Geldpolitik

Der digitale Euro kommt: Wie die EU das Bargeld verdrängt

Die EU verspricht, der digitale Euro solle Bargeld nur ergänzen. Doch Ausnahmeregeln, Automaten und Gebühren drängen Scheine und Münzen leise aus dem Alltag.

Hakon von Holst
12 Min
EZB-Chefin Christine Lagarde verspricht: Der digitale Euro soll das Bargeld ergänzen, nicht verdrängen. Kritiker bezweifeln das.

EZB-Chefin Christine Lagarde verspricht: Der digitale Euro soll das Bargeld ergänzen, nicht verdrängen. Kritiker bezweifeln das.

© Anton Chalakov/Imago

Bargeld ist staatliches Geld. Bargeld kann man in den eigenen Händen halten – zumindest bis jetzt. Denn die monetäre Verbindung zwischen Bürgern und Staat soll enger werden und digital. Auf der ganzen Welt arbeiten Zentralbanken daran, staatliches Geld in elektronischer Form verfügbar zu machen. Die Brücke zwischen den Währungsinstitutionen ist die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in Basel. Als Agustín Carstens an ihrer Spitze stand, sprach er von einem möglichen Bargeldersatz.

Er sagte 2019 in Dublin: „Für jemanden, der auf dem Heimweg von der Arbeit noch kurz beim Supermarkt Halt macht, ändert sich nicht viel. Er oder sie hätte nicht mehr die Möglichkeit, bar zu bezahlen. Alle Einkäufe würden elektronisch abgewickelt. Doch hier zeigt sich der erste Unterschied: Digitales Zentralbankgeld ist nicht unbedingt anonym wie Bargeld.“

Auch die Europäische Zentralbank (EZB) sprang schließlich auf den Zug auf und reagierte damit auf die zurückgehende Bedeutung des Bargelds an der Ladenkasse. Dem unausweichlichen Vorurteil begegnet Präsidentin Christine Lagarde mit einem Mantra: Der digitale Euro solle das Bargeld nicht ersetzen, sondern ergänzen. Hauptargument für das Währungsprojekt ist inzwischen die Unabhängigkeit von US-Zahlungsdienstleistern. Deren Macht ist in den letzten Jahren noch gestiegen. Rund 70 Prozent der Kartenzahlungen im Euroraum werden über außereuropäische Anbieter abgewickelt.

EU-Kommission erkannte Gefahr für Bargeld

Die Politik nennt Ziele. Doch welche Auswirkungen hat ein digitaler Euro in der Praxis? Wird er eine erfolgreiche Alternative zu Visa und Mastercard sein oder wird er die Abkehr vom Bargeld beschleunigen? Ulrich Clemens arbeitet mittlerweile als Gruppenleiter am digitalen Euro in der Generaldirektion Wirtschaft und Finanzen bei der EU. 2021 schrieb er im hauseigenen Fachmedium, digitales Zentralbankgeld in bargeldähnlicher Form könne durch „Netzwerkeffekte“ einen „Rückgang des Bargelds“ bewirken. Wie ist das zu verstehen?

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Auf Nachfrage meldete sich eine Sprecherin der EU-Kommission. Sinngemäß teilte sie mit, der Nutzen des digitalen Euro steige, je mehr Wirtschaftsteilnehmer ihn verwenden, wodurch er noch weitere Verbreitung finde. „Theoretisch könnte es gleichzeitig zu einem umgekehrten Effekt in puncto Bargeld kommen.“ Man habe jedoch Maßnahmen ergriffen, um die Akzeptanz von Bargeld zu stärken. Im Klartext: Händler lehnen zunehmend Bargeld ab, wenn weniger Leute Bargeld nutzen, wodurch noch weniger Leute Bargeld verwenden und noch mehr Händler Bargeld ablehnen. Verhindert Brüssel das wirklich?

2023 legte die EU-Kommission zwei Gesetzesentwürfe vor: Den digitalen Euro sollten die meisten Händler bei Strafe annehmen. Die Schwesterverordnung für das Bargeld jedoch hätte es Ladeninhabern ermöglicht, Barzahler mit einem Schild an der Tür abzuweisen. Vorgesehen war lediglich die statistische Erfassung solcher Fälle als Entscheidungsbasis für etwaige Gegenmaßnahmen.

