Erinnerungskultur

9. November: Magdeburg gedenkt der Opfer der Pogromnacht von 1938

Magdeburg erinnert am 9. November an die Pogrome von 1938. Stadt, Kirchen und beide jüdischen Gemeinden laden zum Gedenken ein.

3 Min
Mehr als 900 Stolpersteine erinnern in Magdeburg an Opfer des Nationalsozialismus. Seit 2007 werden sie verlegt, bezahlt werden sie ausschließlich aus Spenden.

Mehr als 900 Stolpersteine erinnern in Magdeburg an Opfer des Nationalsozialismus. Seit 2007 werden sie verlegt, bezahlt werden sie ausschließlich aus Spenden.

© Klaus-Dietmar Gabbert

Magdeburg erinnert am kommenden Montag an die Opfer der Novemberpogrome von 1938. Die zentrale Gedenkstunde zum 88. Jahrestag beginnt am 9. November um 13 Uhr im Forum Gestaltung. Danach gehen die Teilnehmer schweigend zum Mahnmal der zerstörten Synagoge und legen dort Kränze nieder.

Der Weg führt an den Ort, an dem in der Pogromnacht die Magdeburger Synagoge zerstört wurde. Mit den Pogromen begann die systematische Verfolgung jüdischer Menschen, ihre Häuser, Synagogen und ihr Eigentum wurden zerstört. Das Gedenken richtet der Evangelische Kirchenkreis gemeinsam mit der Stadt, dem Forum Gestaltung und den beiden jüdischen Gemeinden aus. Die Gemeinden übernehmen im jährlichen Wechsel die geistliche Begleitung. In diesem Jahr ist die liberale Jüdische Gemeinde an der Reihe.

Oberbürgermeisterin und Landesbeauftragter sprechen

Für die Stadt spricht Oberbürgermeisterin Simone Borris, für das Land der Beauftragte für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus, Wolfgang Schneiß. Für den Kirchenkreis spricht Superintendent Stephan Hoenen. Die Gedenkworte der jüdischen Gemeinden überbringen Inessa Myslitzka, Vorstandsvorsitzende der Synagogen-Gemeinde, und Larisa Korshevnyuk, Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde.

Neben den Reden gehören Gebete zur Gedenkstunde. Sie werden von Kantorin Shulamit Lubowska vorgetragen. Auch der katholische Kathedralpfarrer Daniel Rudloff wirkt mit. Schüler einer elften Klasse des Geschwister-Scholl-Gymnasiums zeigen eine künstlerische Arbeit zu Texten des Schriftstellers Elie Wiesel. Während der Gedenkstunde wird die Menora entzündet, der siebenarmige Leuchter als Symbol des jüdischen Glaubens, und am Klavier spielt Petra Steinbring.

Mahnmal aus DDR-Zeiten erinnert an 1521 Opfer

Das Mahnmal, an dem der Gedenkweg endet, hat der Magdeburger Metallgestalter Josef Bzdok geschaffen. Es entstand 1988 zum 50. Jahrestag der Pogrome, also noch zu DDR-Zeiten. Laut Inschrift wurden 1521 Magdeburger jüdischen Glaubens Opfer des NS-Terrors, darunter 287 Kinder. Seit 2004 erinnert gleich daneben außerdem ein Relief an die zerstörte Synagoge.

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Ganz in der Nähe gibt es seit 2023 wieder ein Gotteshaus: die Neue Synagoge. Das Grundstück hat die Stadt geschenkt, das Land Sachsen-Anhalt hat sich an den Baukosten beteiligt und ein Förderverein hat Spenden gesammelt. Die Synagoge ist das religiöse Zentrum der Magdeburger jüdischen Glaubens und soll zugleich ein Ort der Begegnung für alle Einwohner sein.

Weitere Orte erinnern an NS-Verbrechen

Auch an anderen Stellen der Stadt wird an Verbrechen der NS-Zeit erinnert. Seit 2001 steht das Mahnmal „Magda“ für ein Außenlager des KZ Buchenwald, das denselben Namen trug. Dort wurden mehr als 2000 Häftlinge zu Tode gequält, die meisten von ihnen ungarische Juden. Ein weiteres Außenlager war im damaligen Polte-Werk: Bis April 1945 wurden mehr als 3000 Frauen und rund 600 Männer dorthin verschleppt, und wer zu geschwächt war, wurde zur Ermordung nach Auschwitz, Bergen-Belsen oder Ravensbrück gebracht.

An einzelne Opfer erinnern die Stolpersteine, die in den Gehweg eingelassen sind. In Magdeburg werden sie seit 2007 verlegt, der erste erinnert an den früheren Bürgermeister Herbert Goldschmidt. Im Oktober wurden zum 49. Mal Steine verlegt, inzwischen sind es mehr als 900 im ganzen Stadtgebiet. Bezahlt werden sie ausschließlich aus Spenden.

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