Ukraine-Krieg

Putin wollte Melania Trump unbedingt als Vermittlerin – und soll ihr einen Brief geschrieben haben

Russische Militärvertreter sollen die Feuerpause in Oleschky sogar vorgezogen und ausgeweitet haben. Die Ukraine befürchtet, dass Moskau die Evakuierungen politisch ausnutzt.

6 Min
US-First-Lady Melania Trump im Weißen Haus

US-First-Lady Melania Trump im Weißen Haus

© Andrew Leyden/imago

Russlands Präsident Wladimir Putin soll ausdrücklich gewünscht haben, dass Melania Trump bei der Vereinbarung einer Feuerpause in der Ukraine vermittelt. Nach Angaben ihres Beraters Marc Beckman bestätigte der Kremlchef diese Rolle sogar in einem offiziellen Schreiben. Darin habe er die Ehefrau von US-Präsident Donald Trump als ausschließliche Vermittlerin von russischer Seite anerkannt.

„Präsident Putin wollte sehr gerne, dass sie sich beteiligt“, sagte Beckman am Mittwoch in einem Interview mit dem Kyiv Independent.

Der Brief wurde bislang nicht veröffentlicht. Die Angaben über seinen Inhalt lassen sich deshalb nicht unabhängig überprüfen. Dass Melania Trump die Verhandlungen über eine örtliche Waffenruhe in der russisch besetzten Stadt Oleschky koordinierte, haben dagegen sowohl die ukrainische als auch die russische Seite bestätigt.

Die Feuerpause gilt seit Dienstag im Gebiet Cherson. Sie soll Hilfslieferungen und die Evakuierung von Zivilisten ermöglichen, die seit Monaten weitgehend von der Außenwelt abgeschnitten sind.

Putin soll Melania Trump mit offiziellem Brief anerkannt haben

Nach Beckmans Darstellung begann die ungewöhnliche diplomatische Initiative auf ukrainischer Seite. Das Team der First Lady habe zunächst die Zustimmung der Regierung von Wolodymyr Selenskyj eingeholt. Anschließend sei Russland kontaktiert worden.

Putin habe mit einem offiziellen Schreiben reagiert und Melania Trump ebenfalls als Vermittlerin anerkannt.

Über diese Korrespondenz berichtete auch Fox News unter Berufung auf Beckman. Demnach stimmten beide Kriegsparteien der besonderen Vermittlungsrolle schriftlich zu.

Russlands Präsident Wladimir Putin soll Melania Trump ausdrücklich als Vermittlerin für die Feuerpause in der Ukraine gewünscht und ihr dies in einem persönlichen Schreiben bestätigt haben.

Russlands Präsident Wladimir Putin soll Melania Trump ausdrücklich als Vermittlerin für die Feuerpause in der Ukraine gewünscht und ihr dies in einem persönlichen Schreiben bestätigt haben.

© Maksim Bogodvid/imago

Am 23. Oktober unterzeichneten Vertreter Russlands und der Ukraine in Belarus eine Vereinbarung über die humanitäre Operation. Fox News veröffentlichte die Unterschriftsseiten des Abkommens. Demnach waren der ukrainische Menschenrechtsbeauftragte Dmytro Lubinez und die russische Beauftragte Jana Lantratowa beteiligt.

Melania Trump nahm nach Angaben ihres Beraters per Videoschaltung an den abschließenden Gesprächen teil.

Kremlsprecher Dmitri Peskow bestätigte am selben Tag die Vereinbarung und würdigte die amerikanische Präsidentengattin. Sie habe einen wichtigen Beitrag zur Koordinierung der humanitären Operation geleistet, erklärte er gegenüber Reuters.

Nach Peskows Angaben war ihre Beteiligung auch bei einem Telefonat zwischen Putin und Donald Trump besprochen worden.

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Russische Militärs wollten Feuerpause offenbar früher beginnen lassen

Besonders bemerkenswert sind neue Angaben Beckmans über die Rolle des russischen Militärs.

Demnach schlugen russische Militärvertreter selbst vor, die Feuerpause zwei Tage früher beginnen zu lassen als ursprünglich vorgesehen. Statt am 29. Oktober sollte sie bereits am 27. Oktober in Kraft treten.

Außerdem habe Russland angeboten, das Gebiet der Waffenruhe über Oleschky hinaus auf weitere Teile der Region Cherson auszudehnen. Die Ukraine habe beiden Änderungen zugestimmt.

Dass Beginn und Geltungsbereich tatsächlich geändert wurden, hatte Melania Trump am Dienstag öffentlich bestätigt. Dass die Vorschläge dafür von russischen Militärvertretern kamen, geht dagegen auf die Angaben ihres Beraters zurück.