Johannes Rauch, zu dieser Zeit Sozialminister von Österreich, resümierte, der Status von Bargeld als gesetzliches Zahlungsmittel werde „nicht gleichwertig wie der des digitalen Euro geschützt“. Der Ökonom Christian Rieck schrieb auf seinem LinkedIn-Kanal: „Ein gesetzliches Zahlungsmittel, das privilegiert wird, verdrängt das andere durch ökonomische Incentives, nicht durch demokratische Entscheidung.“

Digitaler Euro bleibt gesetzlich privilegiert

EU-Parlament und EU-Ministerrat griffen die Kritik auf. Sie überarbeiteten den Kommissionsvorschlag und brachten die zwingende Akzeptanz des Bargelds hinein. Doch es gibt Ausnahmen: In Abwesenheit von Verkaufspersonal gilt keine Annahmepflicht. Dem Juristen Franz-Christoph Zeitler zufolge ist ein „großer Teil des modernen Lebens“ betroffen: vom Fahrscheindrucker in Bus und Bahn über Parkuhren, Selbstbedienungskassen, Ausleihterminals in Bibliotheken, Kassenautomaten in Schwimmbädern bis hin zur öffentlichen Toilette in der Innenstadt. An allen diesen bargeldlosen Verkaufsstellen müsste der digitale Euro angenommen werden.

Bargeld gilt vielen als Garant für finanzielle Anonymität.

Bargeld gilt vielen als Garant für finanzielle Anonymität.

© K. Schmitt/Imago

Zeitler, einst Vizepräsident der Deutschen Bundesbank, sagt, großflächige Ausnahmen würden das Ziel der Verordnung „konterkarieren und könnten dazu führen, dass der Kipppunkt für ein schrittweises Verschwinden des Bargelds bald erreicht wird“. Das Ende der Fahnenstange scheint noch nicht erreicht: Ein internes Ministerratspapier vom 31. August offenbart Pläne, nach denen auch Busfahrer Bargeld ablehnen können sollen. Zudem wünschen sich bestimmte EU-Länder die „Beibehaltung bestehender Zahlungspraktiken“ bei „öffentlichen Dienstleistungen“.

Ob Finnland, Spanien oder Deutschland: Insbesondere staatliche Stellen wie Bürgerämter lehnen Bargeld ab. Offenbar soll es dabei bleiben. Nach Aussagen von Verhandlungsbeteiligten kämpfen insbesondere die deutsche und die niederländische Regierung für Ausnahmen.

Bargeld soll digital abgebildet werden

Als elektronisches Zahlungsmittel wäre der digitale Euro vor allem für Menschen interessant, die bevorzugt mit Karte oder Smartphone bezahlen. Dirk Löhr, Professor für Steuerlehre und Ökologische Ökonomik an der Hochschule Trier, glaubt jedoch: „Für viele Menschen, die Bargeld heute eher aus Gewohnheit als aus grundsätzlicher Überzeugung nutzen, wird der digitale Euro bequemer sein.“ Ausschlaggebend sei die „Kombination aus kostenloser Nutzung, breiter Annahme, europaweiter Verwendbarkeit und Integration in Bank- und Zahlungs-Apps“.

Der Wirtschaftsjournalist Norbert Häring sagt, der digitale Euro mache „Bargeld auf seinem angestammten Territorium Konkurrenz“. So sind im Nahbereich selbst bei Ausfall der Internetverbindung Zahlungen von Smartphone zu Smartphone möglich – ohne Austausch von Kontonummern. Die EZB wirbt für diese Offline-Funktion. Hier würde man die „Vorzüge elektronischer Zahlungen mit einem ähnlichen Maß an Privatsphäre wie beim Bargeld vereinen“. Allerdings können Nutzer ihr Geld nicht in digitalen Euros anlegen. Der Maximalbesitz pro Person läge bei 500 bis 3000 Euro.

