Großer Auflauf bei der Einweihung der großen Produktionshalle für Ekato auf dem Hafengelände in Rostock. Auch die Ministerpräsidentin ist da. Sie nimmt sich trotz der Hektik, die bei solchen Terminen herrscht, Zeit für ein kurzes Gespräch mit Uwe Stieblich. Der Senior-Geschäftsführer von Stieblich Hallenbau aus Güstrow hat mit seinem Unternehmen nämlich die Halle gebaut. Sie ist 30 Meter breit, 50 Meter lang und 21,5 Meter hoch.
Der 70-Jährige ist augenscheinlich stolz über die Aufmerksamkeit, die ihm Manuela Schwesig schenkt. Beide dürften sich während ihrer Amtszeit schon so einige Male begegnet sein. Beide sind aus dem Osten.
Die neue Produktionshalle für die Firma Ekato in Rostock wurde ebenfalls von Stieblich-Hallenbau errichtet.
© Katja Frick/Ostdeutsche Allgemeine
Uwe Stieblich gehört zu einer besonderen Generation ostdeutscher Unternehmer: Menschen, die die wirtschaftliche Leerstelle der Wendejahre nicht nur als Bedrohung sahen, sondern auch als Möglichkeit begriffen. Zu dieser Generation zählen in Mecklenburg-Vorpommern zum Beispiel auch die Familie Kremer mit der Mecklenburger Landpute in Severin, der Neubrandenburger Unternehmer Owe Gluth, der Logistikunternehmer Volker Rumstich aus Parchim und abacus edv-lösungen in Wittenburg. Ihre Unternehmen sind völlig verschieden. Gemeinsam ist ihnen, dass ihre Geschichte mit dem wirtschaftlichen Umbruch im Osten begann.
Von 1981 bis 1990 war der gebürtige Güstrower und studierte Bauingenieur Uwe Stieblich für das Energiekombinat Schwerin für den Bau von Heizkraftwerken, Gastrassen und Stromleitungen verantwortlich. Nach dem Umbruch in der DDR wollte er sich mit dem Bau von Stahlbau-Hallen selbstständig machen, nachdem er 1990 auf der Leipziger Messe beobachtet hatte, wie sich um einen Anbieter schlüsselfertiger Hallen die Interessenten drängten. Für Stieblich war klar: Das können wir auch.
Kredit war nach Einigungsvertrag nur ein Zehntel wert
Als Eigenkapital hatte er für die Unternehmensgründung aber nur einen Wartburg und 15.000 Ostmark auf dem Konto. Damit ging er an einem Montag zur Volks- und Raiffeisenbank. Am Freitag besaß er zwar einen Kredit über 300.000 DDR-Mark, aber kurz darauf wurde der Einigungsvertrag unterschrieben und damit die Einführung der D-Mark besiegelt: Sein Kredit war nur noch zehnmal weniger wert. Der frischgebackene Unternehmer erlebte schlaflose Nächte.
Doch Stieblich Hallenbau hat bis heute durchgehalten und das Familienunternehmen durch alle Krisen gesteuert. Heute produziert der Betrieb Stahl- und Glasbauten, Produktions- und Lagerhallen, Feuerwehrhäuser, Autohäuser und Hangars. Die Firma übernimmt nicht nur den Stahlbau, sondern kann Gebäude von der Konzeption und Statik über die Fertigung bis zur Montage und technischen Ausstattung schlüsselfertig errichten. Unternehmenssitz ist weiterhin Güstrow, doch gebaut wird in ganz Europa.
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Wahrscheinlich hat schon so ziemlich jeder einmal in oder vor einer Stieblich-Halle gestanden. Der Betrieb mit heute 65 Mitarbeitern in Güstrow hat allein mehr als 60 Großflughallen und Rundhangars im deutschsprachigen Raum gebaut, unter anderem die drei Terminals am Flughafen Lübeck. Uwe Stieblich ist selbst Pilot und fliegt eine zweimotorige Beach Baron, mit der er immer vom Flughafen Laage zu den Baustellen fliegt.
Bau der Lagerhalle für Nord-Stream-Rohre in Lubmin
„Zu unseren größten Projekten gehörte der Bau der Hallen für die Nord-Stream-Pipelines in Mukran und Lubmin“, erzählt Uwe Stieblich. „In Lubmin lagern in einer großen Halle die Ersatzrohre für Fälle wie den, der nun passiert ist.“ Auf Nachfrage antwortet er: „Wenn die Politik das wollen würde, könnte Nord Stream sofort repariert werden. Das sollte meiner Meinung nach auch getan werden, damit wir nicht so abhängig vom teuren Frackinggas aus den USA und Katar sind.“
Was er vor allem lernen musste als ostdeutscher Unternehmer nach der Wiedervereinigung? „Die Preisgestaltung. Die Kalkulation mit Material, Lohnkosten, Fremdleistung und der eigenen Gewinnmarge dazu, und diesen Preis dann auch noch erfolgreich mit Auftraggebern zu verhandeln.“ Das sei eine tiefgreifende Veränderung zu vorher und nur durch tägliches Engagement möglich gewesen.
Das neue feste Gebäude, die MeLa Halle 4, dient auch als Veranstaltungsort außerhalb der Messe sowie dem Bevölkerungsschutz.