Beckman wertete die Änderungen als Zeichen guten Willens. Beide Seiten hätten bei der Umsetzung bislang bemerkenswert gut zusammengearbeitet, sagte er dem Kyiv Independent.

Nach Angaben der Menschenrechtsbeauftragten Russlands und der Ukraine wurde die Feuerpause in den ersten 30 Stunden eingehalten. Am Donnerstagmorgen bestätigte Lubinez, dass weiterhin keine Verstöße gemeldet worden seien.

Die Entminung wichtiger Zufahrts- und Evakuierungsrouten laufe, erklärte der ukrainische Menschenrechtsbeauftragte laut Ukrinform. Erst danach sollen Hilfsgüter geliefert und Bewohner in Sicherheit gebracht werden.

Warum Putin Melania Trump entgegenkommen könnte

Die Bereitschaft des Kremls zu einer Vermittlung durch die amerikanische First Lady beschäftigt auch westliche Sicherheitsexperten.

John Foreman, früherer britischer Verteidigungsattaché in Moskau und Kiew, vermutet dahinter politisches Kalkül. Russland könne sich durch die Zusammenarbeit mit Melania Trump gegenüber den Anhängern ihres Mannes als friedensbereiter Akteur präsentieren.

„Sie wissen genau, was sie tun“, sagte Foreman dem Kyiv Independent. Die Anerkennung für die Vermittlung Melania Trump zu überlassen, könne Russlands Ansehen bei Trumps Anhängern vor den amerikanischen Kongresswahlen am 3. November verbessern.

Belege dafür, dass Putin die humanitäre Vereinbarung aus diesem Grund unterstützte, gibt es allerdings nicht.

Die ukrainische Regierung äußert unterdessen erhebliche Bedenken gegen die geplanten Evakuierungen.

Selenskyj befürchtet, dass Russland die Entminung der Straßen so organisiert, dass möglichst viele Bewohner in russisch kontrollierte Gebiete gebracht werden.

Auch Außenminister Andrij Sybiha warnte vor einer russischen Propagandakampagne. Moskau könnte die Evakuierungen nutzen, um sich als Retter der Bevölkerung darzustellen.

Für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgt die geplante Begleitung der Operation durch amerikanische Journalisten. Nach Angaben von Fox News sollen vier Mitarbeiter des konservativen Fernsehsenders Newsmax die humanitäre Mission dokumentieren. Das Weiße Haus hatte zuvor angekündigt, eine amerikanische Medienorganisation werde die freiwillige Entscheidung der Bewohner über ihren Evakuierungsort überprüfen.

Tausende Menschen in Oleschky von Hilfe abgeschnitten

Oleschky liegt am östlichen Ufer des Dnipro gegenüber der ukrainisch kontrollierten Stadt Cherson. Russland besetzte den Ort kurz nach Beginn seiner großangelegten Invasion im Februar 2022.

Vor dem Krieg lebten dort etwa 24.000 Menschen. Nach Schätzungen des Weißen Hauses befinden sich heute noch 1700 bis 2000 Bewohner in der Stadt, darunter ungefähr 50 Kinder. Die ukrainischen Behörden hatten für Oleschky und die umliegenden Gebiete zuvor mehr als 6000 verbliebene Menschen angegeben.

Viele Einwohner haben keinen ausreichenden Zugang zu Lebensmitteln, Medikamenten und Trinkwasser. Verminte Straßen, zerstörte Infrastruktur und die russischen Zugangsbeschränkungen erschweren die Versorgung.

Die örtliche Waffenruhe soll nach derzeitiger Planung bis zum 1. November dauern. Vertreter der Ukraine, Russlands und der USA sollen die humanitäre Mission begleiten.

Der ukrainische Menschenrechtsbeauftragte Lubinez erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur AP, Bewohner könnten selbst entscheiden, ob sie in die Ukraine oder nach Russland ausreisen wollen. Auch die Menschen, die in Oleschky bleiben möchten, sollen weiter mit Hilfsgütern versorgt werden.

Für eine Feuerpause hatte sich zuvor auch Papst Leo XIV. eingesetzt. Bei einem Telefonat mit Putin am 16. Oktober appellierte das Kirchenoberhaupt an den russischen Präsidenten, humanitäre Hilfe und eine freiwillige Evakuierung der Zivilbevölkerung zu ermöglichen.

Die von Melania Trump vermittelte Vereinbarung gilt ausschließlich für die humanitäre Mission in und um Oleschky sowie die vereinbarten Korridore in der Region Cherson. In anderen Teilen der Ukraine dauern die russischen Angriffe und die Kämpfe an.

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