Automaten zwingen Barzahler zum Umstieg

Häring fürchtet, dass die geplante Regulatorik bargeldlose Automaten fördert: „Wenn nur Verkaufsstellen ohne Kassenpersonal Bargeld ablehnen dürfen, wird es mehr davon geben, gegen die Präferenz der meisten Menschen. Eine Welt voller Automaten ist eine kalte, menschenfeindliche Welt.“

Julia Pitters lehrt Wirtschaftspsychologie an der IU – Internationale Hochschule. Sie sagt: „Wenn Menschen bereits auf dem Weg zum Einkaufen – etwa am Parkautomaten oder Fahrkartenautomaten – regelmäßig bargeldlos bezahlen müssen, wird digitales Bezahlen zunehmend zur Normalität. Diese Gewöhnung kann dazu führen, dass auch im Geschäft häufiger digitale Zahlungsmittel genutzt werden, selbst wenn dort weiterhin Bargeld akzeptiert wird.“

Unklar bleibt, ob der digitale Euro überhaupt das Vertrauen der Bürger gewinnt. Warum sollte man ihn verwenden, anstatt die gewohnten Bezahlwege zu nehmen? Der Volkswirt Bernd Lucke glaubt, der digitale Euro komme mit „geringer Aussicht auf breite Akzeptanz“. Pitters sieht es so: „Wer vor allem Wert auf Komfort und Geschwindigkeit legt, hat zunächst wenig Anreiz zu wechseln.“ Anders könne es bei Menschen sein, die bislang aus Datenschutzgründen bevorzugt Bargeld nutzen. „Für sie könnte der digitale Euro eine attraktive digitale Alternative darstellen.“

Allerdings sind die Bürger skeptisch. Pitters führte eine repräsentative Befragung in Österreich durch: Nur 24 Prozent glaubten demnach, dass der digitale Euro ihre Daten tatsächlich schützt. 72 Prozent befürchteten, dass der digitale Euro das Bargeld verdrängen könnte.

Staat will Werbetrommel rühren

Was, wenn den digitalen Euro „am Ende niemand nutzt“? Das wollten Journalisten der Welt-Zeitung von Bundesbank-Vorstand Burkhard Balz wissen. Er entgegnete: „Wir werden alles dafür tun, dass er angenommen wird. Dazu gehört auch eine breit angelegte Informationskampagne, ähnlich wie bei der Einführung des Euro-Bargelds.“

Doch werden sich die Finanzkonzerne geschlagen geben, wenn ihnen der digitale Euro die Kundschaft abgräbt? Oder werden wir Zeuge einer Werbeschlacht zwischen Staat und Finanzwirtschaft sein, in der für alles geworben wird, nur nicht fürs Bargeld? Christian Schlereth, Professor für Digitales Marketing an der Otto Beisheim School of Management, sagt: „Wird der digitale Euro dauerhaft als modern, bequem und breit einsetzbar dargestellt, könnte sich insbesondere bei unentschlossenen oder gelegentlichen Bargeldnutzern die Wahrnehmung dessen verschieben, was als normales oder zeitgemäßes Bezahlen gilt.“

Schlereth hält es für möglich, dass Zahlungsanbieter ihre Werbeaktivitäten ausdehnen. Vor allem könnten sie sich auf „Anreize und Zusatzleistungen“ profilieren. Verschiedene Sparkassen beispielsweise schenken ihren Kunden eine Rückvergütung aufs Konto bei Zahlung mit der Girocard.

Steigende Bargeldgebühren und ein kostenloser E-Euro

Die geplante Kostenfreiheit ist neben Anonymität und breiter Annahme im Handel das entscheidende Kriterium. Unter solchen Voraussetzungen wären 70 Prozent der Bürger bereit, den digitalen Euro auszuprobieren, wie Schlereth und Kollegen in einer Studie herausfanden. Bargeldgebühren am Bankautomaten bleiben jedoch erlaubt. Die Euroländer sollen zumindest einen „wirksamen Zugang“ zu Bargeld gewährleisten, wie es in der Verordnung heißt. Doch worin er besteht, bleibt unklar. In Schweden sieht der Gesetzgeber einen Automaten im 25-Kilometer-Umkreis als hinreichend an.