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„Aber wir haben nach der Wiedervereinigung in der Handwerkerschaft auch schnell Partnerschaften mit Kiel und Rothenburg gebildet. Es wurden Handwerkerverbünde gegründet, es gab eine Bürogemeinschaft mit Hamburg und Schleswig-Holstein, wo wir erfuhren, wie Buchhaltung und Kalkulation gehen.“
Unternehmensgründung heute schwerer als 1990
Dass sein Unternehmen erfolgreich wurde, habe auch damit zu tun, dass nach der Wiedervereinigung im Osten viel investiert wurde. Wie schwer es heute im Vergleich zu damals in Ostdeutschland sei, ein Unternehmen zu gründen? „Das ist heute viel schwieriger“, sagt Uwe Stieblich. Es sei auch heute sehr schwer für erfahrene Unternehmer wie ihn, eine Firma zu führen.
„Das ist unendlich schwierig. Zum einen wegen der langen Bearbeitungszeiten für eine Baugenehmigung zwischen sechs und 15 Monaten.“ Zwar dürfte die eigentlich nur drei Monate dauern, aber: „Kurz vor Ablauf der Frist kommt die Behörde dann mit einer kleinen Nachforderung, und dann hat sie wieder drei Monate Zeit für die Bearbeitung.“
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Für die Bearbeitung seien in der Regel die Baubehörden der Landkreise und der kreisfreien Städte zuständig. „Wenn dann die Baugenehmigung nach so langer Zeit da ist, stimmen die Preise aber nicht mehr, nach denen unser Angebot kalkuliert wurde. Dann muss mit dem Auftraggeber nachverhandelt werden.“
Das sei besonders gravierend bei Ereignissen wie dem Irankrieg. „Der hat im Februar begonnen. Durch die Blockaden der Straße von Hormus und die neuen Zölle, die vom Iran dort jetzt für Schiffstransporte erhoben werden, ist alles viel teurer geworden.“ Auch die Versicherungskosten seien stark gestiegen.
„Wir sind für unsere Hallen angewiesen auf Stahl, Wandelemente aus Metall, Öl und Produkte der chemischen Industrie wie Farben und Dämmung. Das alles muss per Schiff nach Deutschland transportiert werden.“ Dazu komme, dass in dieser Hochpreis-Zeit die Großhändler eine sofortige Barzahlung verlangen. „Vorher war für die Bezahlung von Rechnungen eine vierwöchige Frist normal.“
Unternehmen bleiben auf gestiegenen Kosten sitzen
„Das alles macht eine Verteuerung um etwa 30 Prozent aus. Das bekommt man ganz schwer auf die eigenen Preise umgelegt. Ein großer Teil dieser zusätzlichen Kosten bleibt an uns als Firma hängen.“
Zudem sei es dadurch schwieriger geworden, den Zeitplan für Aufträge umzusetzen. Für die Errichtung des ersten festen Gebäudes auf dem Gelände der Landwirtschaftsmesse MeLa in Mühlengeez ist Stieblich Hallenbau geradezu ein kleines Wunder gelungen. Die Halle mit 70 mal 25 Metern Grundfläche wurde innerhalb von drei Monaten fertiggestellt, obwohl wegen der Blockierung der Straße von Hormus in Deutschland kein Stahl lieferbar war. Uwe Stieblich nahm Kontakt zum Walzwerk Salzgitter auf und machte das Unmögliche möglich: Die Halle konnte am 1. September eingeweiht werden.
Einweihung der Messehalle in Mühlengeez bei Güstrow am 1. September 2026, links Uwe Stieblich.
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„Der Irankrieg hat die Preissteigerungen viel stärker beeinflusst als der Krieg zwischen Russland und der Ukraine und muss schnell beendet werden! Wir brauchen sichere Preise und Verlässlichkeit für die Zukunft, dass Kalkulationen auch in sechs Monaten noch stimmen.“
Zum Glück hat Stieblich-Hallenbau auch jetzt volle Auftragsbücher. „Wir bauen gerade in Trollenhagen bei Neubrandenburg eine neue Fahrzeughalle mit 900 Quadratmetern Grundfläche. Die wird in acht Wochen fertig“, sagt Uwe Stieblich. In Trollenhagen bei Neubrandenburg stellt die Bundeswehr das neue Heimatschutzbataillon 141 mit rund 180 Dienstposten auf.
Volle Auftragsbücher für Stieblich trotz aktueller Krise
„Kurz vor der Fertigstellung ist auch eine Flugzeughalle bei Zürich mit 1900 Quadratmetern Grundfläche.“ Das sei eine Halle für vier- bis sechssitzige Business-Flieger. „Das ist ein sehr großer Geschäftsbereich, die Hersteller solcher Flugzeuge sind für zwei Jahre ausgebucht.“
Für die Flugzeughalle auf dem Verkehrsflughafen Halle-Oppin wartet Stieblich Hallenbau gerade auf die Baugenehmigung. „Der private Investor will in der 750 Quadratmeter großen Halle auch ein oder zwei Maschinen für Geschäftsflüge abstellen.“
Wie er auf das Ergebnis der Landtagswahl am 20. September schaue? „Ich finde gut, dass Frau Schwesig mit einer deutlichen Mehrheit durch rot-rot-grün weiterregieren kann. Sie hat bisher gute Arbeit geleistet und geschafft, dass die zwischendurch pleitegegangenen Werften weiter betrieben werden. Das ist sehr wichtig. Gut wäre, wenn die neue Regierung mit ihr konsequent den Ausbau der Offshore-Windparks in der Ostsee betreibt, damit wir bei Strom und Energie unabhängig werden.“ Das locke Unternehmen nach MV. „Das sieht man ja an dem großen Rechenzentrum, das bei Rostock entstehen wird.“
Und noch etwas anderes ist essenziell für den Unternehmer: „Die nächste Generation wird unser Familienunternehmen fortführen. Mein Sohn Steffen Stieblich ist seit September 2025 nach 23 Jahren Betriebszugehörigkeit zweiter Geschäftsführer des Unternehmens geworden.“
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