Bergbau

Rettung für den Riesen: Lausitzer Schaufelradbagger soll Besuchermagnet werden

Er gilt als eines der größten selbstfahrenden Arbeitsgeräte der Welt und sollte dennoch verschrottet werden. Experten empfehlen nun, ihn für den Tourismus zu erhalten.

3 Min
Bis 2002 war der riesige Schaufelradbagger noch im Einsatz, zuletzt half er bei der Renaturierung der Flächen.

Bis 2002 war der riesige Schaufelradbagger noch im Einsatz, zuletzt half er bei der Renaturierung der Flächen.

© STEFFEN RASCHE

Der Schaufelradbagger SRs 1500, besser bekannt als „Blaues Wunder“, ist vorerst vor dem Schrottplatz gerettet. Die drei Eigentümerkommunen Senftenberg, Großräschen und Schipkau haben sich auf einen Kurs zur Sicherung und zum Erhalt dieses Technikdenkmals verständigt, teilten sie in einer Pressemitteilung mit.

Damit ist die drohende Verschrottung des 4000 Tonnen schweren Stahlskeletts, das auf der Kippe Hörlitz nahe dem Lausitzring thront, vom Tisch. Ein neues Gutachten liefert die sachliche und wirtschaftliche Basis für den Neustart. Erstellt wurde es von einem Berliner Sachverständigenbüro. Die Experten kamen darin zu dem Ergebnis, dass sich das Großgerät mit vergleichsweise einfachen Mitteln sichern und erhalten lässt.

Mahnmal für den Strukturwandel der Region

Das „Blaue Wunder“ ist weit mehr als nur ein Haufen Altmetall. Der Schaufelradbagger SRs 1500 gilt als Meisterleistung der Ingenieurbaukunst. Er ist zudem eines der größten selbstfahrenden Arbeitsgeräte der Erde. Gebaut wurde er 1964 in Lauchhammer und war im Lausitzer Braunkohlerevier im Dienst. Seine Aufgabe war es, gewaltige Erdmassen und Abraum zu bewegen, um den Weg zu den wertvollen Kohleflözen freizumachen. Mit seinen enormen Dimensionen prägte er das Gesicht des hiesigen Tagebaus.

Nachdem 1999 die Kohleförderung im Tagebau Meuro eingestellt wurde, leistete er noch bis 2002 wichtige Arbeit bei der Sanierung und Rekultivierung des ehemaligen Tagebaugebietes. 2003 trat der Riese schließlich seine letzte, 8,5 Kilometer lange Fahrt zu seinem heutigen Standort auf der Kippe Hörlitz. Er erinnert an die Bergbautradition und den tiefgreifenden Strukturwandel, den die Region heute durchmacht.

Seit Jahren schon dauert die Diskussion um die Zukunft des Baggers an. Wetter und Vandalismus setzten dem Skelett aus Stahl stark zu. Das Gerät wurde zunehmend marode, wodurch die Gefahr entstand, dass sich Teile lösen und herabfallen könnten. Problematisch ist auch der Zugang. Er führt über das offizielle Sperrgebiet der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH (LMBV). Bis heute gilt ein dringender Appell an alle Besucher, die Zaunanlagen strikt zu beachten und das Gelände keinesfalls zu betreten.

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Thomas Nützsche, der Bürgermeister der Gemeinde Schipkau, hatte die Bagger-Rettung zur Priorität gemacht. Er brachte Kommunen, Denkmalschützer und Experten an einen Tisch. Und dort fiel nun auf Basis des vorliegenden Gutachtens die Entscheidung. Der Bagger soll erhalten bleiben und an die Bergbaugeschichte in der Region erinnern. Das langfristige Ziel ist eine Einbindung in die touristischen Konzepte im Lausitzer Seenland, um das Bergbaurelikt dauerhaft als Besuchermagnet zu etablieren.

Zunächst soll aber die Verkehrssicherheit hergestellt werden. Lose Teile werden entfernt, das sei mit wenigen Mitteln machbar, so die Experten aus Berlin. Außerdem soll eine neue Zufahrtsmöglichkeit jenseits des Sperrgebietes gefunden werden, um künftigen Besuchern den gefahrlosen Zugang zu dem Industriedenkmal zu ermöglichen.

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