Archäologie

Wo die Sowjetunion nach Aliens suchte: Himmelsscheibe von Nebra reist nach Armenien

Eine Masterkopie der Himmelsscheibe von Nebra ist ab heute in Armenien zu sehen. Die Ausstellung verknüpft den Fund aus Sachsen-Anhalt mit sowjetischer Weltraumforschung.

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Eine Masterkopie der Himmelsscheibe von Nebra ist ab heute in der armenischen Hauptstadt Jerewan zu sehen.

Eine Masterkopie der Himmelsscheibe von Nebra ist ab heute in der armenischen Hauptstadt Jerewan zu sehen.

© Anne Pollmann/dpa

Sie zeigt die älteste bekannte konkrete Darstellung astronomischer Phänomene und gehört zu den bedeutendsten archäologischen Funden der ganzen Welt: die Himmelsscheibe von Nebra. Ab heute ist eine hochwertige Masterkopie des Bronzezeitfundes in der armenischen Hauptstadt Jerewan zu sehen. Bis zum 29. November wird sie im Historischen Museum Armeniens präsentiert. Allerdings nicht verschlossen hinter einer Glasvitrine, sondern als Teil einer ungewöhnlichen Klanginstallation.

Die Ausstellung mit dem Titel „The Nebra Sky Disc in Yerevan – Stellar Frequencies“ verbindet Archäologie mit zeitgenössischer Kunst. Für die Präsentation wird die Himmelsscheibe in das Werk „Aenigmata“ des armenischen Komponisten Vardan Harutyunyan eingebunden. Keramikglocken der Künstlerin Anush Ghukasyan bilden vier Konstellationen im Ausstellungsraum und zusammen mit einer eigens  komponierten Musik soll eine immersive Umgebung entstehen. Die Klänge sollen Besucher dazu anregen, über die Beziehung der Menschheit zum Himmel und dessen Geheimnisse nachzudenken.

Hintergrund der Ausstellung ist das internationale Kulturprojekt „Stellar Frequencies“, das vom Goethe-Institut Armenien gemeinsam mit dem NOPA Soundartfestival und weiteren Partnern aus Armenien und Deutschland organisiert wird. Im Mittelpunkt steht dabei nicht nur die Faszination für den Kosmos, sondern auch die Geschichte der Weltraumforschung sowie ihre politischen Dimensionen.

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Wo einst die Sowjetunion nach Außerirdischen suchte

Ein weiterer Schauplatz des Projekts ist das armenische Weltraumzentrum Aragats. Die Anlage in den Bergen war in den 1960er- und 1970er-Jahren ein bedeutender Standort sowjetischer Weltraumforschung und spielte auch bei der Suche nach außerirdischem Leben eine Rolle. Heute sind die Gebäude verlassen und verfallen. Das Projekt stellt die Geschichte zeitgenössischen Fragen über den Blick ins All, technologische Entwicklungen und die Zukunft der Erde gegenüber.

Für Sachsen-Anhalt ist die Ausstellung auch Ausdruck einer länger bestehenden wissenschaftlichen Zusammenarbeit mit Armenien. Das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt (LDA) arbeitet schon seit Jahren mit dem Partnerland zusammen. Gemeinsam mit dem Historischen Museum Armeniens beschäftigten sich Fachwissenschaftler beider Einrichtungen im vergangenen Jahr beispielsweise mit der Konservierung eines fast 6000 Jahre alten Lederschuhs aus der Areni-1-Höhle, in der die älteste prähistorische Weinproduktionsanlage aus der Kupfersteinzeit entdeckt wurde. Die Präsentation der Himmelsscheibe von Nebra ist jedoch die erste gemeinsame Ausstellung beider Institutionen.

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Landesarchäologe Harald Meller sieht darin einen Höhepunkt der Zusammenarbeit. „Wir freuen uns sehr über die Gelegenheit, im Rahmen dieses beeindruckenden künstlerischen Rahmens die Himmelsscheibe von Nebra den Menschen in Armenien näherbringen zu können“, erklärt er.

Das Original bleibt in Halle

Die originale Himmelsscheibe bleibt unterdessen in Halle. Sie gehört zu den Hauptattraktionen des Landesmuseums für Vorgeschichte und wurde bereits von mehr als zwei Millionen Menschen im Museum und bei seltenen Ausstellungen außerhalb Sachsen-Anhalts gesehen.

Ihre internationale Bedeutung wurde 2013 mit der Aufnahme in das Unesco-Dokumentenerbe „Memory of the World“ gewürdigt. Hochwertige Kopien des Fundes werden regelmäßig an bedeutende Museen verliehen. „Stellar Frequencies“ wird neben Armenien auch in Berlin und in Nebra präsentiert.

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