Moosdorf hat ein gutes, ein wichtiges Buch geschrieben, dachte ich auf dem Bautzner Senf (mein gelbes Sofa); eine Krankheit, so schien mir, war ausgebrochen, der Selbsthaß, der Wahn, deutsche Kultur aus tausend Jahren habe ins Tausendjährige Reich gemündet, zwangsläufig, geradewegs, geradeaus, ohne Gnade, ohne andere Wege, Selbsthaß, dachte ich, zerfraß diese Gesellschaft, sie war an sich irre geworden, ging von innen zugrunde, schaffte sich ab und nannte weltoffen, was Verdrängung war.
Pegida hatte recht in der Absicht des Namens, dachte ich, sie findet statt, die Islamisierung des Abendlands, jeder, ihr Genossen von der Sächsischen Zeitung, der nicht völlig taub ist, hört die Gebetsrufe in europäisch gewesenen Städten, jeder sieht sie, die schleichende Ersetzung des öffentlichen Raums, jeder, der nicht blind ist oder bestochen, wie Brecht sagte, und ihr erhebt euch über die Form, den ungehobelten Ausdruck, und habt doch mal für Arbeiter geschrieben, und laßt den Inhalt fein beiseite, und dabei wäre zu fragen, ob ihr einverstanden seid, wollt ihr sie, die Islamisierung Europas? Soll auf unseren Kirchen der Halbmond stehen? Der Muezzin rufen? Die Frauen verschleiert, bei Trennung auf Afghanisch geschieden?
„Augen auf. Herzen auf. Türen auf. Wir sind kein Bühnenbild für Fremdenhaß“ – für wen aber spielt ihr, singt ihr, tanzt ihr nach euren wohlfeilen Protesten? Die Kultur zu verteidigen, von der auch ihr lebt, aus der auch ihr kommt, ist Fremdenhaß?
Kunst, schrieb Moosdorf, ist der Ort, an dem Freiheit Gestalt annimmt. „Kultur wieder zu beleben, bedeutet nicht, alte Formen zu restaurieren, sondern die Bedingungen der Selbstbestimmung neu zu schaffen.“
Aber waren die sogenannten Rechten nicht dumm, demokratie- und fremdenfeindlich, mindestens unterbelichtet, die hatten doch keine Kultur, so kam es mir entgegen, jeden Tag aus den Kommentarspalten und Meinungsartikeln in sogenannten progressiven und Leitmedien. Was wußten sie von Diktatur? Sie interessierten sich nicht für die jüngstvergangene, nicht wirklich oder nur, sofern der Blick darauf ihre Weltsicht bestätigte, alle „da drüben im Osten“ diktatur-, autoritätshörig, putingeknechtet. Usw.
Nein. Nicht das, und nicht abgehängt. Nein, weder dumm noch Nazi, nur weil man eine andere Sicht auf Migration, Energiewende, MeToo im Fall Lindemann, Corona, Verwendung von Steuergeldern, auf NGOs und Medien hatte, die, dachte ich, ihre Arbeit nicht machten, wenn sie nicht die Regierung, sondern die Opposition kritisierten, wenn FAZ und Süddeutsche, Spiegel, Zeit und die Vertreter des RND, vom ÖRR zu schweigen, zu obigen Themen Schleimspuren um das Regierungsviertel zogen, Hinterlassenschaften eines einst ehrwürdigen Journalismus (Deutschlandfunk, wo ist dein Deutschland geblieben); nein, kein demokratisches Defizit im Osten, im Gegenteil, ich erinnerte mich nur zu gut an die Demonstrationen von 89, war dabeigewesen, („Als wir nicht erschossen wurden“, Jörg Bernig), teuer war die Freiheit erkauft worden, unter Einsatz des Lebens.