„Wenn weniger Menschen Bargeld nutzen, verteilen sich die Fixkosten der Bargeldinfrastruktur auf weniger Transaktionen“, erklärt Schlereth. Die Folge: Banken bauen Geldautomaten ab und an Fremdautomaten wird ein Entgelt fällig. Pitters sagt: „Werden Bargeldabhebungen als mit Aufwand oder Gebühren verbunden wahrgenommen, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Konsumentinnen und Konsumenten auf digitale Alternativen ausweichen.“ Löhr warnt vor einer Negativspirale: Irgendwann verliere „Bargeld nicht nur Marktanteile, sondern auch seine Funktionsfähigkeit als alltägliches Zahlungsmittel“.

Ein weiterer Punkt: Banken bieten teilweise günstige Girokonten mit flexiblen Entgelten an. Dann zahlt der Kunde Gebühren für jede Banküberweisung. Verwendet er stattdessen den digitalen Euro, könnte er solche Kosten vermeiden. Womöglich also ändern die Kreditinstitute das Gebührenmodell und führen dann auch Bargeldgebühren ein, um entgangene Einnahmen zu kompensieren. Die Deutsche Kreditwirtschaft schreibt auf Anfrage, die „Auswirkungen eines digitalen Euro auf die Preismodelle von Girokonten“ ließen sich „noch nicht verlässlich beurteilen“.

Händler geraten unter Druck

Laut Löhr verschärft der digitale Euro den „Wettbewerb innerhalb des elektronischen Zahlungsverkehrs“. Wenn der E-Euro breite Akzeptanz findet, können Händler dazu übergehen, die teureren Karten von Mastercard und Visa abzulehnen. Wo ein Kunde mit dem E-Euro einkauft, müssten Ladenbetreiber zwar wie bisher Gebühren an Banken und Zahlungsabwickler entrichten. Der Preis wäre jedoch gedeckelt, sodass die Unternehmen höchstens so viel zahlen wie für Einkäufe mit der Girocard. In der Folge kann die Finanzwirtschaft ihre Gebühren absenken, um die Akzeptanz ihrer Zahlungsmittel aufrechtzuerhalten.

Kein Gebührendeckel gilt, wenn Händler auf der Bank Bargeld einzahlen oder Wechselgeld besorgen. Der Handelsverband Deutschland lobbyierte an dieser Stelle vergeblich bei der Politik. Hauptgeschäftsführer Stefan Genth sagte 2024, Bargeld bleibe ein beliebtes Zahlungsmittel. „Wenn allerdings weiterhin immer mehr Bankfilialen schließen, droht der Bargeldkreislauf zusammenzubrechen.“

Häring prognostiziert, dass die politische Ungleichbehandlung des Bargelds in der Kostenfrage dazu führt, dass immer weniger Menschen Bargeld nutzen und dass es „immer weniger Anbieter geben wird, die auf Barzahlung bestehen“. Gerald Mann, Professor für Volkswirtschaftslehre an der FOM München, ergänzt: „Würden durch den digitalen Euro die Transaktionskosten von bargeldlosem Zahlen vom heutigen Niveau aus sinken, stiegen die Anreize bei den Händlern weiter, Bargeldzahlungen zurückzudrängen.“

Politische Unterstützung für Bargeld könnte abnehmen

Wie wird sich die Politik verhalten, wenn es nicht mehr ein, sondern zwei staatliche Zahlungsmittel gibt? „Das Bargeld rückt dann in den Hintergrund, weil es teurer zu handhaben ist“, glaubt Felix Fuders, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universidad Austral de Chile.

Ein ehemaliger Berater der EZB, Gunther Schnabl, Direktor des Flossbach von Storch Research Institute, antwortet: „Die EU behandelt den digitalen Euro und den Schutz des Bargelds bewusst als gemeinsames Gesetzgebungspaket, möglicherweise um politische Widerstände gegen den digitalen Euro zu überwinden. Doch das kann sich in Zukunft ändern. Ist der digitale Euro erst einmal etabliert, dann ist die Abschaffung des Bargelds leichter, weil es eine digitale Alternative zum Bargeld gibt.“

Immer mehr Banken bauen Geldautomaten ab. Für Barzahler wird der Zugang zu ihrem eigenen Geld zunehmend beschwerlicher.

Immer mehr Banken bauen Geldautomaten ab. Für Barzahler wird der Zugang zu ihrem eigenen Geld zunehmend beschwerlicher.

