Kinder mit Förderbedarf in Mecklenburg-Vorpommern sollen künftig ein verpflichtendes Jahr in der Kita vor der Einschulung absolvieren. Das kündigte Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) bei der Vorstellung der Verhandlungsergebnisse der geplanten Koalition mit Linken und Grünen an. Die neue Regierung prüfe die Möglichkeit einer solchen Regelung derzeit.
Grundlage soll eine künftig verbindliche Sprachstands- und Entwicklungserhebung sein. Im Alter von vier Jahren würden Kinder auf ihre motorischen, sprachlichen und sozialen Fähigkeiten geprüft. Wer Nachholbedarf habe, solle gezielt in den Kindergärten gefördert werden, so Schwesig.
Lesen und Rechnen in der Grundschule
An den Grundschulen will die Koalition die Grundfertigkeiten Lesen und Rechnen stärken. Der Fraktionschef der Linken, Hennis Herbst, verwies auf das bereits eingeführte Leseband, bei dem täglich 20 Minuten gelesen werde. Analog dazu solle ein Matheband eingeführt werden, „um einen Schwerpunkt bei den mathematischen Fähigkeiten zu setzen und das systematisch zu fördern“, sagte Herbst.
Zudem ist ein sogenannter Schulcampus geplant, der Schulen im ländlichen Raum zusammenführen soll, um ein breiteres Angebot zu ermöglichen. Welche Folgen das für die Schulwege der Kinder auf dem Dorf hat, ist bislang offen. Für die Sanierung von Schulen sind in den kommenden Jahren 600 Millionen Euro vorgesehen.
Streit um die Zahl der Lehrerstellen
Ausfallstunden und die hohe Zahl an Schulabbrechern waren zentrale Themen im Wahlkampf. Beide Zahlen will die Koalition deutlich senken. Dafür brauche es mehr qualifizierte Lehrkräfte. Die reformierte Lehrerausbildung an den Hochschulen mit mehr Praxisbezug zeige bereits Wirkung – die Zahl der Studienabbrecher sei zurückgegangen, hieß es.
Schwesig bezifferte den Bedarf auf 3500 Lehrkräfte in den kommenden Jahren. Diese Zahl liegt unter der Schätzung des Verbands Bildung und Erziehung (VBE). Dessen Landesvorsitzender Michael Blanck hatte im September von 5000 nötigen Stellen in den nächsten fünf Jahren gesprochen.
Offen blieb, wie viele zusätzliche Lehrkräfte über den Ersatz ausscheidender Pädagogen hinaus eingestellt werden sollen, um die Ausfallstunden zu reduzieren. Die Linken hatten im Wahlkampf konkret 950 zusätzliche Stellen gefordert. Stattdessen sprachen die Verhandler von „multiprofessionellen Teams“ mit Sozialpädagogen und Schulpsychologen, die den Alltag der Lehrkräfte entlasten sollen.
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Handyverbot bis Klasse 9 und mehr KI im Unterricht
Die Handyregeln an Schulen sollen künftig strenger durchgesetzt werden. Bislang konnten die Schulen eigene Regeln aufstellen. Wer das bis Jahresende nicht tue, für den gelte die bisherige Empfehlung der Landesregierung verbindlich – also ein Handyverbot bis zur 9. Klasse, erklärte Schwesig.
Gleichzeitig soll der Umgang mit Künstlicher Intelligenz (KI) stärker in den Unterricht einfließen. Die Chefunterhändlerin der Grünen, Claudia Müller, forderte zudem eine Stärkung der Medienkompetenz der Schüler. Einigkeit herrscht bei den Koalitionspartnern bei der Demokratiebildung: Lehrkräfte dürften sich zwar nicht parteipolitisch äußern, das Eintreten für Demokratie und gegen Extremismus und Ausgrenzung werde die Regierung aber gezielt unterstützen, kündigte Schwesig an.
Finanziell bleibt der Rahmen weitgehend stabil: Für den Bildungssektor sind in diesem Jahr zwei Milliarden Euro eingeplant, 2027 sollen es 2,1 Milliarden Euro sein.
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