Was hatten diese Staatsarroganten riskiert, was erlebt, daß sie auf ihre Landsleute aus dem Osten herabsehen zu müssen glaubten, woher ihre Selbstgewißheit, ihre goldenen Löffel, mit denen sie die Weisheit gefressen hatten seit der Wiege? Nein, es geht genau darum, um Demokratie, nicht „Unseredemokratie“, ihr Wanderwitze und Untersteller, ihr geschmeidigen und um Subventionen fürchtenden Kulturschaffenden, Opportunisten, öffentlich-rechtlichen LüLüs (Lücken & Lügen) usw.
Wut, Verzweiflung über den Zustand dieses, auch meines Lands, der res publica. Auch Haß. Auf die aus Beschränktheit oder Berechnung handelnden Zerstörer im Namen von „Unseredemokratie“, die Lippenbekenntnisse des Kulturbetriebs, den Haltungsjournalismus, er wäre im Stürmer oder im Neuen Deutschland willkommen gewesen. Haß, ein starkes Wort, vielleicht zu stark, und war es nicht das, was man „uns“ (gab es das, dieses „uns“?) so oft unterstellte, Haß & Hetze, Populismus und Dummheit, natürlich, der Abweichler war dumm, sagte das Falsche, hatte keine Ahnung, verzerrte die Tatsachen, die Wirklichkeit, verbreitete Fake News, hatte keine Bildung, kein Herz, war ein schlechter Mensch, inszenierte sich als Opfer, war Fremdenfeind, Rassist; bald, dachte ich auf dem Bautzner Senf (mein gelbes Sofa), regelt das die KI.
Kein altes Lied: Warum die Debatte zwischen Ost und West nie wirklich geführt wurde
„Ist das noch mein Land?“: PEN Berlin bringt Literatur-Prominenz nach Sachsen-Anhalt
Kultur von rechts. Ich zuckte zurück im ersten Augenblick, ich mochte solche Zuspitzungen nicht, sie erschienen mir einseitig, tendenziös, dagegen war ich empfindlich, das war die Sprache der Politik. Dort begann das Wir, das Uns, die Gemeinschaft, dort begannen die Bekenntnisse. Ich war kein „wir“, war allergisch gegen „Wirsindmehr“, das war die Sprache von Funktionären, von Kulturschaffenden, die nach Aufforderung zur Leipziger Buchmesse die Fähnlein der richtigen Gesinnung hochhielten.
Moosdorf, dachte ich, ein Musiker, Cellist, und bei der AfD, das waren die Falschen, die Schmuddelkinder, mit denen sich sogenannte anständige Menschen nicht abgaben, schon das erregte meinen Widerspruch. Aufgeklärte, intelligente Menschen holten Verachtung hervor, glaubten blind einem Verfassungsschutz, als wäre der die objektive Letztinstanz, glaubten den sogenannten Narrativen, der offenbaren oder vorgetäuschten Blödheit gewisser Journalisten, Künstler, die Punks gewesen waren, gaben sich voller Ekel, lieferten regierungstreue Bekenntnisse ab, Staatspunks, Widerspruch in sich, vom Erfolg korrumpiert, und sprangen zum Beweis ihres Muts nachts ins Becken vom Dresdner Arnhold-Bad.
Moosdorf also, einst Mitglied im Leipziger Streichquartett, das zu den besten Kammermusikensembles der Welt gehört hatte, aber zerbrochen war, man wollte, hatte ich gehört, mit „einem wie“ Moosdorf nicht mehr musizieren, und warum? Weil er es gewagt hatte, zu seinen Überzeugungen zu stehen, für seine, unsere abendländische Kultur einzutreten, sie zu verteidigen. Traurig, daß das nötig war, rechtfertigungsbedürftig, und gab es sonst eine sogenannte Elite, welche die eigene Kultur verächtlich machte, und jene, die sie verteidigten, anbräunte? Ein Musiker in einem der besten Ensembles der Welt, dachte ich, wurde bespottet, niedergemacht, als Feind hingestellt, als Feind und Faschist; usw.
