahrzeugs oder Hilfe bei Sozialanträgen. Welche Leistungen genau dazugehören, legt das Landratsamt gerade fest.
Dahinter steht eine Arbeitsteilung: Vorn beraten Beschäftigte die Menschen und nehmen Anträge an, im Hintergrund bearbeiten Kolleginnen und Kollegen die Fälle in den Fachverfahren. Im Verwaltungsdeutsch heißt das Frontoffice und Backoffice.
„Mit diesen Zentren wird die Verwaltung gleichzeitig effizienter“, wird Landrat Sven Krüger in der Mitteilung zitiert. In der Abteilung Soziales habe man damit bisher gute Erfahrungen gemacht. „Unser wichtigstes Ziel dabei bleibt, die Bearbeitungszeiten schnellstens zu reduzieren.“
Freiberg, Döbeln, Mittweida: Hier entstehen die Zentren
In Freiberg zieht das Bürgerzentrum in das frühere Berufliche Schulzentrum in der Bergstiftsgasse. Das Gebäude gehört dem Landkreis, das Freiberger Kolleg bleibt dort. Geprüft wurde auch der Bahnhof, der Umbau des eigenen Hauses ist aber wirtschaftlicher. Mit einziehen wird die Ausländer- und Asylbehörde, die bisher in Brand-Erbisdorf sitzt; als Nächstes werden die Planungsleistungen ausgeschrieben.
In Döbeln wird bis Ende 2028 das Haus an der Straße des Friedens umgebaut, in dem heute Kfz-Zulassungsstelle und Fahrerlaubnisbehörde arbeiten. Zugleich will der Kreis seine Döbelner Räume besser auslasten und einen weiteren Standort in der Stadt aufgeben. Allein dieser Schritt würde die Bewirtschaftungskosten, also die laufenden Kosten der Gebäude, um rund 65.000 Euro senken, rechnet Krüger vor. Insgesamt liegen die Bewirtschaftungskosten laut Krüger bei gut 2,5 Millionen Euro.
In Mittweida ist noch offen, wo das Zentrum hinkommt; das Landratsamt arbeitet an einem Konzept und spricht dazu mit der Stadt. Alle drei Zentren sollen nah an der Innenstadt liegen und mit dem öffentlichen Nahverkehr erreichbar sein.
Landkreis im Dispo: So ernst ist die Lage
„Die Haushaltslage des Landkreises ist sehr kritisch“, sagt Kämmerer Christoph Trumpp, zugleich Erster Beigeordneter. Laut Prognose sind die liquiden Mittel zum Jahresende aufgebraucht. Der Kreis steckt dann mit rund 20 Millionen Euro im Dispokredit – ähnlich wie bei einem überzogenen Girokonto.
Hauptursache sind hohe Sozialausgaben, die in der Regel der Bund per Gesetz festlegt. Für Jugend und Familie sowie Soziales werden bis Jahresende zwölf Millionen Euro zusätzlich gebraucht. „Damit wird deutlich, dass wir unsere eigentlichen Aufgaben nicht mehr aus unseren eigenen Mitteln erfüllen können – und wir haben kaum einen Einfluss darauf“, so Trumpp. Günstige Witterung senkte zwar die Kosten für Winterdienst und Heizung, und Ausschreibungen zur Digitalisierung brachten gute Ergebnisse. Das Minus fängt das nicht annähernd auf.
Vom Freistaat erhofft sich der Kreis Besserung über den Finanzausgleich. Die Pläne sind noch Entwürfe, und laut Krüger wird das „nicht der große abschließende Schritt nach vorn“. Deshalb sei auch der Bund gefragt.
Mehr als 60 Ideen zum Sparen
Sparen muss der Kreis trotzdem auch selbst. Mithilfe externer Berater ist dafür ein Haushaltsstrukturkonzept mit mehr als 60 Maßnahmen entstanden, das dem Kreistag zur Kenntnisnahme vorlag. Es soll als Grundlage für die Debatte über den Haushalt 2027/2028 dienen. Darin stehen unter anderem schlankere interne Abläufe, die elektronische Akte im gesamten Landratsamt, ein gestraffter Immobilienbestand und optimierte Beschaffungen. Am Ende soll die Verwaltung mit weniger Personal auskommen, manches wirkt aber erst mittel- und langfristig.
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„Wir haben den deutlichen Druck, effizienter zu werden und damit Geld einzusparen – gleichzeitig bietet sich die Chance, den Landkreis positiv weiterzuentwickeln“, sagt Krüger.
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