© Daniel Scharinger/Imago

Bislang zahlen die meisten Menschen keine Gebühr am Geldautomaten und Läden verlangen keinen Aufschlag für die Barzahlung. In Zukunft, sagt Schnabl, könnte die Politik beschließen, „die Kosten der Bargeldbereitstellung an die Nutzer weiterzugeben“. Dann „würden die Nutzung und damit der Widerstand gegen eine Bargeldabschaffung automatisch abnehmen“.

Löhr sieht „eine schleichende Prioritätenverschiebung“ kommen: „Der digitale Euro erhält eine neue, europaweit einheitliche Infrastruktur, eine breite Informationskampagne und eine weitgehende Annahmepflicht. Beim Bargeld wird dagegen im Wesentlichen versucht, den Rückbau der vorhandenen Infrastruktur zu begrenzen.“ Aus dem „angekündigten Nebeneinander“ könne „daher allmählich ein faktischer Vorrang des digitalen Euros werden“.

Dem Volkswirt Gerhard Rösl von der OTH Regensburg zufolge deuten die Bargeldinitiativen der EU und einzelner Mitgliedstaaten „auf eine Stärkung des zukünftigen Bargeldumlaufs“ hin. „Allerdings setzt das Bestreben der öffentlichen Verwaltungen, in den EU-Ländern immer weniger oder kein Bargeld mehr anzunehmen, ein entgegengerichtetes Signal.“

Experten schlagen Lösungen vor

Ist also der digitale Euro das große Problem? „Der kritische Punkt“, sagt der Politökonom Joscha Wullweber von der Universität Witten/Herdecke, „liegt meines Erachtens nicht beim digitalen Euro selbst, sondern bei der regulatorischen Ungleichbehandlung.“ Er gibt ein Beispiel: „Nichts hindert den Gesetzgeber daran, auch den Zugang zu Bargeld gebührenfrei zu sichern.“

Für den Ökonomen und Wirtschaftsethiker Peter Ulrich sind Bargeld und digitaler Euro in einem idealtypischen Geldsystem „gleichwertige Zahlungsmittel“. Die Zentralbank gewährleiste dann „die Annahmepflicht in beiden Formen, insbesondere für Zahlungsvorgänge in der öffentlichen Infrastruktur“.

Vorschläge für die Verfügbarkeit von Bargeld macht Rösl: „Erforderlichenfalls sollten Zentralbanken die Distributionskosten für ihr Geld selbst tragen, denn dann würde sich der Anreiz der Banken zum Abbau von Bargeldinfrastruktur verringern.“ So stellt etwa Österreichs Nationalbank inzwischen eigene Geldautomaten auf.

Mann weist auf etwas anderes hin: „Will der Gesetzgeber das Bargeld wirklich flächendeckend erhalten, müsste er darüber hinaus ein Rabattverbot zulasten von Bargeldzahlungen erlassen.“ Häring fügt an: „Die öffentliche Hand ist Vorreiter bei der Bargeldabschaffung auf Ämtern, Wertstoffhöfen und vor allem im Nahverkehr und beim Parken. Wenn der Staat aufhört, sein eigenes gesetzliches Zahlungsmittel zu bekämpfen und gegenüber anderen Zahlungsformen zu benachteiligen, braucht das Bargeld nicht viel Schutz.“ Einige Verkehrsbetriebe geben bis zu 30 Prozent Rabatt auf Ticketkäufe via Smartphone.

Ein „Verschlechterungsverbot für die Bargeldversorgung“ fordert Löhr. Es brauche „verbindliche Mindeststandards für die Entfernung“ zur nächsten Bargeldquelle und zugleich eine Freipostenregelung für Bargeldabhebungen. Für Händler müssten „wirtschaftlich tragbare Einzahlungs- und Wechselgeldmöglichkeiten“ bestehen. „Wenn der Zugang zum digitalen Euro kostenlos garantiert wird, muss auch ein grundlegender kostenloser Zugang zum Bargeld gesichert sein“, sagt Löhr. „Andernfalls entscheidet nicht der Bürger über das Zahlungsmittel, sondern die staatlich beeinflusste Kostenstruktur.“

Schon im Oktober könnten sich EU-Ministerrat und EU-Parlament endgültig einigen. Dann wird sich zeigen, ob die Politik bereit ist, Bargeld und digitalem Euro die gleichen Zukunftschancen zu geben.

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