Wer öffentlich sich äußert, muß Widerspruch vertragen. Selbstverständlich, dachte ich, solange dieser Widerspruch keine sozialen Folgen hat. Wer von den Guten verliert einen Auftritt? Herr Friedman? Der schlug Krach, und alle knickten ein, und dann trat er in Bayreuth auf. Igor Levit, Danger Dan? Ach wo, die Süddeutsche kroch zu Kreuze, leistete öffentliche Abbitte, nachdem ein Kritiker es gewagt hatte, an Levits Aktivismus zu zweifeln; man nannte das auch doppelte Maßstäbe; Heuchelei, es erinnerte an Praktiken der chinesischen Kulturrevolution.
Moosdorf schrieb vorsichtig, ruhig, abwägend, ein liberaler Leipziger Geist, der die Kultur seines Herkommens spürbar liebte, auf Bildung Wert legte, aus dessen Überlegungen Verantwortungsbewußtsein, Bewußtsein für die Funktionsweise von Gesellschaft überhaupt, für Balance der Ansprüche und Voraussetzungen gedeihlichen Zusammenlebens sprachen.
Jenny Gertz in Halle (Saale): Tanzpädagogin, Visionärin und Revolutionärin
Uwe Tellkamp über deutsche Migrationspolitik: „Wollen wir das überhaupt?“
Agitation und Propaganda kam mir von anderswo entgegen, aus den Haltungsmedien wie Zeit (dem Osten die Gelder streichen) und Spiegel (Siegmund-Cover); aus dem Thalia-Theater mit als Stück getarnter Inquisition, dem Berliner Ensemble nach der Correctiv-Farce; aus all den Offenen Briefen und Aufrufen gegen rechts der Kulturschaffenden, wo wären sie im Dritten Reich gewesen, im Widerstand oder in der Reichskulturkammer, wo waren ihre Bekenntnisse nach dem Breitscheidplatz, nach Magdeburg, dem CSD in Berlin, wo gegen die Grooming Gangs in England, gegen Clans, wo die Stimmen unserer Kirchen gegen die Christenverfolger, Islamismus und Moscheen, die Kulturschaffenden, die vor der Wahl in Sachsen-Anhalt mit Heimatliebe kommen, noch gestern ein Haß-&-Hetze-Wort der bösen Rechten?
Matthias Moosdorf:
Kultur von rechts. Zwischen Restauration und Revolution
264 Seiten, 22 Euro
Aber hatte ich denn kein Verständnis für die Ängste der Kämpfer gegen rechts? Jeder, dachte ich (und schrieb Moosdorf), soll nach seiner Fasson selig werden, aber das nicht unbedingt steuerfinanziert.
Solange Narren und Ablaßhändler, dachte ich, die Energiewende wie einen Fetisch behandeln und Blackouts achselzuckend in Kauf nehmen, solange Bildung statt „Faust“ „Fack ju Göhte“ fördert, solange geistig Privatinsolvente und Lobbyisten jeden Sommer zur Klimahölle aufblasen, braucht es eine Kultur von rechts. Solange Schuldbewirtschafter, Kirchen und heilsdurchglühte Kinder Asyl und Flüchtlinge mit Invasion verwechseln (zuletzt Ceuta), braucht es eine Kultur von rechts. Solange Corona-Faschismus öffentlich von „den Vielen“ beklatscht wird („Kein Zutritt für“, „mit dem Finger auf sie zeigen“), braucht es eine Kultur von rechts. Solange von zehn Todesopfern in Halle das zehnte (die Mutter) verschwiegen wird, nach den unzähligen Todesopfern durch Einmann Polizeibekannt aber sofort das Kleinreden beginnt, braucht es eine Kultur von rechts.
Moosdorfs Buch ist eine Korrektur.
Der Autor legt Wert auf die Verwendung der traditionellen Rechtschreibung.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]