„Die Zukunft unserer Heimat aktiv gestalten – mit Erfahrung, Verlässlichkeit und Leidenschaft!“ Dieser Leitspruch steht auf der Webseite von Steve Ittershagen. Der CDU-Politiker wird weiter gestalten können, als Stadtrat von Freiberg und auch als Geschäftsführer des Welterbe Montanregion Erzgebirge e. V. Doch seine Zeit als ehrenamtlicher Vize-Oberbürgermeister ist Geschichte.
Am Donnerstag folgte der Stadtrat einem Antrag der Freien Wähler, die die Abwahl von Ittershagen gefordert hatten. Sie begründeten ihr Ansinnen mit dem Vorwurf gegen den 49-Jährigen, er habe massiv die Wahlanfechtung gegen Oberbürgermeister Philipp Preißler vorangetrieben. Preißler war im zweiten Wahlgang im Oktober 2025 in das Amt gewählt worden, um das sich auch Ittershagen beworben hatte. Sein Amt konnte Preißler aber erst im Juni dieses Jahres antreten, da über die Anfechtung der Wahl entschieden werden musste.
Die Amtseinführung von Freibergs OB Philipp Preißler erfolgte mit achtmonatiger Verspätung.
© Stadt Freiberg
CDU-Politiker Ittershagen hatte mehrfach betont, dass er nicht der Initiator der Anfechtung gewesen sei, räumte aber ein, Dokumente gesammelt und auch weitergegeben zu haben, die bei dem Verfahren eine Rolle spielten. Damit sei, so argumentiert die Fraktion der Freien Wähler, Ittershagen nicht mehr tragbar als Vertreter des OB. Die Klage gegen die Wahl wurde schließlich am 23. Juni 2026 zurückgezogen.
Preißler darf seine Dienstgeschäfte derzeit nicht ausüben. Grund ist ein vorläufiges Dienstverbot und ein Disziplinarverfahren, angestoßen von Landrat Sven Krüger, dem früheren Oberbürgermeister von Freiberg. Sein damaliger Büroleiter hieß Philipp Preißler.
Suspendierter Freiberger Oberbürgermeister bricht sein Schweigen auf Instagram
Freiberger Oberbürgermeister randaliert in Leipziger Hotel: Krankenhaus
Am 4. August 2026 hatte Preißler in einem Leipziger Hotel randaliert und die herbeigerufenen Polizeibeamten verletzt. Er wurde ins Krankenhaus gebracht. Im Polizeibericht ist von einem psychischen Ausnahmezustand die Rede. Seit diesem Vorfall ist Preißler nicht mehr in das Freiberger Rathaus zurückgekehrt. Er war und ist für die Mitarbeiter der Stadtverwaltung, für Stadträte und selbst enge Freunde nicht erreichbar.
Anfang der Woche tauchte plötzlich ein Post auf seinem Instagram-Account auf. Das Foto lässt darauf schließen, dass er sich derzeit in der portugiesischen Hauptstadt Lissabon aufhält. Er forderte eine Aufarbeitung der Wahlanfechtung und auch der Rolle von Steve Ittershagen.
Ein Zuruf von der Seitenlinie, den nicht nur Stadtrat Ittershagen als befremdlich wahrnahm. „Er hatte ganz offensichtlich das Ziel, meine Abwahl zu forcieren“, so Ittershagen. Die Entscheidung des Stadtrates war dennoch denkbar knapp. Es wurde gerade einmal die erforderliche Mindestzahl von 18 Stimmen erreicht. Zuvor hatte Ittershagen in einer kurzen Rede darum geworben, seine Arbeit als stellvertretender OB zu bewerten. Und die hatte Ittershagen tadellos erledigt, bescheinigte ihm Martin Seltmann. Er leitet die Verwaltung kommissarisch.
Kritik am Landratsamt
Er werde jetzt deutlich weniger Arbeit haben und könne sich auf andere Aufgaben konzentrieren, erklärte Steve Ittershagen nach seiner Abwahl. Er sei angetreten und habe sich auf Vorschlag von Sven Krüger damals wählen lassen – natürlich um eine ganze Legislatur im Amt zu bleiben. „Der Stadtrat hat mich gewählt und nun wieder abgewählt, das geht für mich in Ordnung“, so der CDU-Politiker.
Für ihn ist das Verhalten des Oberbürgermeisters Preißler indiskutabel. Er sei seinen Bürgern eine Erklärung schuldig. Kritisch äußerte er sich auch gegenüber der Kommunalaufsicht des Landratsamtes. Hier werde gemauert, es gäbe keine klaren Aussagen zum Stand des Verfahrens. Die Bürger hätten aber mehr Transparenz verdient.
Der Nachfolger von Steve Itterhagen ist übrigens Holger Scheich. Er ist Geschäftsführer des Freiberger Bauhauses und sitzt als parteiloses Mitglied für die CDU im Stadtrat.
Amtsverweser soll bis zum Jahresende bestimmt sein
Da der Zeitpunkt der Rückkehr von Philipp Preißler aufgrund des schwebenden Verfahrens offen ist, hatten die Stadträte am Donnerstag zudem darüber zu entscheiden, ob ein Amtsverweser bestellt wird. Er hat alle Befugnisse eines Oberbürgermeisters und kann die Handlungsfähigkeit des Rathauses absichern. Steve Itterhagen war es wichtig, im Gespräch mit der Ostdeutschen Allgemeinen zu betonen, dass der amtierende Bürgermeister Martin Seltmann eine hervorragende Arbeit leiste und man keinesfalls von Dysfunktionen im Rathaus sprechen könne. Die Verwaltung sei auch in der Wahrnehmung des Stadtrates voll handlungsfähig.
Da die Zukunft von OB Preißler aber ungewiss ist, hat sich der Stadtrat mehrheitlich für die Einsetzung eines Amtsverwesers ausgesprochen. Diese war zu Beginn des Jahres schon einmal Thema, als die Wahlanfechtung lief, wurde aber abschlägig entschieden. Diesmal kam die notwendige Mehrheit zustande. Ein konkretes Datum für die namentliche Bestimmung oder Wahl der Person wurde am Donnerstagabend aber noch nicht fixiert. Es sei noch unklar, ob man die Stelle ausschreiben werde. In jedem Fall müsse der Amtsverweser die Kriterien eines Hauptverwaltungsbeamten erfüllen, und die Stadträte seien sich insofern einig, dass bis zum Jahresende eine Entscheidung getroffen sein soll.
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