Die Max-Grünebaum-Stiftung hat am Sonntag in Cottbus ihre Preise für künstlerischen und wissenschaftlichen Nachwuchs vergeben. Bei einer Matinee wurden der Balletttänzer Alyosa Forlini vom Staatstheater Cottbus und die Informatikerin Asya Mitseva von der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg (BTU) ausgezeichnet. Es war die 30. Preisverleihung der Stiftung. Die beiden Hauptpreise sind mit jeweils 5000 Euro dotiert.
Forlini erhielt den Preis, weil er in zahlreichen Hauptrollen überzeugt und das Ballettensemble geprägt habe, wie die Stiftung mitteilte. Mitseva wurde für ihre Doktorarbeit geehrt. Darin untersucht sie, welche Spuren Menschen trotz Anonymisierung im Netz hinterlassen und wie sie sich besser schützen lassen.
Von der Mailänder Scala in die Lausitz
Forlini ist Italiener. Seine Ausbildung begann an der Ballettschule der Mailänder Scala, 2012 wechselte er an die Staatliche Ballettschule Berlin. Nach einem Engagement am Mecklenburgischen Staatstheater kam er zur Spielzeit 2019/20 nach Cottbus. Zu seinen markanten Rollen dort zählt der Petruschka.
Mitseva hat ihre Dissertation an der BTU geschrieben und dort im Juli 2025 verteidigt. Im Mittelpunkt steht das Tor-Netzwerk, ein Dienst, der verschleiert, welche Websites ein Nutzer aufruft. Bestimmte Daten bleiben dabei aber sichtbar, etwa wie viele Datenpakete fließen, in welche Richtung und in welchem Takt. Aus solchen Mustern können Angreifer unter Umständen ablesen, welche Seite jemand besucht.
Lücken beim anonymen Surfen
Für eine gemeinsame Arbeit mit Andriy Panchenko, die 2024 auf einer internationalen Fachkonferenz für IT-Sicherheit vorgestellt wurde, berücksichtigte Mitseva, dass Nutzer oft mehrere Unterseiten derselben Website nacheinander aufrufen. Die so entwickelten Verfahren erkannten in Tests bei mehr als der Hälfte der untersuchten Websites fehlerfrei, welche Seite aufgerufen wurde. Je nach Vergleich waren sie 2,5- bis fünfmal genauer als frühere Methoden und schwächten bestehende Schutzmaßnahmen teils deutlich. Das gilt für die untersuchten Fälle. Dass sich jeder Tor-Nutzer enttarnen ließe, folgt daraus nicht.
Die Dissertation befasst sich zudem mit weiteren Angriffswegen, etwa über die Netze, die den Datenverkehr im Internet weiterleiten. Als Gegenmaßnahme untersucht Mitseva unter anderem, den Datenverkehr eines Nutzers auf mehrere Tor-Verbindungen aufzuteilen.
Erinnerung an einen Cottbuser Ehrenbürger
Die Preise erinnern an den jüdischen Tuchfabrikanten Max Grünebaum (1851–1925), dessen Geburtstag sich zwei Tage vor der Verleihung zum 175. Mal jährte. Er gründete 1876 mit Julius Kaufmann eine Tuchfabrik, war kommunalpolitisch aktiv und unterstützte soziale Einrichtungen sowie die berufliche Bildung in der Stadt. Auch das Cottbuser Theater förderte er. Nach Angaben der Stiftung stiftete er unter anderem dessen ersten Vorhang. Cottbus ernannte ihn zum Ehrenbürger.
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In der Zeit des Nationalsozialismus wurden Grünebaums Nachfahren aus Deutschland vertrieben, das Familienvermögen wurde enteignet. In England gelang der Familie ein Neuanfang. Nach dem Ende der DDR konnte sie Entschädigung geltend machen. Mit einem Teil davon gründeten die Enkel 1997 die Stiftung, um die frühere Heimatstadt zu unterstützen.
Fast 30 Jahre Nachwuchsförderung
Seit 1997 zeichnet die Stiftung junge Künstler des Staatstheaters Cottbus aus, seit 2000 auch junge Wissenschaftler der BTU. Neben den Hauptpreisen vergibt sie Förderpreise mit jeweils 3500 Euro.
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